Blackrock Aktie: Kehrtwende bei Staatsanleihen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 13:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sechs Jahre lang mied Blackrock US-Staatsanleihen, jetzt dreht der weltgrößte Vermögensverwalter die Position um. Die Strategen des hauseigenen Investmentinstituts stufen US-Treasuries hoch und nehmen im Gegenzug Risiko aus amerikanischen Aktien. Parallel dazu meldet der Konzern einen Deal im Gesundheitssektor.
Treasuries: Ende einer langen Untergewichtung
Das Blackrock Investment Institute hebt kurzlaufende US-Staatsanleihen auf "Übergewichten". Langlaufende Papiere steigen auf "Neutral". Die Untergewichtung begann im Oktober 2020, als die Rendite zehnjähriger Treasuries bei rund 0,9 Prozent lag.
Seither hat sich das Bild gedreht. Die Rendite stieg in diesem Jahr um 110 Basispunkte auf etwa 5,25 Prozent. Nach Einschätzung der Strategen treiben vor allem höhere Realzinsen den Anstieg, nicht höhere Inflationserwartungen. Verschärfter Wettbewerb um Kapital und geopolitische Spannungen im Nahen Osten haben demnach den neutralen Zins nach oben geschoben.
Die Märkte preisen seit Januar zusätzliche Zinserhöhungen der Fed ein. Blackrock hält diese Erwartungen für übertrieben. Bei den aktuellen Niveaus bleibe ein Puffer von rund 75 Basispunkten, bevor die Gesamtrendite negativ würde. Am kurzen Ende sehen die Strategen das größte Potenzial für nachlassende Zinserwartungen.
US-Aktien nur noch neutral
Finanziert wird die Umschichtung teils durch Gewinnmitnahmen bei US-Aktien. Die lange gehaltene Übergewichtung weicht einer neutralen Haltung. Blackrock nennt das eine taktische Risikoanpassung angesichts eines volatilen Umfelds und der Debatte um nationale KI-Politik und den Ausbau physischer Infrastruktur. Auch bei US-Agency-Hypothekenpapieren reduziert das Haus sein Engagement.
Strukturell bleibt die Botschaft positiv: KI-Aktien, börsennotierte Infrastruktur und Schwellenländeraktien bevorzugt Blackrock weiter. Höhere Zinsen trennten leistungsstarke Unternehmen von schwächeren, heißt es. Für das dritte Quartal erwartet das Haus bei S&P-500-Firmen ein Gewinnplus von fast 30 Prozent.
Joint Venture mit Humana
Zugleich hat Blackrock ein Geschäft im Gesundheitswesen vereinbart. Mit dem Versicherer Humana soll ein Gemeinschaftsunternehmen rund 150 Primärarztkliniken für Senioren der Marke CenterWell betreiben. Blackrock hält die Mehrheit, CenterWell eine Minderheit.
Der Vermögensverwalter übernimmt dafür den bestehenden Anteil des Finanzinvestors WCAS, der mit etwa 2,8 Milliarden Dollar bewertet ist. Das Closing ist für das vierte Quartal 2026 geplant. In den kommenden zwei Jahren soll frisches Kapital in neue Kliniken und Zukäufe fließen. Humana erwartet sinkende Verbindlichkeiten in der Bilanz, die Ergebnisprognose für 2026 bleibt nach Unternehmensangaben im Wesentlichen unberührt.
Die Blackrock-Aktie schloss zuletzt 0,14 Prozent höher bei 1.083,92 Dollar.
Als nächster Impuls für die Treasury-Renditen gelten die US-Verbraucher- und Erzeugerpreise. Sie liefern die erste Momentaufnahme der September-Inflation und zeigen, ob Blackrocks Wette auf den kurzen Laufzeiten aufgeht.
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