Brazilian Rare Earths Aktie: ANSN genehmigt Uranproduktion nicht
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 07:57 Uhr | Redaktion boerse-global.deBrazilian Rare Earths hat gestern im Bericht zum Septemberquartal 2026 einen Kassenbestand von 122 Millionen australischen Dollar und keine Kredite gemeldet. Das verschafft finanziellen Spielraum für die weitere Projektentwicklung. Eine gesicherte Finanzierung des späteren kommerziellen Betriebs lässt sich daraus allerdings ebenso wenig ableiten wie dessen Genehmigung.
Im Mittelpunkt steht die geplante Verbindung des Vorkommens Monte Alto mit der Verarbeitung in Camaçari. Die vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie weist hohe mögliche Erträge aus. Für Anleger zählt deshalb nicht nur das rechnerische Potenzial, sondern auch die Frage, welche Voraussetzungen Brazilian Rare Earths bis zur Umsetzung noch erfüllen muss.
Hohe Studienwerte mit deutlichen Vorbehalten
Die integrierte Scoping-Studie für Monte Alto und Camaçari beziffert den Kapitalwert nach Steuern auf 6,0 Milliarden US-Dollar. Die interne Verzinsung liegt rechnerisch bei 90 Prozent und die Amortisationszeit bei 1,1 Jahren.
Diese Ergebnisse sind keine gesicherten künftigen Einnahmen. Die Berechnung beruht auf langfristigen Argus-Preisannahmen für Europa und die USA. Damit hängt ihre Aussagekraft auch davon ab, ob sich die angesetzten Marktbedingungen tatsächlich einstellen.
Der durchschnittliche jährliche operative freie Cashflow wird mit 1,2 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Die Studie kalkuliert Kosten von rund 21 US-Dollar je Kilogramm NdPr-Äquivalent. Ihre vorläufige Genauigkeit liegt bei etwa ±40 Prozent.
Auch die geologische Grundlage enthält Unsicherheiten. Ein Teil des Produktionsziels stützt sich auf Ressourcen mit geringerer Einstufungssicherheit. Die hohen Modellwerte dürfen deshalb nicht mit einer bereits nachgewiesenen Wirtschaftlichkeit des späteren Betriebs gleichgesetzt werden.
Das Produktionsziel basiert zu etwa 75 Prozent auf angezeigten und zu 25 Prozent auf abgeleiteten Ressourcen. Eine aktualisierte Ressourcenschätzung strebt Brazilian Rare Earths für das vierte Quartal 2026 an.
Partner tragen einen Teil der Entwicklung
Bei der Verarbeitung meldete das Unternehmen bereits erstes Konzentrat aus Camaçari. Dieser Schritt ist ein technischer Fortschritt, ersetzt aber nicht den Nachweis eines dauerhaft funktionierenden kommerziellen Betriebs.
Für die zweite hydrometallurgische Pilotstufe ist die Inbetriebnahme im zweiten Quartal 2027 geplant. Partner übernehmen 59 Prozent der Finanzierung dieser Stufe. Hinzu kommt eine verbindliche europäische Abnahmevereinbarung mit Carester für schwere Seltene Erden über zehn Jahre.
Diese Vereinbarungen betreffen damit sowohl die Finanzierung eines konkreten Entwicklungsschritts als auch den späteren Absatz. Sie sind jedoch voneinander zu unterscheiden: Die anteilige Finanzierung der Pilotierung ist keine Zusage zur Finanzierung des gesamten integrierten Projekts.
Der gemeldete schuldenfreie Kassenbestand ist vor diesem Hintergrund ein wichtiger Ausgangspunkt. Für die Bewertung bleibt entscheidend, wie sich technische Erprobung, Ressourcenbasis und weitere Projektfinanzierung zusammenfügen.
Genehmigungen bleiben eine zentrale Voraussetzung
Parallel zum Quartalsbericht rückten gestern Umwelt- und Genehmigungsfragen in den Blick. Medienberichten zufolge erfordert der Betrieb weiterhin Umwelt- und Strahlenschutzgenehmigungen. Die bereits erteilte Genehmigung für experimentellen Abbau ist damit nicht mit einer umfassenden Betriebsfreigabe gleichzusetzen.
Der Bericht nennt zudem Überschneidungen von Bergbauverfahren mit Schutzgebieten. Bewohner berichten von Verkaufsdruck bei Grundstücken. Diese Vorwürfe sind von festgestellten Rechtsverstößen zu unterscheiden, zeigen aber mögliche Konfliktfelder der Projektentwicklung.
Auch Uran verlangt eine gesonderte Betrachtung. Die Strahlenschutzbehörde ANSN hat eine Uranproduktion nicht genehmigt. Eine mögliche Gewinnung von Urankonzentrat in Camaçari wäre genehmigungspflichtig; Uranerlöse sind aus der Studienökonomie ausgeschlossen.
Für Anleger ergibt sich damit ein klarer Bewertungsmaßstab: Brazilian Rare Earths verfügt über Liquidität, Partnervereinbarungen und ein wirtschaftlich aussichtsreiches Studienmodell. Ob daraus ein tragfähiger Betrieb entsteht, müssen die nächsten technischen Schritte, die Ressourcenaktualisierung und die erforderlichen Genehmigungen erst belegen.
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