Brent, Crude

Brent Crude: Kurssprung nach Angriff auf Frachter

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 12:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Angriffe und ungelöste Spannungen im Nahen Osten stützen den Ölpreis; die Bank of America erhöht ihre Brent-Jahresendprognose auf 95 Dollar.

Brent-Öl steigt auf 105,59 Dollar – Nahostrisiken treiben Preise
Ein großer Öltanker fährt bei Sonnenuntergang auf dem offenen Ozean. Illustration mit AI erstellt.

Der Preis für die Nordseesorte Brent zieht kräftig an. Mit einem Kurssprung von 7,3 Prozent notiert das Fass Brent Crude aktuell bei 105,59 US-Dollar, nachdem der Schlusskurs gestern noch bei 98,36 US-Dollar gelegen hatte.

Verhärtete Fronten und neue Zwischenfälle

Irans Präsident Massud Peseschkian wies vor der UN-Generaldebatte Drohungen von US-Präsident Donald Trump entschieden zurück und betonte, sein Land werde sich dem militärischen Druck nicht beugen. Trump hatte Teheran zuvor zwei Optionen vorgehalten: ein Abkommen oder die militärische Zerstörung.

Zwar trafen sich US-Unterhändler um Steve Witkoff und Jared Kushner zu dreistündigen Gesprächen mit Vertretern der iranischen Delegation, doch bleiben zentrale Streitpunkte ungelöst. Iran knüpft eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus an die Aufhebung der US-Seeblockade sowie die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte.

Die prekäre Sicherheitslage im Seeverkehr verschärfte sich parallel dazu weiter. Die britische Beobachtungsstelle UKMTO meldete einen erneuten Angriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus, das nach einem Treffer in Flammen geriet.

Zwar bemüht sich Saudi-Arabien um Ausweichrouten und nahm seine Ost-West-Pipeline nach Yanbu am Roten Meer nach Reparaturarbeiten wieder in Betrieb. Die Umgehungskapazitäten können den Ausfall der zentralen Wasserstraße im Nahen Osten jedoch nur teilweise ausgleichen.

Spekulationen um US-Exportbeschränkungen belasten Produktmärkte

Zusätzliche Unruhe brachte eine Debatte über die US-Energiepolitik in den Markt. Berichte über ein angeblich vorbereitetes, 90-tägiges Exportverbot für Dieselkraftstoff aus den USA sorgten vor allem an den Raffineriemärkten für heftige Ausschläge.

Das Weiße Haus trat diesen Spekulationen zwar entschieden entgegen und bezeichnete die Berichte als unzutreffend. US-Energieminister Chris Wright erklärte, ein pauschales Ausfuhrverbot funktioniere nicht und werde von der Regierung nicht erwogen.

Gleichwohl hatte Trump zuvor öffentlich geäußert, Ausfuhren begrenzen zu wollen, um die heimischen Treibstoffpreise vor den anstehenden Kongresswahlen zu dämpfen. Auch Finanzminister Scott Bessent bestätigte, dass die Machbarkeit von Beschränkungen mit Blick auf die Raffineriekapazitäten geprüft werde.

Marktteilnehmer befürchten bei tatsächlichen Exportstopps schwere Versorgungsengpässe in Europa und Lateinamerika, da diese Regionen in hohem Maße auf Treibstofflieferungen aus den USA angewiesen sind.

Analysten warnen vor anhaltendem Defizit

Die Verknappungssignale schlagen sich zunehmend in den Projektionen großer Banken nieder. Die Strategen der Bank of America um Francisco Blanch hoben ihre Prognose für Brent zum Jahresende von 83 auf 95 US-Dollar je Barrel an. Die Experten warnten davor, dass die Notierungen bei anhaltenden Störungen oder weiteren Infrastrukturschäden bis ins kommende Jahr hinein auf über 150 US-Dollar steigen könnten, um die Nachfrage künstlich zu bremsen.

Händler blicken nun darauf, ob die diplomatischen Kontakte in New York eine greifbare Entspannung bringen oder ob die Blockade der Seewege den globalen Rohölmarkt weiter einschnürt.

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