Broadcom Aktie: Konkurrenz drückt Prognose
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 02:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahlen selbst lesen sich stark. Was Anleger nachbörslich verschreckt, ist der Ausblick — und die Sorge, dass Broadcom im Rennen um KI-Chips nicht mehr allein an der Spitze steht.
Der US-Halbleiter- und Softwarekonzern verdreifachte seinen KI-Chip-Umsatz im dritten Geschäftsquartal auf 16,7 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz kletterte auf 29,59 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Wall Street von rund 29,25 Milliarden Dollar. Auch der bereinigte Gewinn je Aktie fiel mit 3,32 Dollar besser aus als die von Analysten geschätzten 3,21 Dollar.
Die Aktie reagierte trotzdem mit einem Kursrutsch von mehr als drei Prozent im nachbörslichen Handel. Der Grund liegt im Ausblick: Für das vierte Quartal rechnet Broadcom mit einem Umsatz von etwa 34,8 Milliarden Dollar — Analysten hatten im Schnitt 35,03 Milliarden Dollar erwartet.
Die KI-Chip-Erlöse sollen im laufenden Quartal zwar auf 21,7 Milliarden Dollar steigen und damit leicht über der Konsensschätzung liegen, das reichte den Anlegern aber offenbar nicht, um die schwächere Gesamtprognose zu kompensieren.
Marvell und Google setzen Broadcom unter Druck
Der Kursrutsch spiegelt eine tiefer liegende Sorge wider: Broadcoms Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Prozessoren bekommt ernstzunehmende Konkurrenz. Große Technologiekonzerne suchen zunehmend Alternativen zu Nvidias dominanten KI-Chips — und finden sie nicht nur bei Broadcom.
Konkurrent Marvell schloss im vergangenen Monat eine Custom-Chip-Vereinbarung mit Google, die bis zum Geschäftsjahr 2033 Umsätze von bis zu 120 Milliarden Dollar bringen könnte.
Google könnte im Zuge dieser Partnerschaft mit einer Beteiligung von bis zu 12,2 Milliarden Dollar sogar zu einem der größten Investoren von Marvell werden. Für Broadcom, dessen Custom-Chip-Sparte bislang als Wachstumsmotor galt, ist das ein Signal: Die Hyperscaler diversifizieren ihre Lieferantenbasis.
Parallel dazu arbeitet Broadcom daran, seine Fertigungskapazitäten auszubauen und die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern zu verringern. Im Juli unterzeichnete das Unternehmen dazu eine mehrjährige Absichtserklärung mit Samsung Electronics — ein Schritt, der die angespannte Lieferkette für KI-Hardware entlasten soll.
Die Aktie hat im laufenden Jahr bislang rund sechs Prozent zugelegt und damit sowohl große Halbleiter-Konkurrenten als auch den breiteren Chip-Index hinter sich gelassen zurückgelassen. Der jüngste Ausblick zeigt jedoch, dass der Markt genauer hinschaut, ob Broadcom sein Wachstumstempo halten kann, während Rivalen wie Marvell mit milliardenschweren Deals nachlegen.
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