Cancom Aktie: Gewinnsprung ĂŒberzeugt nicht
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehr ProfitabilitĂ€t, weniger Kurs â bei Cancom passt am Dienstag etwas nicht zusammen. Der IT-Dienstleister meldet ein deutlich verbessertes Ergebnis fĂŒr das erste Halbjahr, die Aktie rutscht trotzdem ab. Der Kurs fiel im frĂŒhen Handel um fast zwei Prozent auf 23,60 Euro und nĂ€herte sich damit wieder der 23-Euro-Marke, die im Juli mehrfach als UnterstĂŒtzung diente.
Bessere Marge, schwÀcherer Umsatz
Auf den ersten Blick liefert Cancom solide Zahlen. Das EBITDA kletterte im ersten Halbjahr um ein Drittel auf 49,2 Millionen Euro, das EBITA legte sogar um mehr als das Doppelte zu. Die Rohertragsmarge verbesserte sich auf 44,2 Prozent.
Der Umsatz zeigt allerdings die Kehrseite: Er sank um 3,5 Prozent auf 775,9 Millionen Euro. Vorstandschef RĂŒdiger Rath erklĂ€rte den RĂŒckgang mit verzögerten Investitionsentscheidungen der Kunden â ein Effekt, der besonders im internationalen GeschĂ€ft durchschlug. WĂ€hrend sich der Umsatz in Deutschland mit 500,7 Millionen Euro stabil hielt und dort das EBITDA von 13,7 auf 30,6 Millionen Euro sprang, brach das AuslandsgeschĂ€ft auf 275,2 Millionen Euro ein, das dortige EBITDA sank von 23,0 auf 18,6 Millionen Euro.
Genau das dĂŒrfte der Grund fĂŒr die Kursreaktion sein: Analysten hatten trotz des erwarteten UmsatzrĂŒckgangs auf ein noch stĂ€rkeres Ergebnis gehofft. Die Diskrepanz zwischen Erwartung und RealitĂ€t wiegt an der Börse offenbar schwerer als die operative Verbesserung selbst.
Prognose bestÀtigt, Zweifel bleiben
Cancom hĂ€lt trotz der durchwachsenen Zahlen an seiner Jahresprognose fest. FĂŒr 2026 rechnet der Vorstand mit einem Umsatz zwischen 1,75 und 1,85 Milliarden Euro und einem EBITDA von 110 bis 130 Millionen Euro, nach 102,5 Millionen Euro im Vorjahr. Am Markt wird dieses Ziel zunehmend als ambitioniert eingeschĂ€tzt, da es eine deutliche Beschleunigung im zweiten Halbjahr voraussetzt.
AuffĂ€llig ist zudem der operative Cashflow, der im ersten Halbjahr auf minus 109,6 Millionen Euro fiel, nach knapp positiven 0,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Cancom begrĂŒndet dies mit höheren Investitionen ins Working Capital. Zum 30. Juni verfĂŒgte der Konzern noch ĂŒber 21,5 Millionen Euro an Zahlungsmitteln.
Ob Cancom die fĂŒr das zweite Halbjahr nötige Wachstumsdynamik entfalten kann, dĂŒrfte sich an der Entwicklung des internationalen GeschĂ€fts entscheiden. Bislang bremst genau dieses Segment die Gesamtbilanz, wĂ€hrend Deutschland als StabilitĂ€tsanker fungiert.
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