Carbios Aktie: 30 Prozent Erholung in vier Wochen
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 02:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Carbios-Aktien haben in den vergangenen vier Wochen krÀftig zugelegt. Der Kurs stieg um 30,28 Prozent. Am Freitag schloss die Aktie bei 7,40 Euro, ein Plus von 4,08 Prozent. Trotz der Rally bleibt der französische Biotech-Wert tief in den roten Zahlen: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 34,51 Prozent zu Buche.
Die Erholung kommt von weit unten. Im Juni war der Kurs auf ein Jahrestief von 5,05 Euro gefallen. Seither hat sich die Aktie um 46,53 Prozent erholt. Vom Rekordhoch bei 15,79 Euro aus dem Dezember 2025 trennen Carbios aber immer noch mehr als 53 Prozent.
Longlaville bleibt der entscheidende Hebel
Im Zentrum der Carbios-Geschichte steht die Finanzierung der Anlage in Longlaville. Das Werk im Osten Frankreichs soll PET-Kunststoffe biologisch recyceln. Der Neustart der Anlage hĂ€ngt an einer Finanzierungsrunde, deren Abschluss das Unternehmen fĂŒr das dritte Quartal 2026 anvisiert.
Bis dahin bleiben die Einnahmen begrenzt. Die Verluste laufen weiter. Investoren richten den Blick deshalb auf jedes Signal, das Klarheit ĂŒber den Stand der Verhandlungen bringen könnte.
Finanziell hat sich Carbios noch Luft verschafft. Zum 31. Dezember 2025 verfĂŒgte der Konzern ĂŒber eine Kassenposition von 59 Millionen Euro. FĂŒr 2026 rechnet das Management â ohne das Longlaville-Projekt â mit einem Barmittelverbrauch von rund 20 Millionen Euro, deutlich weniger als 2025. Das Unternehmen erklĂ€rt, die Mittel reichten aus, um den laufenden Betrieb ĂŒber die nĂ€chsten zwölf Monate hinaus zu decken.
China-Projekt rutscht ins Jahr 2028
Zur Unsicherheit trÀgt eine weitere Verzögerung bei. Das Gemeinschaftsprojekt mit dem chinesischen Partner Wankai New Materials verschiebt sich erneut. Die erste PET-Recyclinganlage in China soll nun erst in der ersten JahreshÀlfte 2028 starten.
Die Anlage entsteht in Haining in der Provinz Zhejiang und soll jĂ€hrlich 50.000 Tonnen PET-Abfall verarbeiten. Carbios begrĂŒndet die Verzögerung mit zusĂ€tzlichem Engineering-Aufwand. Der Enzymprozess mĂŒsse an die besonderen Gegebenheiten des chinesischen Standorts angepasst werden.
Die Verschiebung trifft auch die Kapitalseite der Partnerschaft. Wankais geplante Investition von 5 Millionen Euro in Carbios verschiebt sich nun bis spÀtestens zum 31. Dezember 2026.
Governance-Streit sorgt fĂŒr zusĂ€tzliche Unruhe
Neben den operativen Verzögerungen belastet ein Streit um die UnternehmensfĂŒhrung das Bild. Die AktionĂ€rsvereinigung ADISECT hatte Anfang des Jahres Bedenken zur Struktur der Wankai-Partnerschaft geĂ€uĂert. Carbios reagierte mit einer öffentlichen Gegendarstellung.
In einer ErklĂ€rung vom 4. MĂ€rz 2026 wies das Unternehmen sĂ€mtliche VorwĂŒrfe gegen sich und sein Management zurĂŒck. Carbios sprach von einer Destabilisierungskampagne eines ehemaligen Managers und kĂŒndigte an, bei der Staatsanwaltschaft in Lyon Anzeige wegen falscher Anschuldigung erstattet zu haben.
Was in den kommenden Tagen zÀhlt
Konkrete Unternehmenstermine stehen kurzfristig nicht an. Die Aufmerksamkeit dĂŒrfte sich deshalb auf zwei StrĂ€nge konzentrieren: neue Details zur Longlaville-Finanzierung und weitere Angaben zum ĂŒberarbeiteten Zeitplan mit Wankai.
Die annualisierte 30-Tage-VolatilitĂ€t liegt bei knapp 95 Prozent â ein Wert, der die NervositĂ€t rund um den Titel unterstreicht. KursausschlĂ€ge dĂŒrften daher nicht nur von Unternehmensnachrichten abhĂ€ngen, sondern auch von der allgemeinen Stimmung gegenĂŒber Recycling- und Biotech-Werten. Ob die Aktie den 50-Tage-Durchschnitt bei 6,30 Euro als UnterstĂŒtzung hĂ€lt oder sich an der Marke von 7,06 Euro â dem 100-Tage-Durchschnitt â festbeiĂt, dĂŒrfte die Handelsspanne der kommenden Wochen prĂ€gen.
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