Chevron Aktie: Rückzug aus Angola, Ärger im Weißen Haus
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 12:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chevron trennt sich von einem Teil seines Angola-Geschäfts und steht zugleich im Zentrum eines politisch aufgeladenen Treffens in Washington. Zwei völlig unterschiedliche Baustellen, die zeigen, wie breit das Spannungsfeld für den Ölkonzern derzeit ist.
Verkauf vor der Küste Angolas
Der angolanische Energiekonzern Etu Energias übernimmt Chevrons Anteile an den Offshore-Blöcken 14 und 14K vor der Küste Cabindas. Konkret geht es um 31 Prozent an Block 14 und 15,5 Prozent an Block 14K – Etu Energias macht von seinem Vorkaufsrecht als bestehender Partner Gebrauch und wird damit größter Anteilseigner eines der ältesten Tiefsee-Förderprojekte des Landes.
Die Basissumme liegt bei 260 Millionen Dollar in bar, hinzu kommen mögliche Zusatzzahlungen von bis zu 250 Millionen Dollar bis 2038, abhängig von Ölpreis und Fördermenge.
Block 14 produziert seit 1999 und hat seither mehr als 900 Millionen Barrel Rohöl gefördert. Der Deal soll Anfang 2027 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der Zustimmung der angolanischen Regulierungsbehörde ANPG. Für Chevron ist es ein weiterer Schritt im Portfolio-Umbau – Kapital fließt aus einem reifen Fördergebiet ab, während der Konzern anderswo, etwa in Venezuela, expandiert.
Ärger im Weißen Haus
Parallel dazu gehört Chevron zu den Unternehmen, die für ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump eingeladen wurden. Anlass ist Trumps öffentliche Kritik an US-Raffinerien, denen er vorwirft, von hohen Benzinpreisen zu profitieren, statt sie zu senken. Die Benzinpreise liegen aktuell über vier Dollar je Gallone – laut dem American Automobile Association-Verband der teuerste August der Geschichte.
Das Treffen soll offiziell um den Ausbau der US-Raffineriekapazität gehen, die laut Weißem Haus bei nahezu 100 Prozent Auslastung liegt. Neben Chevron wurden unter anderem Marathon Petroleum, Valero Energy, Delek US Holdings und PBF Energy eingeladen. ExxonMobil fehlt auf der Liste – Beobachter bringen das mit Spannungen zwischen Trump und Exxon-Chef Darren Woods über dessen kritische Äußerungen zu Venezuela in Verbindung.
Für die eingeladenen Unternehmen ist die Lage heikel. Ein früherer Energie-Lobbyist bezeichnete das Treffen als reine PR-Inszenierung, die für die Firmen nur zu Peinlichkeiten führen könne. Gleichzeitig wollen die Konzerne die Chance nutzen, direkt über Biokraftstoff-Politik und den Jones Act zu sprechen, der Transportkosten für Treibstoff zwischen US-Häfen beeinflusst.
Für Chevron-Anleger bleibt der Angola-Verkauf das operativ greifbarere Signal: Der Konzern verschlankt sein Portfolio in reifen Fördergebieten, während die politische Bühne in Washington eher Nebengeräusch als Kurstreiber sein dürfte.
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