Commerzbank Aktie: UniCredit steigt auf 49,65 Prozent
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Aufsichtsratschef der Commerzbank, Jens Weidmann, hat vor den Folgen des Sparprogramms gewarnt, das UniCredit-Chef Andrea Orcel für das Institut vorsieht.
Um Einsparungen von 1,3 Milliarden Euro binnen zwölf Monaten zu erreichen, müsse auch in Deutschland massiv reduziert werden, sagte Weidmann am Sonntag. Damit rückt neben der Übernahmefrage selbst zunehmend die Frage in den Fokus, was ein Kontrollwechsel operativ für die Bank und ihre Beschäftigten bedeutet.
Weidmann sprach sich zugleich dafür aus, dass der Bund vorerst Aktionär der Commerzbank bleibt. „In der aktuellen Phase macht es aber Sinn, dass der Bund weiter Aktionär bleibt, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten“, erklärte er.
Die Aussage fällt in eine Phase, in der UniCredit ihre Position weiter ausgebaut hat: Durch eingezogene Aktienrückkäufe stieg der Stimmrechtsanteil des italienischen Instituts auf bis zu 49,65 Prozent, nachdem er zuvor bei 47,59 Prozent gelegen hatte. Die Mailänder rücken damit rechnerisch dicht an die 50-Prozent-Marke heran, ohne dass eine formale Mehrheitsübernahme bereits vollzogen wäre.
Kritik am Übernahmerecht
Weidmann nutzte den Auftritt auch, um grundsätzliche Kritik am deutschen Übernahmerecht zu üben. Von rund 73 Prozent der Commerzbank-Aktien, die UniCredit theoretisch hätten angedient werden können, seien am Ende nur knapp 18 Prozent tatsächlich angedient worden.
Groß- und Privatanleger hätten sich mit weniger als drei Prozent beteiligt. „So konnte UniCredit mit einem finanziell unattraktiven Angebot eine Mehrheit erreichen, ohne eine angemessene Kontrollprämie zu bezahlen“, so Weidmann. Er forderte deshalb eine Überprüfung der geltenden Regeln.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der der Übernahmeprozess formal weiter voranschreitet. Die Bafin hatte den UniCredit-Antrag auf eine Mehrheitsbeteiligung bereits als vollständig eingestuft und an die EZB weitergeleitet, die nun am Zug ist.
Nach Markteinschätzung könnte UniCredit die Kontrolle über die Commerzbank im Herbst 2026 oder Anfang Dezember übernehmen; Orcel selbst rechnet mit einer aufsichtsrechtlichen Genehmigung möglicherweise noch im vierten Quartal 2026. Auf Unternehmensseite zeichnet sich derweil eine vorsichtige Gesprächsbereitschaft ab: Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp hatte intern Offenheit für einen Austausch mit UniCredit signalisiert.
Operatives Geschäft liefert Rückhalt
Die Debatte um Kontrolle und Kosten trifft eine Bank, die operativ zuletzt stark performte. Das Nettoergebnis im ersten Halbjahr 2026 kletterte um rund 40 Prozent auf einen Rekordwert von 1,81 Milliarden Euro, der Nettogewinn im zweiten Quartal legte um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro zu.
Die Erträge stiegen um 7 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund hob das Institut seine Nettoergebnisprognose für 2026 auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an und veröffentlichte eine weiterentwickelte „Momentum 2030“-Strategie mit ambitionierten Zielen bis zum Ende des Jahrzehnts.
Für Anleger dürfte diese Kombination aus starken Zahlen und ungeklärter Machtfrage die Aktie weiter in Bewegung halten. Das Papier notiert aktuell bei 40,63 Euro und damit nur 0,9 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro.
Der Kurs liegt gut sechs Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 38,27 Euro – ein Zeichen dafür, dass der Markt die operative Stärke der Bank trotz der ungelösten Übernahmefrage honoriert.
Ob Weidmanns Warnungen vor massiven Kosteneinschnitten die Verhandlungsposition der Commerzbank stärken oder den Übernahmeprozess eher verzögern, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn die EZB über den UniCredit-Antrag entscheidet.
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