Commerzbank Aktie: Weidmann kritisiert 18-Prozent-Andienung
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Jens Weidmann, hat eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts gefordert. Anlass ist die Art und Weise, wie UniCredit die Kontrollmehrheit am Frankfurter Institut erlangt hat, ohne dafür nach Ansicht Weidmanns eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf ein Interview mit dem Aufsichtsratschef.
Kern der Kritik ist die Andienungsquote. Von rund 73 Prozent der Commerzbank-Aktien, die UniCredit im Rahmen des Übernahmeangebots angedient werden konnten, wechselten laut Weidmann letztlich nur knapp 18 Prozent tatsächlich den Besitzer.
Institutionelle und private Investoren beteiligten sich demnach mit weniger als drei Prozent an der Andienung – der überwiegende Rest der angedienten Papiere stammte von Banken, die bereits mit UniCredit verbunden sind.
Für Weidmann ist das ein Beleg dafür, dass die breite Aktionärsbasis dem italienischen Institut kein Vertrauen ausgesprochen hat, UniCredit aber dennoch über die faktische Kontrolle verfügt.
Bund soll vorerst Aktionär bleiben
Vor diesem Hintergrund fordert Weidmann, dass der Bund zumindest in der aktuellen Phase Aktionär der Commerzbank bleiben soll, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten.
Eine formale Entscheidung der Bundesregierung über einen Verkauf ihres Anteils an UniCredit gibt es nach verfügbaren Informationen bislang nicht – Regierungsvertreter hatten sich Medienberichten zufolge lediglich offen für Gespräche über eine gemeinsame Strategie gezeigt, sollte eine solche gefunden werden. Von einer abgeschlossenen Transaktion kann derzeit keine Rede sein.
Weidmann warnte zudem vor möglichen Einschnitten im Inland. Er verwies darauf, dass UniCredit Kosteneinsparungen von 1,3 Milliarden Euro binnen zwölf Monaten plane. Zugleich signalisierte er Gesprächsbereitschaft gegenüber UniCredit-Chef Andrea Orcel: Die Tür für strategische Gespräche sei aus seiner Sicht geöffnet, so Weidmann laut dem Interview.
Von offenem Widerstand zu direkten Gesprächen
Der Vorstoß fügt sich in eine Entwicklung, die sich seit dem Sommer abzeichnet. Ende Juli hatte die Commerzbank ihren offenen Widerstand gegen eine Fusion mit UniCredit aufgegeben, direkte Gespräche zwischen beiden Häusern standen unmittelbar vor der Wiederaufnahme.
Die Europäische Zentralbank äußerte sich intern grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber einer Übernahme, warnte laut Medienberichten aber vor einem herausfordernden und langwierigen Integrationsprozess.
Operativ steht die Commerzbank derzeit solide da. Im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis um 11 Prozent auf einen Rekordwert von 1,4 Milliarden Euro, die Bank hob daraufhin ihre Jahresguidance an und stellt nun ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro für das laufende Geschäftsjahr in Aussicht.
Im zweiten Quartal bestätigte sich der positive Trend mit einem höheren Halbjahres-Nettoergebnis. Parallel dazu investiert das Institut im Rahmen seiner Strategie „Momentum 2030" bis 2030 kumuliert rund 600 Millionen Euro in den Ausbau von Künstlicher Intelligenz.
An der Börse notiert die Aktie am heutigen Donnerstag bei 39,89 Euro und damit 1,9 Prozent leichter als am Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 6,2 Prozent, seit Jahresbeginn hat das Papier zehn Prozent zugelegt.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 41,00 Euro trennen die Aktie derzeit noch 2,7 Prozent – ein Zeichen dafür, dass der Übernahmepoker die Anleger trotz aller offenen Fragen bislang nicht verschreckt hat.
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