DAX, Europas

DAX: Europas große Stunde bleibt aus

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 12:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der DAX verzeichnet seit Jahresbeginn nur 7,5 Prozent Plus und bleibt damit deutlich hinter US-Index und Stoxx Europe 600 zurück.

DAX-Rally trotz Nahost-Krise: Europas Börsenjahr 2026 bleibt hinter Erwartungen
Ein einsamer Geschäftsmann geht in der Morgendämmerung über einen leeren Platz vor einem modernen Bürogebäude. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sieben Monate ist das Börsenjahr 2026 alt, und die Bilanz fällt für den DAX ernüchternder aus als gedacht. Zum Jahreswechsel setzten viele Experten auf Europa: günstige Bewertungen, ein schwacher Dollar, milliardenschwere Staatsprogramme. Trotz frischer Rekordhochs hat der deutsche Leitindex sein Versprechen bislang nicht eingelöst.

Auf Basis der Total-Return-Indizes liegt der S&P 500 seit Jahresbeginn mit einem Plus von 14,0 Prozent nahezu gleichauf mit dem Stoxx Europe 600, der 14,1 Prozent zulegte. Der DAX kommt dagegen nur auf 7,5 Prozent. Bis Ende Februar hatten Stoxx und DAX noch einen kleinen Vorsprung – dann kam der Iran-Krieg.

Ölpreisschock trifft Exportwerte besonders hart

Der Einbruch im März drehte die Gewichte komplett. Alle drei Indizes gingen auf Talfahrt, am härtesten traf es den DAX mit einem Minus von rund neun Prozent. Seine exportlastigen Industriewerte reagieren besonders empfindlich auf steigende Energiepreise und geopolitisches Risiko – und genau das lieferte der Nahe Osten reichlich.

Die Erholung danach verlief ähnlich synchron wie der Absturz zuvor. Seit dem Jahrestief im März kletterte der DAX um gut ein Fünftel, allein in der vergangenen Woche legte er sechseinhalb Prozent zu – die vierte Gewinnwoche in Folge. Am Freitag schloss der Index bei 26.440,31 Punkten und markierte damit ein neues Rekordhoch auf Schlusskursbasis, nachdem er am Mittwoch zuvor intraday bis auf 26.573,60 Punkte gestiegen war.

Anleger blenden den Nahost-Konflikt zunehmend aus

Bemerkenswert: Der Markt reagiert kaum noch auf neue Eskalationsstufen. US-Präsident Trump kündigte am Wochenende an, die Kontrolle über die Straße von Hormus übernehmen zu wollen – der Iran wies das zurück und stellt Verhandlungen offen infrage. Die Regierung in Washington prüft zudem Sanktionen gegen chinesische Großabnehmer und Banken sowie eine mögliche Landblockade.

Marktbeobachter sprechen von einer gewissen Schlagzeilen-Müdigkeit. Ähnlich wie beim Russland-Ukraine-Krieg reagiere der Markt nicht mehr bei jeder Iran-Meldung mit Ausschlägen von mehreren Prozent. Charttechnisch mahnt der überkaufte RSI-Wert zur Vorsicht, während der MACD bereits nach unten gedreht hat – ein Hinweis auf mögliche Gewinnmitnahmen nach der starken Rally.

Der VDAX-New, das Angstbarometer der Deutschen Börse, notiert mit 15,39 Prozent weiter im Normbereich und signalisiert damit keine erhöhte Nervosität. Sollte der DAX unter die Marke von 26.275 Punkten fallen, könnte eine Konsolidierung Richtung 25.900 und 25.507 Punkte einsetzen.

Ein Ausbruch über 26.655 Punkte hingegen würde die übergeordnete Zielzone bei 27.500 Punkten schneller wieder in Reichweite bringen – angesichts der ungelösten Nahost-Lage aktuell aber eher das unwahrscheinlichere Szenario.

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