DAX: Ölpreis hält Zügel fest, Broadcom als nächste Hürde
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 00:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der DAX kommt aus seiner Konsolidierung nicht heraus. Nach dem Rekordhoch der vergangenen Woche bei 26.618,74 Punkten geht es seit Tagen bergab — am Mittwoch fiel der Leitindex zeitweise auf 25.810 Punkte und damit unter die viel beachtete Marke von 26.000 Zählern. Am Nachmittag stabilisierte sich der Index knapp darunter, Charttechniker richten den Blick nun auf die 50-Tage-Linie bei rund 25.625 Punkten.
Ă–l und Zinsen bremsen die Rally
Der Auslöser der Schwäche liegt weniger im DAX selbst als in der Gemengelage aus Energiepreisen und Anleiherenditen. Die Sorte Brent kostete zwischenzeitlich über 97 Dollar je Barrel, ehe sie sich wieder Richtung 95 Dollar zurückzog — die psychologische 100-Dollar-Marke rückt damit in Sichtweite.
Hintergrund sind die anhaltenden Angriffe zwischen den USA und dem Iran, die zuletzt auch verbĂĽndete Golfstaaten sowie die StraĂźe von Hormus erreicht haben.
Steigende Ölpreise nähren Inflationssorgen, und das treibt die Marktzinsen. Die US-Zehnjahresrendite kletterte auf 4,81 Prozent, die deutsche Zehnjahresrendite auf 3,38 Prozent — den höchsten Stand seit 15 Jahren.
Eine EZB-Zinserhöhung in der kommenden Woche gilt als praktisch beschlossen, für die Fed-Sitzung im September wird nach der falkenhaften Rede von Notenbankchef Kevin Warsh eine Anhebung mit knapp 70 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist.
Etwas Entlastung kam am Nachmittag von schwächeren ADP-Arbeitsmarktdaten aus den USA. Ein sich abkühlender Jobmarkt gibt der Fed potenziell mehr Spielraum, mit einer Zinserhöhung zu warten — die Reaktion an den Märkten blieb bislang verhalten.
Einzelwerte zwischen Bankenglanz und Autokrise
Im DAX zählte die Deutsche Bank zu den stärksten Werten, nachdem Goldman Sachs die Aktie auf "Kaufen" hochgestuft und eine "Ära höherer Profitabilität" ausgerufen hatte — der Kurs erreichte zeitweise den höchsten Stand seit Anfang 2014. Auch Adidas legte nach einer positiven Einstufung durch Barclays zu, das Institut sieht die Innovationstage in Herzogenaurach am 23. und 24. September als möglichen Kurstreiber.
Auf der Verliererseite steht Volkswagen mit einem KursrĂĽckgang von 2,6 Prozent. Der Autobauer muss den EuroStoxx 50 am 21. September verlassen, die Vorzugsaktie hat seit Jahresbeginn bereits mehr als ein Viertel an Wert eingebĂĽĂźt.
Ausländische Vorgaben lieferten ebenfalls keinen Rückenwind: Asiatische Indizes wie der Nikkei 225 und der KOSPI verzeichneten deutliche Verluste, besonders technologielastige Werte gerieten unter Druck — steigende Zinsen treffen hoch bewertete Wachstumswerte traditionell härter.
Der Blick richtet sich nun auf den US-Handel nach Börsenschluss: Broadcom legt seine Quartalszahlen vor, mit einem für das KI-Halbleitergeschäft erwarteten Umsatzsprung auf rund 16 Milliarden Dollar. Fällt der Ausblick des Chip-Schwergewichts enttäuschend aus, dürfte das auch die Stimmung am DAX zum Wochenausklang belasten — bleibt er stark, könnte er dem angeschlagenen Technologiesegment neuen Schwung geben.
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