Lufthansa, Aktie

Deutsche Lufthansa Aktie: TAP-Zugriff

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 17:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das unverbindliche Angebot für TAPs restliche Aktien ergänzt den geplanten Minderheitseinstieg; politische Zustimmung und weitere Verhandlungen stehen noch aus.
Ein modernes Verkehrsflugzeug rollt bei goldenem Licht auf der Startbahn eines internationalen Flughafens. Illustration mit AI erstellt.

Lufthansa greift nach Portugals Staatsairline TAP und denkt bereits über den Kauf der gesamten Fluggesellschaft nach. Nach dem Zuschlag für einen Minderheitsanteil am Mittwoch liegt nun ein Angebot für die restlichen Anteile auf dem Tisch. Es ist allerdings noch unverbindlich.

Erst die Minderheit, dann die Mehrheit

Die Regierung in Lissabon hatte Lufthansa den Vorzug vor Air France-KLM gegeben. Zunächst sollen knapp 45 Prozent an TAP in den Konzern wandern, für gut eine Milliarde Euro. Bis zu fünf Prozent sind für die Beschäftigten reserviert, bleiben diese ungenutzt, könnte Lufthansa sie ebenfalls übernehmen. Der Kaufpreis stiege dann auf 1,2 Milliarden Euro.

Für die verbleibenden 50,1 Prozent bietet Lufthansa nach Angaben der portugiesischen Regierung 1,351 Milliarden Euro. Der Konzern will davon 863 Millionen Euro in bar zahlen. Den Rest soll Portugal in Form einer Fünf-Prozent-Beteiligung am erweiterten Lufthansa-Konzern erhalten. Der Staat könnte damit zum zweitgrößten Aktionär aufsteigen. Die vollständige Übernahme wäre bis Mitte 2028 denkbar.

Finanzvorstand Till Streichert betonte, es handele sich um einen unverbindlichen Vorschlag, über den weiter verhandelt werde. Hinzu kommt die Politik: Die Minderheitsregierung braucht die Opposition, Sozialisten wie Chega zeigten sich bislang zurückhaltend.

Lateinamerika als Prämie

Strategisch reizt Lufthansa vor allem das Netz nach Brasilien und in andere lateinamerikanische Märkte. Zusammen käme der Konzern zwischen Europa und Lateinamerika auf rund 20 Prozent Marktanteil und schlösse damit zur British-Airways-Mutter IAG auf.

Die Synergien beziffern Konzernchef Carsten Spohr und Streichert auf bis zu 450 Millionen Euro jährlich. Sie sollen schon im ersten vollen Jahr nach dem Einstieg erreichbar sein. Lufthansa soll zudem als Minderheitseigner die operative Führung übernehmen und über die Besetzung des Chefpostens mitbestimmen.

Der Preis ist hoch. Inklusive Schulden wird TAP mit rund 4,5 Milliarden Euro bewertet, nach Berechnungen von Breakingviews etwa dem 6,7-Fachen des EBITDA. Die Branche kommt im Schnitt auf 3,2.

Dazu passt das Halbjahresbild: TAP schrieb zwischen Januar und Juni einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro, belastet vor allem durch höhere Treibstoffkosten. Zuvor hatte die Airline vier Jahre in Folge Gewinne erzielt. Die Erlöse stiegen um 4,3 Prozent.

Kerosin in Frankfurt, neuer Jet in München

Operativ gibt es derweil eine Baustelle. Am Flughafen Frankfurt kann die Kerosinversorgung eingeschränkt sein, unter anderem wegen reduzierter Pipeline-Kapazität. Lufthansa lässt auf ausgewählten Verbindungen vorab zusätzlich tanken und rechnet nicht mit Flugstreichungen.

Erfreulicher: Der erste Airbus A350-1000 trägt den Namen "Deutschland". Er soll Mitte November nach München fliegen, der erste Linienflug ist für den 3. Dezember nach Tokio geplant.

Die Aktie legte zuletzt gut ein Prozent auf rund 7,14 Euro zu. Die Analystenziele reichen von 7 bis 9 Euro.

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