Diageo Aktie: Streikabstimmung in Schottland eingeleitet
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 15:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der britische Spirituosenkonzern Diageo treibt seinen radikalen Umbau voran, um auf die schwächelnde Nachfrage in Schlüsselmärkten zu reagieren. Trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs im vergangenen Geschäftsjahr setzen Analysten verstärkt auf die Effizienzstrategie des Unternehmens. Am Freitag verabschiedete sich die Aktie mit einem Kurs von 19,93 € aus dem Handel, was einem Zuwachs von 9,2 % seit Jahresbeginn entspricht.
Restrukturierung belastet die Bilanz
Im Zentrum der Neuausrichtung steht ein massives Sparprogramm unter der Leitung von CEO Dave Lewis. Ziel ist es, über einen Zeitraum von drei Jahren Kosten in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar einzusparen. Der am 18. August veröffentlichte Jahresbericht für 2026 verdeutlicht die bereits eingeleiteten Schritte: Die weltweite Belegschaft schrumpfte bis Ende Juni um sechs Prozent auf 27.938 Mitarbeiter.
Die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres spiegelt die operativen Herausforderungen wider. Der Umsatz sank organisch um zwei Prozent auf 19,6 Milliarden US-Dollar. Besonders deutlich fiel der Rückgang beim operativen Gewinn aus, der um 27 Prozent auf 3,2 Milliarden US-Dollar einbrach.
Belastet wurde dieses Ergebnis durch Restrukturierungskosten in Höhe von 900 Millionen US-Dollar sowie eine außerordentliche Abschreibung auf das Geschäft in der Türkei in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Ein wesentlicher Faktor für die negative Entwicklung ist die anhaltende Schwäche in Nordamerika, wo der Umsatz um 8,4 Prozent zurückging.
Widerstand an den Produktionsstandorten
Der Sparkurs führt zunehmend zu Spannungen mit der Belegschaft. In Schottland hat die Gewerkschaft Unite eine Streikabstimmung an der Cameronbridge-Brennerei eingeleitet. Grund sind Pläne des Managements, über 70 Stellen abzubauen, während das Produktionsniveau beibehalten werden soll. Die Abstimmung läuft noch bis zum 9. September. Diageo bestätigte die Konsultationen und sprach von einer notwendigen Anpassung der Kapazitäten.
Noch drastischer fallen die Pläne in Osteuropa aus. Medienberichten zufolge plant Diageo Polska einen Stellenabbau von bis zu 93 Prozent der dortigen Belegschaft. Diese Maßnahmen sind Teil eines globalen Modells, das die Gemeinkosten von zuvor über 14 Prozent auf 10,5 Prozent des Umsatzes senken soll. Bereits im Februar hatte das Unternehmen auf die angespannte Lage reagiert und die Dividende auf 20 Cent halbiert.
Analysten setzen auf Effizienzgewinne
Trotz des schwierigen Marktumfelds und der sozialen Spannungen bleibt die Stimmung unter Finanzexperten konstruktiv. Die Analysten von Bernstein Research bestätigten am Donnerstag ihre Kaufempfehlung für die Aktie.
Analyst Trevor Stirling senkte zwar das Kursziel geringfügig von 2550 auf 2490 Pence, behielt jedoch die Einstufung "Outperform" bei. Das Papier notiert derzeit etwa 19 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, das Ende August des Vorjahres erreicht wurde.
Parallel dazu hob die Großbank UBS ihr Kursziel für Diageo an. Die Experten begründen diesen Schritt mit erwarteten Gewinnrevisionen, die aus den konsequenten Kosteneinsparungen resultieren dürften.
Während die Branche insgesamt unter einem weltweit sinkenden Alkoholkonsum leidet – laut IWSR-Daten ging das Volumen 2025 das dritte Jahr in Folge um zwei Prozent zurück – setzt Diageo verstärkt auf Kooperationen im Marketing.
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