Equinor, Aktie

Equinor Aktie: Wintergas und Asien-Expansion treiben Gewinnaussichten

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 06:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Equinor erweitert sein LNG-GeschÀft in Thailand, wÀhrend BofA das Kursziel auf 465 Kronen hebt und höhere europÀische Gaspreise erwartet.

Fotorealistische Offshore-Ölplattform in rauer Nordsee mit Versorgungsschiff
Equinor ASA (NO0010096985) fördert Öl und Gas auf einer typischen Offshore-Plattform in der stĂŒrmischen Nordsee Illustration mit AI erstellt.

Neuer Asien-Kontrakt trifft auf optimistische Gaspreisprognosen

Mit dem gestrigen Abschluss einer langfristigen Liefervereinbarung fĂŒr FlĂŒssigerdgas mit der thailĂ€ndischen PTT International Trading erweitert Equinor seine globale Absatzbasis in SĂŒdostasien.

Zwar machten die Vertragsparteien keine Angaben zu Laufzeiten, Liefermengen oder finanziellen Details, doch der Vorstoß verdeutlicht das Bestreben des norwegischen Energiekonzerns, LNG-Volumina abseits traditioneller europĂ€ischer Lieferrouten abzusichern.

Vor rund zwei Wochen hatte Equinor unter bestehenden VertrĂ€gen mit dem US-Produzenten Cheniere seine erste LNG-Ladung ĂŒbernommen; die Aktie legte seither um 2,4 Prozent zu.

Gleichzeitig erhĂ€lt der Konzern RĂŒckenwind von Analystenseite: BofA Securities stufte die Equinor-Aktie gestern von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und setzte ein Kursziel von 465,00 norwegischen Kronen fest.

Zur BegrĂŒndung verwiesen die Experten auf ihre Rohstoffanalysen, die fĂŒr den kommenden Winter einen durchschnittlichen europĂ€ischen TTF-Gaspreis von 95 Euro je Megawattstunde erwarten – mehr als 20 Prozent ĂŒber dem aktuellen Terminmarktpreis. FĂŒr Anleger stellt sich damit die Frage, ob das Papier nach einer Rally von 92 Prozent seit Jahresanfang noch Bewertungsspielraum bietet.

Die Entwicklung der europÀischen Gaspreise bleibt der Taktgeber

Der entscheidende Hebel fĂŒr das Jahresergebnis 2026 ist das tatsĂ€chliche Preisniveau an den europĂ€ischen GasmĂ€rkten wĂ€hrend der Heizperiode. Equinor reagiert als einer der wichtigsten Gaslieferanten des Kontinents unmittelbar auf Preisschwankungen am TTF-Knotenpunkt. BestĂ€tigt sich die EinschĂ€tzung eines Anstiegs auf 95 Euro je Megawattstunde, fließen dem Konzern erhebliche operative Mittel zu, die direkt in die AktionĂ€rsrendite mĂŒnden können.

Bereits im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftete das Unternehmen ein bereinigtes Betriebsergebnis von 11,48 Milliarden US-Dollar sowie ein Nettoergebnis von 4,84 Milliarden US-Dollar.

Analyst H. Engel von der Erste Group Bank hob am 8. September seine Prognose fĂŒr den Gewinn je Aktie im Gesamtjahr 2026 von 5,09 auf 5,18 US-Dollar an. Verfehlt der Gaspreis im vierten Quartal die hohen Erwartungen jedoch deutlich, geraten diese GewinnschĂ€tzungen unter Druck.

Hohe Barmittel und globale Absatzwege stĂŒtzen das AufwĂ€rtsszenario

Tritt die von Analysten prognostizierte GaspreisstĂ€rke im Winter ein, dĂŒrfte Equinor seine robuste Ertragslage ausbauen. Die Kombination aus stabiler Eigenproduktion – im zweiten Quartal lag diese bei 2.165 Tausend Barrel ÖlĂ€quivalent pro Tag – und verlĂ€sslichen AbsatzkanĂ€len böte dann die Basis fĂŒr weitere DividendenausschĂŒttungen und RĂŒckkaufprogramme.

Aktuell lĂ€uft die dritte Tranche des AktienrĂŒckkaufprogramms 2026 mit einem Volumen von bis zu 1,125 Milliarden US-Dollar. Insgesamt peilt das Management fĂŒr das laufende Jahr RĂŒckkĂ€ufe im Wert von bis zu 3 Milliarden US-Dollar an. Hinzu kommt eine feste Bardividende, die fĂŒr das zweite Quartal bei 0,39 US-Dollar je Aktie lag.

Können die Norweger parallel ihre internationalen LNG-AktivitĂ€ten ĂŒber Vereinbarungen wie jene mit PTT rentabel skalieren, untermauert dies das Ertragspotenzial auch ĂŒber den kommenden Winter hinaus.

Verzögerungen bei Großprojekten und Preisrisiken dĂ€mpfen die Erwartung

Auf der anderen Seite birgt das Engagement im klassischen FördergeschĂ€ft operative und marktbezogene Risiken. Zwar hĂ€lt das Management trotz Problemen beim Offshore-Feld Johan Castberg an seiner Produktionsprognose fĂŒr 2026 fest, die ein Wachstum von 3 Prozent vorsieht. Sollten sich die technischen HĂŒrden an diesem Förderstandort jedoch weiter verschĂ€rfen, drohen FörderausfĂ€lle, die das Produktionsziel fĂŒr das Gesamtjahr gefĂ€hrden könnten.

Zudem birgt eine mögliche milde Witterung im Winter das Risiko nachgebender Gasnotierungen. Bleibt der TTF-Preis spĂŒrbar hinter den optimistischen Szenarien zurĂŒck, engt dies die operativen Margen ein. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 38,44 Euro.

Auf diesem Niveau notiert das Papier nur rund 3,0 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,64 Euro. RĂŒckschlĂ€ge bei den Förderzielen oder ein Ausbleiben der Preisrally könnten angesichts der bereits hohen Kursbewertung Gewinnmitnahmen nach sich ziehen.

Entscheidend wird der Terminplan im Oktober

Solange der TTF-Gaspreis ĂŒber den aktuellen Terminmarktniveaus notiert und sich den prognostizierten 95 Euro je Megawattstunde annĂ€hert, bleibt das fundamentale Umfeld fĂŒr Equinor positiv. Kippt dagegen der europĂ€ische Gasmarkt und belasten neue Verzögerungen am Johan-Castberg-Feld die Produktionsmengen, droht eine Neubewertung der jĂŒngsten Kursgewinne.

Der nĂ€chste konkrete Meilenstein fĂŒr Investoren steht am 26. Oktober 2026 an. An diesem Tag endet die laufende dritte Tranche des AktienrĂŒckkaufprogramms, woran sich die Auswertung der Förderentwicklung zum Abschluss des dritten Quartals anschließen wird. Anleger erhalten dann Klarheit darĂŒber, wie sich die Fördermengen real entwickelt haben und ob der Vorstand den Rahmen fĂŒr weitere KapitalrĂŒckfĂŒhrungen im Schlussquartal ausschöpft.

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