Eutelsat Aktie: LEO-Sparte wächst 65 Prozent
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eutelsat-Aktien schlossen am Freitag bei 2,06 Euro. Das Plus von 0,39 Prozent wirkt nach einem harten Monat fast trotzig: Der Kurs verlor in den vergangenen 30 Tagen fast 18 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Gewinn von 20,69 Prozent zu Buche.
Diese Diskrepanz erzählt die eigentliche Geschichte. Eutelsat baut sich gerade neu — weg vom klassischen Satelliten-TV, hin zu einem Netzwerk aus erdnahen Satelliten. Der Umbau kostet Vertrauen an der Börse, doch die zugrundeliegenden Zahlen zeigen Fortschritt.
OneWeb wächst, das alte Geschäft schrumpft
Im Zentrum steht die Integration des LEO-Netzwerks OneWeb. Das Unternehmen sucht aktiv neue Märkte, um den Rückgang im traditionellen Videogeschäft auszugleichen. Gespräche mit Behörden in Taiwan sollen die Kommunikationsinfrastruktur des Landes robuster machen. In Indien gehört Eutelsat OneWeb dank regulatorischer Fortschritte zu den aussichtsreichsten Kandidaten für den entstehenden Satelliten-Breitbandmarkt.
Die jüngsten Quartalszahlen liefern den Beleg für die Strategie. LEO-basierte Lösungen wuchsen um 65 Prozent im Jahresvergleich. Das Videogeschäft schrumpfte im gleichen Zeitraum um 13,3 Prozent — belastet durch geopolitische Spannungen und gekündigte Verträge.
Das Management hat ein klares Ziel: Eutelsat soll zum reinen Connectivity-Anbieter werden. Nicht-Video-Erlöse machen bereits mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Die Wachstumsrate im LEO-Segment muss die Lücke aus dem schrumpfenden Broadcast-Geschäft schließen.
Bilanz saniert, neues Geld in Sicht
Eutelsat hat seine Bilanz kürzlich über ein umfangreiches Refinanzierungsprogramm gestärkt. Das Volumen: rund 5 Milliarden Euro. Kernstück war eine Anleihe über 1,5 Milliarden Euro in zwei Tranchen, unbesichert und vorrangig.
Der Umbau vereinfacht die Kapitalstruktur und beseitigt strukturelle Nachrangigkeit. Das schafft eine stabilere Basis für den kapitalintensiven Ausbau der nächsten Satellitengeneration.
Zusätzliches Geld könnte aus den USA kommen. Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC hat einen Rahmen für die Übertragung des Upper-C-Band-Spektrums beschlossen. Eutelsat kann dadurch Anreizzahlungen von bis zu 504 Millionen Dollar erhalten — umgerechnet etwa 443 Millionen Euro. Voraussetzung: Das Unternehmen muss bestimmte Fristen zur Freigabe des Spektrums einhalten.
Diese Mittel sollen finanziellen Spielraum für die nächste Ausbaustufe schaffen. Eutelsat hat kürzlich Anträge für 528 zusätzliche Satelliten der geplanten "Next"-Konstellation eingereicht.
Charttechnik zeigt überverkauftes Terrain
Der RSI liegt aktuell bei 36,3 — nahe der überverkauften Zone. Das deutet darauf hin, dass ein Großteil des jüngsten Abwärtsdrucks bereits eingepreist sein könnte. Die Aktie notiert derzeit deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 2,68 Euro.
Der entscheidende Termin steht im Kalender: Später im August veröffentlicht Eutelsat die Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2025/26. Investoren werden genau prüfen, ob das Unternehmen seine Ziele bei der bereinigten EBITDA-Marge bestätigt. Auch ein Update zur Verschuldung interessiert den Markt — das Verhältnis Nettoverschuldung zu EBITDA lag zuletzt bei 2,7.
Bis dahin bleibt die Kernfrage offen: Kann das schnell wachsende LEO-Geschäft die Lücke schließen, die das schwindende Broadcast-Segment hinterlässt? Die Antwort entscheidet, ob der diesjährige Kursgewinn Bestand hat oder von der jüngsten Talfahrt aufgezehrt wird.
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