Evonik, Aktie

Evonik Aktie: 5.000 Stellen bis 2029 abgebaut

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 02:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Evonik übertrifft Erwartungen im zweiten Quartal, erhöht die Jahresziele und treibt den Umbau mit tausenden Stellenstreichungen sowie Investitionen in grünen Wasserstoff voran.

Evonik hebt Prognose an: Starkes Q2, Stellenabbau und Wasserstoff-Strategie
Moderne Industrieanlage in der Dämmerung als Symbol für strukturellen Wandel in der Chemiebranche. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Spezialchemiekonzern Evonik profitiert im laufenden Geschäftsjahr von einer unerwarteten Marktdynamik. Durch Lieferengpässe asiatischer Wettbewerber konnte das Unternehmen im zweiten Quartal sowohl den Absatz als auch die Preise steigern. Parallel zur Veröffentlichung der finalen Quartalsergebnisse am vergangenen Dienstag reagierte das Management mit einer deutlichen Anhebung der Jahresprognose. Zeitgleich forciert der Konzern seinen tiefgreifenden strukturellen Umbau.

Starke Quartalszahlen treiben die Erwartungen

Die am vergangenen Dienstag vorgelegten finalen Ergebnisse für das zweite Quartal unterstreichen die derzeitige Wachstumsphase. Das bereinigte EBITDA stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf 630 Millionen Euro. Der Quartalsumsatz legte um 11 Prozent zu und erreichte ein Niveau von 3,89 Milliarden Euro. Als wesentlichen Treiber nannte Evonik IR geopolitisch bedingte Logistikvorteile, die den Konkurrenzdruck aus Asien vorübergehend dämpften.

Aufgrund dieser anhaltenden Sonderkonjunktur hat das Unternehmen seine Ziele für das Gesamtjahr 2026 nach oben korrigiert. Der Konzern rechnet nun mit einem bereinigten EBITDA zwischen 2,0 Milliarden Euro und 2,2 Milliarden Euro. Zuvor lag der Korridor bei 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro. Anleger reagierten bereits im Vorfeld positiv auf die vorläufigen Signale dieser Entwicklung, was den Kurs stützte.

Massiver Stellenabbau im Rahmen der Transformation

Trotz der kurzfristig positiven Ergebnisentwicklung hält das Management an seinem strikten Sparkurs fest. Im Rahmen des Effizienzprogramms „Evonik Tailor Made“ konkretisierte das Unternehmen am Dienstag die Pläne für den Personalabbau. Bis zum Ende des laufenden Jahres sollen insgesamt 2.800 Stellen wegfallen, wovon bereits rund 700 realisiert wurden. Für den Zeitraum von 2027 bis 2029 kündigte der Konzern die Reduzierung von weiteren 3.200 Arbeitsplätzen an.

Diese Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Neuausrichtung. Dazu gehört auch das Deinvestitionsprogramm, mit dem sich Evonik von Randaktivitäten trennt. Medienberichten zufolge befinden sich die Veräußerungen der Geschäftsbereiche Oxeno und SYNEQT weiterhin im geplanten Zeitrahmen. Ziel ist es, die Konzernstruktur zu verschlanken und die Profitabilität nachhaltig zu sichern, unabhängig von volatilen Sonderkonjunkturen.

Infrastruktur für grünen Wasserstoff und Logistikrisiken

Neben der finanziellen Sanierung investiert Evonik in zukunftsträchtige Technologien. Am vergangenen Donnerstag meldete das Unternehmen die erstmalige Einspeisung von grünem Wasserstoff in den Chemiepark Marl. Dieser wird über ein neues, 120 Kilometer langes Leitungsnetz aus Lingen angeliefert. Diese Innovation ist Teil der langfristigen Strategie, bis zum Jahr 2032 durch neue Technologien wie die AEM-Elektrolyse und Recycling-Verfahren einen zusätzlichen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro zu generieren.

Allerdings trüben operative Risiken das Gesamtbild. Medienberichten zufolge warnt der Konzern vor möglichen Produktionsbeschränkungen durch das anhaltende Niedrigwasser im Rhein. Die logistischen Herausforderungen auf der zentralen Wasserstraße könnten die Rohstoffversorgung und den Abtransport von Fertigprodukten erschweren.

Unterschiedliche Einschätzungen der Analysten

Unter den Finanzexperten herrscht derzeit Uneinigkeit über die weitere Kursentwicklung. Die Analysten von Jefferies bestätigten am Dienstag ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 20,00 Euro. Im Gegensatz dazu bleibt JP Morgan skeptisch und behält die Einstufung „Underweight“ mit einem Zielwert von 14,00 Euro bei. Hier wird vor allem auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Exportüberschüsse verwiesen, der die aktuellen Margenvorteile langfristig wieder zunichtemachen könnte.

An der Börse zeigte sich das Papier zuletzt robust. Die Aktie beendete den Handel am vergangenen Freitag bei 17,96 Euro. Damit notiert der Wert nur knapp 1,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 18,23 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursgewinn für die Anleger auf beachtliche 34,43 Prozent. Details zur weiteren Geschäftsentwicklung im dritten Quartal wird das Unternehmen planmäßig am 3. November veröffentlichen.

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