Evonik Aktie: Guidance auf 2,2 Milliarden angehoben
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 07:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Chemiekonzern Evonik hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben, nachdem das zweite Quartal deutlich besser ausgefallen ist als zunächst erwartet. Getrieben durch eine anziehende Nachfrage und positive Preisimpulse meldete das Unternehmen ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 630 Millionen Euro. Der Konzern sprach in diesem Zusammenhang vom besten Quartalsergebnis seit vier Jahren.
Operative Stärke führt zu höherer Guidance
Die deutlich verbesserten Rahmenbedingungen veranlassten die Unternehmensführung dazu, die Zielmarken für 2026 nach oben zu verschieben. Evonik erwartet nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,0 Milliarden und 2,2 Milliarden Euro.
In der vorangegangenen Planung war das Management noch von einer Spanne zwischen 1,7 Milliarden und 2,0 Milliarden Euro ausgegangen. Medienberichten zufolge profitierte der Konzern im Zeitraum bis Ende Juni unter anderem von Lieferengpässen bei Wettbewerbern im asiatischen Raum, was die eigene Position stützte.
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 11 Prozent auf 3,89 Milliarden Euro. An der Börse wird die operative Erholung positiv honoriert: Seit Jahresbeginn konnte die Aktie bereits um 34 Prozent zulegen. Die Investoren quittieren damit den Aufwärtstrend, der den Konzern wieder näher an seine Höchststände führt.
Der Schlusskurs am vergangenen Freitag lag bei 17,91 Euro, womit das Papier nur noch etwa 1,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch notiert. Während die operative Seite glänzte, fiel das Nettoergebnis im Berichtsquartal auf 84 Millionen Euro. Der freie Cashflow wurde für diesen Zeitraum mit 49 Millionen Euro angegeben, was die solide finanzielle Basis des Konzerns unterstreicht.
Personalwechsel und verschärfter Sparkurs
Inmitten dieser wirtschaftlichen Erholung stellt Evonik auch die personellen und strukturellen Weichen für die Zukunft neu. Laut Reuters wurde Michael Rauch nach einer außerordentlichen Sitzung zum neuen Finanzvorstand (CFO) berufen. Gleichzeitig forciert das Unternehmen sein Effizienzprogramm „Evonik Tailor Made“. Dieses wurde bis zum Jahr 2029 verlängert und sieht weitreichende Einschnitte in der Verwaltung vor.
Der Konzern plant den Abbau von weiteren 3.200 Vollzeitstellen bis zum Ende der Laufzeit. Diese Streichungen erfolgen zusätzlich zu den bereits bis Ende 2026 vorgesehenen 2.000 Stellen.
Analysten verfolgen diesen Kurs aufmerksam: Deutsche Bank Research hob vor genau einer Woche das Kursziel für die Aktie von 17 auf 18 Euro an. Die Einstufung beließen die Experten jedoch auf „Hold“, da sie zwar die starken Quartalszahlen würdigten, aber die langfristige Beständigkeit der Preisvorteile abwarten wollen.
Neue Impulse durch Lithium-Pilotprojekt
Neben den finanziellen Kennzahlen und strukturellen Maßnahmen setzt Evonik auf technologische Innovationen in der Rohstoffgewinnung. Wie das Unternehmen am vergangenen Donnerstag mitteilte, wurde die Sparte Evonik Catalysts für eine Pilotkampagne des Altmark-Lithium-Extraction-Projekts (ALE) von Neptune Energy ausgewählt.
Im Rahmen dieser Kooperation soll das Material Liocel in einer Pilotanlage getestet werden, um neue Verfahren zur Lithium-Gewinnung zu validieren. Das Projekt zielt darauf ab, effizientere Methoden für die Extraktion dieses für die Batterietechnik kritischen Rohstoffs zu entwickeln.
Für Evonik stellt dieses Engagement einen weiteren Baustein dar, um sich in Märkten mit hoher technologischer Eintrittsbarriere und langfristigem Wachstumspotenzial zu positionieren.
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