Evonik Aktie: Rettig übernimmt kurzfristig
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein überraschender Ausfall an der Konzernspitze schickt Evonik auf Talfahrt. Vorstandschef Christian Kullmann fällt nach einer ungeplanten Operation für längere Zeit aus, die Aktie rutschte am Donnerstagnachmittag auf Tagestief. Mit einem Minus von 1,7 Prozent auf 18,24 Euro zählte das Papier zu den Schlusslichtern im MDAX.
Der Aufsichtsrat reagierte in einer außerordentlichen Sitzung und berief Asien-Chef Claus Rettig in den Vorstand. Der 66-Jährige übernimmt zugleich den Posten des Stellvertretenden Vorsitzenden und führt Evonik bis auf Weiteres. Sein Asiengeschäft behält er parallel weiter im Blick — eine Doppelrolle, die er bereits im vergangenen Jahr aus dem Finanzressort kannte, bevor dieses an Michael Rauch überging.
Aufsichtsratschef Bernd Tönjes zeigte sich zuversichtlich: Kullmann habe die Operation gut überstanden, der Konzern gehe fest davon aus, dass er nach der Rehabilitation zurückkehre. Rettig selbst kündigte an, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen.
Für die Marktreaktion dürfte weniger die Personalie selbst als die Rolle Kullmanns ausschlaggebend sein — er hat Evonik in den vergangenen Jahren konsequent auf Spezialchemie ausgerichtet. Entsprechend groß ist nun die Unsicherheit, wie lange die Vertretung dauert.
Moody's bestätigt operative Fortschritte
In den Nachrichtenfluss platzte am selben Tag eine positive Meldung der Ratingagentur Moody's. Sie hob die Kreditwürdigkeit von Evonik um eine Stufe auf Baa1 an, mit stabilem Ausblick. Begründet wird der Schritt mit den Sparmaßnahmen und der zurückhaltenden Dividendenpolitik des Konzerns.
Moody's rechnet damit, dass Evonik den Verschuldungsgrad gemessen am EBITDA bis Jahresende von 2,4 auf 2,1 senken kann. Positiv wertet die Agentur auch die Selbstverpflichtung, überschüssigen Cashflow zum Schuldenabbau einzusetzen, sowie eine sich allmählich erholende Nachfrage in den meisten Endmärkten. Einschränkend verweist Moody's jedoch auf den weiterhin nötigen Restrukturierungsbedarf, der die Cashflows in den kommenden Jahren belasten dürfte.
Für Evonik prallen an diesem Donnerstag damit zwei gegensätzliche Signale aufeinander: strukturelle Fortschritte auf der Bilanzseite, Unsicherheit an der operativen Spitze. Wie schnell sich diese Gemengelage auflöst, hängt maßgeblich davon ab, wie rasch Kullmann zurückkehren kann.
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