Eyepoint Pharmaceuticals Aktie: Verfehlt, aber nicht widerlegt
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 13:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine klinische Studie, die ihr Hauptziel verfehlt und trotzdem als Erfolg verkauft wird â klingt nach Widerspruch. Bei EyePoint und dessen Wirkstoffkandidat DURAVYU steckt in diesem scheinbaren Paradox tatsĂ€chlich mehr Substanz, als der erste Blick vermuten lĂ€sst.
Die Phase-3-Studie LUGANO zur feuchten altersbedingten Makuladegeneration (wet AMD) hat ihren primÀren Endpunkt im vollstÀndigen Datensatz nicht erreicht. DURAVYU sollte im SehschÀrfe-Vergleich zum Standardmedikament Aflibercept mindestens gleichwertig abschneiden. Das gelang im Gesamtdatensatz nicht.
Eine kleine Gruppe verzerrt das Bild
Der Grund liegt laut Unternehmensangaben in einer auffĂ€lligen Verzerrung: Neun von 211 Patienten in der DURAVYU-Gruppe â knapp vier Prozent â verloren deutlich an Sehkraft, und zwar aus GrĂŒnden, die nichts mit der eigentlichen Augenerkrankung zu tun hatten. In der Kontrollgruppe mit Aflibercept trat dieser Effekt bei keinem einzigen Patienten auf, obwohl frĂŒhere vergleichbare Studien dort ĂŒblicherweise Raten von drei bis fĂŒnf Prozent zeigen.
Rechnet man diese AusreiĂer-Kohorte heraus, kippt das Bild: In einer nachtrĂ€glichen Analyse erwies sich DURAVYU als nicht unterlegen gegenĂŒber Aflibercept, mit einem nominalen p-Wert von 0,0096.
SekundĂ€re Endpunkte ĂŒberzeugen
WĂ€hrend der Haupt-Endpunkt fĂŒr Diskussionsstoff sorgt, liefern die sekundĂ€ren Daten ein klareres Bild. DURAVYU reduzierte die Behandlungslast um 42 Prozent gegenĂŒber Aflibercept â statistisch ĂŒberlegen mit einem p-Wert unter 0,0001. Das bedeutet im Schnitt zwei Injektionen weniger bis Woche 56.
Auch bei der UnabhĂ€ngigkeit von Zusatzspritzen punktet der Kandidat: 76 Prozent der Patienten kamen bis Woche 32 ganz ohne ergĂ€nzende Aflibercept-Gabe aus, bis Woche 56 waren es noch 54 Prozent. Sicherheitsbedenken traten keine auf â weder bei grauem Star noch bei erhöhtem Augeninnendruck oder EntzĂŒndungen unterschied sich die Behandlungsgruppe von der Kontrolle.
Die anatomische Kontrolle der Netzhaut fiel mit nur vier Mikrometern Unterschied zur Aflibercept-Gruppe ebenfalls vergleichbar aus.
Der Blick nach vorn
FĂŒr EyePoint hĂ€ngt viel an der zweiten Zwillingsstudie LUCIA, deren Topline-Daten fĂŒr das vierte Quartal 2026 erwartet werden. Nur wenn diese Studie den primĂ€ren Endpunkt sauberer trifft, bleibt der Plan einer möglichen FDA-Zulassungseinreichung in der ersten JahreshĂ€lfte 2027 realistisch.
ZusĂ€tzliche Auswertungen der LUGANO-Daten, inklusive Subgruppenanalysen, sollen ab der Retina Society Jahrestagung Ende September 2026 prĂ€sentiert werden. Bis dahin bleibt die entscheidende Frage, ob Regulatoren die Ad-hoc-Analyse als ausreichend ĂŒberzeugend werten, um die verfehlte PrimĂ€ranalyse zu relativieren.
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