Ferrexpo Aktie: 100 Millionen Dollar Kapital nötig
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bergbaukonzern Ferrexpo steht vor entscheidenden Wochen für sein weiteres Bestehen. Das Unternehmen, das sich auf die Produktion von Eisenerzpellets in der Ukraine spezialisiert hat, nähert sich einem kritischen Liquiditätszeitpunkt.
Laut internen Prognosen reichen die verfügbaren Barmittel voraussichtlich nur noch bis Mitte September aus. Damit rückt die geplante Kapitalerhöhung von mindestens 100 Millionen US-Dollar in das Zentrum der Überlebensstrategie des Konzerns.
Liquiditätsreserven unter kritischer Marke
Die finanzielle Basis des Unternehmens ist in den vergangenen Monaten stark zusammengeschrumpft. Zum Stichtag am 30. Juni wies Ferrexpo verfügbare Barmittel von rund 27 Millionen US-Dollar aus. Die Nettocash-Position wurde zu diesem Zeitpunkt mit 21 Millionen US-Dollar angegeben.
Während das Management am 15. Juli noch davon ausging, den Betrieb bis Anfang des vierten Quartals aufrechterhalten zu können, hat sich dieser Zeitrahmen durch die operativen Einschränkungen der letzten Wochen deutlich verkürzt.
Ein wesentliches Hindernis für die Stabilisierung der Kassenlage bleibt die ausstehende Rückerstattung der Mehrwertsteuer durch den ukrainischen Staat. Medienberichten zufolge beläuft sich der ausstehende Betrag auf 90,4 Millionen US-Dollar.
Da diese Mittel weiterhin blockiert sind, erhöht sich die Notwendigkeit, frisches Kapital über den Aktienmarkt aufzunehmen. Ohne diesen Zufluss steht die Fortführung der Geschäftstätigkeit infrage, da der operative Cashflow durch massive Störungen der Exportwege nahezu versiegt ist.
Stillstand im operativen Geschäft
Das operative Geschäft ruht derzeit weitgehend. Die Förderung von Eisenerz sowie die Pelletierung wurden vor gut drei Wochen vorübergehend eingestellt. Auslöser war ein Zwischenfall im Schwarzen Meer, bei dem ein mit Pellets beladenes Schiff am 28. Juli in ukrainischen Gewässern von Drohnen getroffen und beschädigt wurde. Dabei kam ein Besatzungsmitglied ums Leben.
Vor dem Beginn der Invasion im Februar 2022 galt Ferrexpo als der weltweit drittgrößte Exporteur von Eisenerzpellets, doch die Logistik über die ukrainischen Seehäfen ist nun faktisch zum Erliegen gekommen.
Juristischer Druck durch Steuerforderungen
Zusätzliche Belastungen entstehen durch massive Forderungen der ukrainischen Behörden gegen die Konzerntochter Poltava Mining. Wie Bloomberg Anfang August berichtete, verlangt die Finanzverwaltung Strafzahlungen in Höhe von rund 35,3 Milliarden Hrywnja. Dies entspricht zum aktuellen Kurs etwa 788 Millionen US-Dollar. Der Vorwurf lautet auf Verstöße gegen staatliche Devisenkontrollvorschriften im Zusammenhang mit Exportgeschäften.
Während der Handel mit den Aktien an der Londoner Börse bereits seit dem 1. Mai ausgesetzt ist, bleibt die strategische Gesamtlage prekär. Der Erfolg der geplanten Kapitalmaßnahme wird darüber entscheiden, ob Ferrexpo die drohende Zahlungsunfähigkeit im kommenden Monat abwenden kann.
Das Zusammenspiel aus blockierten Exportwegen, eingefrorenen Steuerguthaben und juristischen Großbaustellen lässt dem Management kaum noch Spielraum für Verzögerungen.
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