Ferrexpo Aktie: Pelletproduktion fällt 36 Prozent
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 03:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schwere Vorwürfe gegen die frühere Führung und operative Hoffnungsschimmer prägen derzeit das Bild beim ukrainischen Eisenerz-Spezialisten Ferrexpo. Ein aktueller Bericht des Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) deckt erhebliche Unregelmäßigkeiten bei wohltätigen Spenden auf, die in den vergangenen Jahren geflossen sind.
Während forensische Untersuchungen eine zweckfremde Verwendung von Millionenbeträgen nahelegen, versucht das Unternehmen gleichzeitig, die Produktion unter schwierigen Bedingungen wieder hochzufahren.
Millionenschwere Fehlleitungen von Spendengeldern
Ein forensisches Gutachten von Crowe Ukraine, das bereits 2023 in Auftrag gegeben wurde, belastet den ehemaligen CEO Kostyantyn Zhevago schwer. Laut dem Bericht wurden von insgesamt 110 Millionen US-Dollar, die Ferrexpo zwischen 2013 und 2018 an die Hilfsorganisation Blooming Land spendete, etwa 74 Millionen US-Dollar nicht zweckgemäß verwendet. Die Gelder flossen demnach über ein komplexes System aus Sub-Fonds und ukrainischen Firmen an 43 Empfänger.
Besonders brisant: Nach Angaben der ukrainischen Bankenaufsicht und aus Firmenunterlagen geht hervor, dass Zhevago einen erheblichen Teil dieser Empfängerbetriebe kontrollierte. Es besteht der Verdacht, dass rund 19 Millionen US-Dollar zur Rückzahlung von Krediten an Zhevagos eigene Finance and Credit Bank genutzt wurden, bevor das Institut im Jahr 2015 insolvent ging.
Bereits im Jahr 2018 hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte darauf hingewiesen, dass die Verwendung von 33,5 Millionen US-Dollar nicht abschließend verifiziert werden konnte. Die Anwälte des Ex-Chefs bestreiten die Vorwürfe.
Wiederaufnahme der Produktion in der Ukraine
Trotz der rechtlichen und historischen Altlasten meldet Ferrexpo operative Fortschritte. Zunächst ist eine Pelletlinie in Betrieb gegangen.
Dies markiert einen Versuch, die Lieferfähigkeit für den europäischen Stahlmarkt zu stabilisieren. Aufgrund der Störungen im Schwarzmeerraum konzentriert sich der Export verstärkt auf Schienenwege und die Donau-Infrastruktur.
Die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 verdeutlichen jedoch die enorme Belastung durch den anhaltenden Konflikt. Die Produktion von Eisenpellets sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 36 % auf 1,39 Millionen Tonnen. Die Gesamtproduktion brach sogar um 54 % auf 1,56 Millionen Tonnen ein.
Ein zusätzliches finanzielles Hindernis stellt die ausstehende Mehrwertsteuerrückerstattung dar. Ende Juni 2026 beliefen sich die Forderungen gegenüber dem ukrainischen Staat auf 90,4 Millionen US-Dollar, wobei die Erstattung für einen Großteil des Zeitraums seit Anfang 2025 bislang verweigert wurde.
Großinvestoren und finanzielle Belastungsfaktoren
Inmitten dieser Turbulenzen hat der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock seine Beteiligung an Ferrexpo angepasst. Wie am Dienstag gemeldet wurde, überschritt BlackRock am Montag die Meldeschwelle und hält nun insgesamt 5,00 % der Stimmrechte.
Diese Position setzt sich aus 1,34 % direkten Aktienanteilen und 3,66 % über Finanzinstrumente zusammen. Der Einstieg erfolgt zu einem Zeitpunkt extremer Kursverluste: Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Minus von 63 %.
Mit einem Schlusskurs von 0,3282 € am gestrigen Mittwoch spiegelt die Bewertung die hohen Risiken wider, denen das Unternehmen ausgesetzt ist. Zwar notiert der Wert mit einem Abstand von 17 % über seinem 52-Wochen-Tief, doch die rechtlichen Auseinandersetzungen bleiben eine schwere Bürde.
Für den 12. Oktober 2026 ist eine Gerichtsverhandlung im Streit mit Maxi Capital angesetzt, bei der es um eine Forderung in Höhe von 4,73 Milliarden Ukrainischen Hrywnja geht.
Angesichts dieser Unsicherheiten und des hohen Kapitalbedarfs sucht das Unternehmen nach Medienberichten weiterhin nach Möglichkeiten, mindestens 100 Millionen US-Dollar über die Ausgabe neuer Aktien einzunehmen. von den 6.299 Mitarbeitern des Konzerns befinden sich derzeit 804 im Militärdienst, was die personelle Anspannung vor Ort zusätzlich verdeutlicht.
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