First Solar Aktie: 8,33-Prozent-Absturz nach Sammelklage
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 22:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-amerikanische Solarkonzern First Solar sieht sich zur Mitte der Woche mit einem deutlichen Kursrückgang konfrontiert. Während das Unternehmen vor wenigen Tagen noch durch einen signifikanten Gewinnanstieg im zweiten Quartal aufhorchen ließ, bestimmen heute juristische Auseinandersetzungen und vorsichtige Analysteneinschätzungen das Bild am Kapitalmarkt.
Rekordgewinn trifft auf vorsichtige Analystenstimmen
In der vergangenen Woche legte First Solar die Bilanz für das zweite Quartal 2026 vor und übertraf dabei die Erwartungen des Marktes deutlich. Das Unternehmen berichtete am vergangenen Donnerstag einen Nettogewinn von 423 Millionen US-Dollar, was einem verwässerten Gewinn je Aktie von 3,92 US-Dollar entspricht. Damit wurden die Schätzungen, die im Vorfeld bei 3,01 US-Dollar lagen, klar geschlagen. Trotz dieses Erfolgs verzeichnete das Unternehmen bei den Nettoumsätzen einen Rückgang um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 1,06 Milliarden US-Dollar. First Solar begründete diese Entwicklung mit Kündigungen von Kundenverträgen, die jedoch teilweise durch höhere Absatzvolumina an Dritte ausgeglichen werden konnten.
Am Montag reagierten zahlreiche Analysehäuser mit einer Neueinstufung der Aktie, wobei sich ein gespaltenes Bild abzeichnete. Während die Analysten von Citi ihr Kursziel auf 297 US-Dollar anhoben und Guggenheim das Ziel auf 282 US-Dollar nach oben korrigierte, äußerten sich andere Häuser skeptischer. Die Experten von Bernstein senkten ihr Kursziel auf 197 US-Dollar, und Jefferies reduzierte das Ziel auf 196 US-Dollar bei einer Einstufung auf „Hold“. Julien Dumoulin-Smith von Jefferies charakterisierte das abgelaufene Quartal dabei als eher verhalten.
Juristischer Gegenwind und Insider-Verkäufe belasten Kurs
Zusätzlich zum uneinheitlichen Analystenecho belasten heute Meldungen über rechtliche Auseinandersetzungen die Stimmung. Eine Anwaltskanzlei erinnerte am heutigen Mittwoch an eine laufende Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs gegen das Unternehmen. In der Klage wird First Solar vorgeworfen, operative Konsequenzen aus der Unterauslastung internationaler Produktionsstätten in den Risikooffenlegungen verschwiegen zu haben. Interessierte Anleger haben noch bis zum 24. August Zeit, sich als Hauptkläger in diesem Verfahren zu melden.
Parallel dazu wurden durch Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC Verkäufe aus dem Führungskreis bekannt. Markus Gloeckler meldete bereits am Montag den beabsichtigten Verkauf von 1.986 Aktien im Wert von rund 4,79 Millionen US-Dollar. Gestern zog Michael Koralewski nach und reichte Unterlagen für die Veräußerung von 1.000 Anteilen ein. Solche Transaktionen durch hochrangige Mitarbeiter werden von Marktteilnehmern häufig als Signal für eine kurzfristig begrenzte Kursfantasie gewertet.
Produktionsausbau und steuerliche Abhängigkeiten
Trotz der aktuellen Marktschwäche hält First Solar an seinen langfristigen Wachstumszielen fest. Das Unternehmen bestätigte einen vertraglich gesicherten Auftragsbestand von 45,1 Gigawatt, der bis in das Jahr 2030 reicht und einen Gesamtwert von etwa 13,6 Milliarden US-Dollar repräsentiert. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 bekräftigte das Management zudem die Umsatzprognose in einer Spanne von 4,9 Milliarden bis 5,2 Milliarden US-Dollar. Ein zentraler Baustein für die künftige Kapazitätserweiterung ist die Fertigungsanlage in South Carolina, deren Produktionsstart für die zweite Jahreshälfte 2026 weiterhin planmäßig vorgesehen ist.
Ein kritischer Faktor für die Profitabilität bleibt jedoch die staatliche Unterstützung. Das Management betonte bereits Ende Juli, dass die Rentabilität für das Jahr 2026 stark von Steuergutschriften gemäß dem US-Programm „Section 45X“ abhängt. Diese werden für das Gesamtjahr auf 2,10 bis 2,19 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der aktuelle Marktdruck spiegelt sich deutlich im Kurs wider: Heute notiert die Aktie bei 194,80 € und verliert damit -8,33 %. Damit notiert der Titel derzeit -8,05 % unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, was die kurzfristige technische Eintrübung unterstreicht.
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