Friwo Aktie: AuftrÀge statt Umsatz
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 09:50 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie UmsĂ€tze schrumpfen, die Verluste wachsen, und trotzdem spricht Friwo von vorsichtiger Zuversicht. Der Grund liegt im Auftragsbuch: Es fĂŒllt sich, und zwar deutlich schneller, als der Umsatz sinkt.
Neun Monate im Minus
Nach neun Monaten 2026 steht ein Konzernumsatz von 42,3 Millionen Euro in den BĂŒchern. Das EBIT liegt bei minus 3,1 Millionen Euro, im Vorjahr hatte das vergleichbare Ergebnis aus fortgefĂŒhrten AktivitĂ€ten noch bei plus 0,2 Millionen Euro gelegen. Das Konzernergebnis betrĂ€gt minus 3,7 Millionen Euro.
Ein Teil des UmsatzrĂŒckgangs ist Portfolioarbeit. Im Vorjahreswert von 61,0 Millionen Euro steckten noch 12,1 Millionen Euro aus dem verkauften HutschienengeschĂ€ft. Hinzu kommen echte SchwĂ€chen: E-Mobility, Transportation & Logistics sowie Specialized Tools & Equipment verloren Umsatz. Geringere Auslastung und gestiegene Material- und Logistikkosten drĂŒckten zusĂ€tzlich auf die Marge.
Die Prognose zieht die Konsequenzen. Der Vorstand erwartet fĂŒr 2026 einen Umsatz von 55 bis 57 Millionen Euro, zuvor waren es rund 60 Millionen. Das bereinigte EBIT soll im niedrigen bis mittleren einstelligen Millionenbereich negativ bleiben. Diese Anpassung hatte das Unternehmen bereits am 30. Oktober kommuniziert, neu ist also vor allem die Detailtiefe der Zahlen.
Das Auftragsbuch als HoffnungstrÀger
Die Book-to-Bill-Ratio liegt bei 1,3. Der Auftragseingang betrug 56,9 Millionen Euro und wÀre ohne die Einbeziehung aufgegebener GeschÀfte im Vorjahreswert sogar im Plus gewesen. Der Auftragsbestand stieg um 18 Prozent auf 45,3 Millionen Euro.
Getragen wird das vor allem von Medical & Healthcare Solutions, wo langfristige Mengenkontrakte abgeschlossen wurden. Auch Industrial Applications lieferte Impulse. Die Umsatzwirkung dĂŒrfte allerdings dauern: Entwicklungs-, Qualifizierungs- und Hochlaufphasen mĂŒssen durchlaufen werden. SpĂŒrbar wird die positive Entwicklung laut Unternehmen erst 2027.
Bis dahin bleibt der Preisdruck. Besonders bei MÀhrobotik und E-Mobility drÀngen asiatische und andere Low-Cost-Anbieter in den Markt. Friwo will sich deshalb auf Kunden konzentrieren, die QualitÀt und Innovationskraft höher gewichten als den billigsten Preis.
Bilanz bleibt belastbar
Die finanzielle Basis wackelt nicht. Die Eigenkapitalquote liegt bei 31,8 Prozent, nach 35,6 Prozent zum Jahresende 2025. Die Nettoverschuldung sank im dritten Quartal von 3,3 Millionen auf 0,8 Millionen Euro und liegt damit nahe null.
Die Belegschaft schrumpfte auf 804 Mitarbeiter, stabilisierte sich aber im dritten Quartal. Rund 90 Prozent arbeiten an den vietnamesischen Standorten.
Die Aktie notierte nach der Mitteilung bei etwa 3,56 Euro und lag im Tagesverlauf rund 7 Prozent im Plus. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von etwa 37 Prozent. Der Markt honoriert also zunÀchst den Auftragsbestand, ob daraus 2027 tatsÀchlich Umsatz und Ergebnis werden, belegen erst die Zahlen des kommenden GeschÀftsjahres.
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