Gallup State of the Global Workplace 2024: Lebenszufriedenheit deutscher BeschÀftigter bricht im weltweiten Vergleich dramatisch ein, Stresslevel bleibt auf hohem Niveau
Published on 08/07/2025 at 18:05 | prnewswire.co.ukArbeitnehmende in Deutschland sind zunehmend weniger zufrieden mit ihrem Leben. Im europĂ€ischen Vergleich landet Deutschland mit 45 Prozent auf dem 20. Platz. Mit dieser negativen Entwicklung steht Deutschland jedoch nicht allein da: In 17 von 38 europĂ€ischen Staaten fĂ€llt die Beurteilung des eigenen Lebens kritischer aus als im Vorjahr, aber in keinem anderen europĂ€ischen Land â abgesehen von Irland (wie Deutschland ebenfalls - 8 Prozentpunkte) â ist der Wert so stark gesunken. Bei der aus zwei Teilen bestehenden Frage zur EinschĂ€tzung der eigenen Lebenssituation geht es nicht nur um den aktuellen Zustand, sondern auch darum, wie die Befragten die Entwicklung in fĂŒnf Jahren einschĂ€tzen. Dabei zeigt sich: Zwar sind BeschĂ€ftigte in Europa eher zufrieden und zuversichtlich als Arbeitnehmende im Rest der Welt (47 % vs. 34 %), die DACH-Region liegt dabei jedoch mit 44 Prozent unter dem europĂ€ischen Schnitt. Denn auch in Ăsterreich (48 %; - 6 Prozentpunkte) und der Schweiz (54 %; - 5 Prozentpunkte) hat der Anteil derjenigen abgenommen, die zufrieden und zuversichtlich sind. Innerhalb der G7 hinkt Deutschland deutlich hinter den Spitzenreitern Kanada (59 %) und USA (53 %) her, liegt aber weit vor Japan (29 %). Das Vereinigte Königreich kommt auf 48 Prozent, Frankreich und Italien auf jeweils 41 Prozent. Die Top 5 in Europa sind, wie im Vorjahr, Finnland (83 %), DĂ€nemark (77 %), Island (76 %), die Niederlande (71 %) und Schweden (70 %).
Stresslevel bleibt hoch
Das Stresslevel in Deutschland hat sich im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht erholt (- 1 Prozentpunkt), bewegt sich aber im europĂ€ischen Vergleich mit 41 Prozent weiterhin im vorderen Drittel. Damit liegen die deutschen BeschĂ€ftigten auch klar vor ihren Nachbarn aus Ăsterreich und der Schweiz: Hier klagt jeweils nur rund einer von drei BeschĂ€ftigten (Ăsterreich: 35 %, - 1 Punkt; Schweiz: 30 %, - 5 Punkte) ĂŒber Stress.
âDie Kombination aus gesunkener Lebenszufriedenheit und immer noch ĂŒberdurchschnittlich hohem Stress kann darauf hindeuten, dass die Befragten zunehmend das GefĂŒhl haben, viele der Faktoren, die ihr Leben bestimmen, nicht selbst beeinflussen zu können. Es herrscht der Eindruck vor, dass gerade Einiges unrund lĂ€uft. Zum einen belastet der ArbeitskrĂ€ftemangel in vielen Branchen diejenigen Arbeitnehmenden, die ihn kompensieren mĂŒssen. DarĂŒber hinaus erwecken die aktuellen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Diskussionen oft den Eindruck, als kĂ€me Deutschland aus dem Krisenmodus gar nicht mehr heraus. Die Sorge um den Abstieg des Landes ist allgegenwĂ€rtig, die WettbewerbsfĂ€higkeit schwindet, und beim Wachstum ist Deutschland Schlusslicht in Europa. Das drĂŒckt nicht nur auf die derzeitige Stimmung, sondern wirkt sich auch auf die Zuversicht in die Zukunft aus", sagt Marco Nink, Director of Research & Analytics EMEA bei Gallup. âDie Arbeitnehmenden hierzulande bewerten ihren Lebensstandard unverĂ€ndert positiv, aber diese Ergebnisse sind kein Jammern auf hohem Niveau, sondern ein weiterer Risikofaktor auf einem sowieso schon angeschlagenen Arbeitsmarkt. Unternehmen mĂŒssen genau hinschauen, wo es hier hakt, und gezielt gegensteuern."
Psychische Gesundheit zunehmend in Gefahr
Wie bisher unveröffentlichte Daten aus dem Gallup Engagement Index Deutschland vom MĂ€rz 2024 zeigen, haben sich auch andere Faktoren, die Wohlergehen und (psychische) Gesundheit beeinflussen, negativ entwickelt. Dazu gehört die Burn-out-Gefahr, die bereits 2020 deutlich angestiegen ist und sich seitdem auf unverĂ€ndert hohem Niveau bewegt. Lag sie vor Beginn der Corona-Pandemie noch bei 26 Prozent (2018 und 2019), geben derzeit 37 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland an, dass sie in den vergangenen 30 Tagen das GefĂŒhl hatten, aufgrund von Arbeitsstress innerlich ausgebrannt zu sein. Auch die Work-Life-Balance wird von ihnen zunehmend kritischer wahrgenommen. WĂ€hrend 2021 noch 42 Prozent der Befragten sagten, ihre Arbeit erlaube es ihnen, ausreichend Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen, liegt die Zustimmung jetzt bei 36 Prozent. Immer mehr BeschĂ€ftigte geben darĂŒber hinaus an, dass ihnen das Entspannen im Feierabend zunehmend schwerer fĂ€llt. Nur jeder Vierte (28 %) stimmt der Aussage âEs fĂ€llt mir leicht, in meiner Freizeit von meiner Arbeit abzuschalten" voll und ganz zu (2021: 36 %) â oft ein Anzeichen dafĂŒr, dass der Job zur Belastung geworden ist. Von den Personen, die davon berichten, dass sie nicht abschalten können, fĂŒhlten sich 25 Prozent immer oder sehr hĂ€ufig bei der Arbeit ausgebrannt (Personen, die abschalten können: 9 %). Die Daten zeigen, dass diejienigen, die ihren Job in der Freizeit nicht hinter sich lassen können, 27 Prozent mehr Fehlzeit aufweisen als die, deren Kopf nach Arbeitsende frei ist. Und das verschlimmert das Problem, denn je höher die Ausfallquote, desto höher die Belastung fĂŒr die verbleibenden BeschĂ€ftigten durch Mehrarbeit. Eine von Gallup durchgefĂŒhrte Meta-Analyse (2024)* zeigt: Fehlzeiten lassen sich durch gute FĂŒhrung um bis zu 78 Prozent senken â so können Unternehmen das eigene ArbeitskrĂ€ftepotenzial besser ausschöpfen und den ArbeitskrĂ€ftemangel abmildern.
Gute FĂŒhrung als Prophylaxe gegen negative Emotionen
Positiv erlebte FĂŒhrung, die in hoher emotionaler Bindung resultiert, hat auch einen unmittelbaren Einfluss darauf, wie Arbeitnehmende ihr Leben wahrnehmen und bewerten â schlieĂlich verbringen BeschĂ€ftigte einen GroĂteil ihrer tĂ€glichen Wachzeit mit Arbeit. Die Zahlen fĂŒr Europa zeigen, dass Arbeitnehmende ohne emotionale Bindung deutlich weniger zufrieden und zuversichtlich sind als BeschĂ€ftigte mit einer hohen emotionalen Bindung (34 % vs. 58 %). Auch berichten sie weit hĂ€ufiger davon, dass sie am Tag vor der Befragung negative GefĂŒhle wie Stress, Wut, Sorge, Traurigkeit und Einsamkeit und darĂŒber hinaus auch weniger Freude empfunden haben.
âUnter Stress sind BeschĂ€ftigte hĂ€ufiger gereizt und dĂŒnnhĂ€utig, was auch in Wut mĂŒnden kann", sagt Marco Nink. Ein Viertel derjenigen Befragten in DACH, die Stress erlebt haben, haben darĂŒber hinaus ebenfalls Wut empfunden. Konkret heiĂt das fĂŒr Deutschland: 4,4 Mio. Arbeitnehmende waren am Tag vor der Befragung aufgrund von Stress wĂŒtend. Das liegt in vielen FĂ€llen daran, dass starke Belastung von FĂŒhrungskrĂ€ften nicht wahrgenommen wird oder sie nichts tun, um sie abzufedern. Wird fĂŒr die gröĂten Stressfaktoren wie Zeitdruck, mangelnde UnterstĂŒtzung, fehlende Information, stĂ€ndige Arbeitsunterbrechungen oder Ăberforderung durch zu viele Aufgaben keine dauerhafte Lösung gefunden, schlĂ€gt der Stress oft in Wut um. âBeschĂ€ftigte fĂŒhlen sich dann nicht gesehen und unfair behandelt oder vernachlĂ€ssigt und benachteiligt", so Nink weiter. âWut wirkt sich allerdings nicht nur auf die Unternehmenskultur aus, sondern kann auch disruptiv fĂŒr die ArbeitsablĂ€ufe sein. Das resultiert in vielen FĂ€llen in geringerer ProduktivitĂ€t, höheren Fehlzeiten und im schlimmsten Fall hĂ€ufigeren ArbeitsunfĂ€llen. Gute FĂŒhrung, die in hoher emotionaler Bindung resultiert, kann eine wirkungsvolle Prophylaxe gegen Stress, Burn-out und den damit verbundenen Folgen wie Fehlzeiten sein."
Europa hat Nachholbedarf in Sachen emotionaler Bindung
Gerade daran aber hapert es in Europa. Denn es weist von allen zehn Weltregionen den niedrigsten Grad an emotionaler Mitarbeiterbindung auf (hohe emotionale Bindung: 13 % vs. 23 % global). Die DACH-Region (14 %) unterscheidet sich dabei nicht wesentlich von Europa. Dabei liegt Deutschland (15 %) vor Ăsterreich (10 %) und der Schweiz (9 %). Unter den G7-LĂ€ndern steht Deutschland auf Platz 3 hinter den USA (33 %) und Kanada (21 %). Das Vereinigte Königreich (10 %), Italien (8 %) und Frankreich (7 %) liegen unter dem Europa-Schnitt, Japan ist mit 6 Prozent das Schlusslicht.
âĂberall auf der Welt wollen Arbeitnehmende als Menschen und nicht nur als Ressource gesehen werden. Wenn eine FĂŒhrungskraft die emotionalen BedĂŒrfnisse bei der Arbeit erfĂŒllt, etwa indem sie den Teammitgliedern zuhört und sie einbindet, fĂŒr geleistete Arbeit WertschĂ€tzung zeigt oder sie in ihrer Entwicklung fördert, entsteht hohe emotionale Bindung", sagt Nink. âDie niedrigen Werte in Europa spiegeln weniger die kulturellen Unterschiede wider als die unterschiedliche QualitĂ€t der FĂŒhrung. Auch in Deutschland gibt es Unternehmen, bei denen ĂŒber 60 Prozent der Mitarbeitenden emotional hoch gebunden sind. Diese Unternehmen treiben das Thema FĂŒhrungsqualitĂ€t allerdings aktiv voran und sorgen so dafĂŒr, dass sie ihre Leistungs- und WettbewerbsfĂ€higkeit steigern â etwa durch weniger Fehlzeit, geringere Fluktuation in einem hart umkĂ€mpften Arbeitsmarkt, höhere QualitĂ€t und gröĂere Kundenzufriedenheit, die zu FolgegeschĂ€ft fĂŒhrt."
*ErgÀnzende relevante Kennzahlen
Auswirkungen von emotionaler Bindung auf die Unternehmensleistung:
21 % bis 51 % geringere Fluktuation (51 % bei Unternehmen mit einer niedrigen Fluktuation, 21 % bei Unternehmen mit einer hohen Fluktuation)78 % weniger Fehlzeiten63 % weniger ArbeitsunfÀlle30 % weniger QualitÀtsmÀngel10 % bessere Kundenbewertungen17 % höhere ProduktivitÀtQuelle: Gallup Meta-Analyse von 347 Unternehmen mit , 3.354.784 Mitarbeitenden in 53 Branchen und 90 LÀndern , Stand: Mai 2024
*FĂŒr die Studie Gallup State of the Global Workplace werden auf Landesebene die Zahlen der letzten drei Jahre (2021/2022/2023) konsolidiert. Der im MĂ€rz 2024 veröffentlichte Gallup Engagement Index Deutschland gibt Aufschluss ĂŒber die jĂŒngsten jĂ€hrlich erhobenen Zahlen in Deutschland. Vergleichbare landesspezifische Studien werden nur in ausgewĂ€hlten LĂ€ndern durchgefĂŒhrt, wĂ€hrend der Gallup State of the Global Workplace es erlaubt, eine groĂe Zahl an LĂ€ndern weltweit zu vergleichen.
Ăber den Gallup State of the Global Workplace 2024:
FĂŒr den Bericht âGallup State of the Global Workplace 2024" wurden in 145 LĂ€ndern insgesamt 128.278 BeschĂ€ftigte befragt, wovon 16.163 Interviews in Europa gefĂŒhrt wurden (38 LĂ€nder). Die Interviews wurden telefonisch oder in Person (mĂŒndlich) zwischen April 2023 und MĂ€rz 2024 durchgefĂŒhrt. Die Auswahl der Befragten erfolgte nach einem Zufallsprinzip. Die Ergebnisse sind reprĂ€sentativ fĂŒr die Arbeitnehmerschaft im jeweiligen Land. AusfĂŒhrliche Informationen zum Gallup State of the Global Workplace 2024 erhalten Sie hier.
Ăber das Beratungsunternehmen Gallup
Gallup ist ein forschungsbasiertes Beratungsunternehmen an der Schnittstelle zwischen Ăkonomie und Psychologie. Durch kontinuierliche Forschung in ĂŒber 150 LĂ€ndern und mehr als 85 Jahren Erfahrung in der Verhaltensökonomie verfĂŒgt Gallup ĂŒber ein umfassendes Wissen zu den Einstellungen und Verhaltensweisen von Mitarbeiter:innen, Kund:innen und Lieferant:innen.
FĂŒr RĂŒckfragen und InterviewwĂŒnsche:Â Benjamin Quiram, Media Coordinator
Klubfaktor Agentur fĂŒr Kommunikation GmbH | Tel.: 0172/7074241 | E-Mail: gallup@klubfaktor.de
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