Gold, Citi

Gold: Citi warnt vor Hormus-Szenario

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zentralbankkäufe und ETF-Zuflüsse stützen die Nachfrage, doch höhere Ölpreise und Zinserwartungen belasten Gold kurzfristig.
Ein einzelner Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte bei natürlichem Seitenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Kräftige Käufe der Zentralbanken schützen Gold derzeit nicht vor dem Druck der Zinserwartungen. Reuters berichtet heute von Belastungen durch einen stärkeren Dollar und erneut steigende Ölpreise. Damit steht die Unterstützung durch physische Käufer einer restriktiveren geldpolitischen Perspektive gegenüber.

Zinserwartungen bestimmen die kurzfristige Richtung

Der Goldpreis liegt zum heutigen Tagesschluss bei 4.055,50 USD je Feinunze. Die Bewegung passt zum von Reuters beschriebenen Umfeld: Höhere Ölpreise verstärken Inflationssorgen und die Erwartung länger hoher Zinsen. Das belastet Gold trotz der zuvor beobachteten Erholung.

Gestern hatte sich dieser Zusammenhang noch in die andere Richtung ausgewirkt. Nach den US-Zwischenwahlen sanken der Dollar und die Renditen amerikanischer Staatsanleihen. Niedrigere Ölpreise dämpften zugleich die Inflationsbefürchtungen. Reuters berichtete daraufhin von einem Zweiwochenhoch bei Gold.

Der heute veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht wies für Oktober 165.000 neue Stellen und eine Arbeitslosenquote von 4,1 % aus. Nach Einschätzung von Reuters geben die robusten Daten der Fed mehr Spielraum, sich auf die vom Nahostkonflikt beeinflusste Inflation zu konzentrieren.

Für Goldanleger rückt damit der Zusammenhang zwischen Energiepreisen und Geldpolitik in den Mittelpunkt. Solange steigende Ölpreise die Erwartung länger hoher Zinsen verstärken, bleibt die kurzfristige Belastung bestehen.

Banken setzen unterschiedliche Zeithorizonte

Für Ende des kommenden Jahres erwartet die Bank 4.800 US-Dollar. Zur Begründung verwies sie auf die restriktivere Haltung der Fed und deren Folgen für die Anlegerpositionierung.

Die Bank verbindet damit eine vorsichtigere kurzfristige Einschätzung mit einer höheren längerfristigen Preisprognose. Ausschlaggebend für die Abwärtsrevision ist die geldpolitische Perspektive.

Bei einer anhaltenden Störung der Straße von Hormus skizzierte die Bank allerdings ein Abwärtsszenario um 3.500 US-Dollar.

Die Bedingung hinter dieser Einschätzung ist wesentlich: Eine Wiederöffnung könnte nach Ansicht von Citi den Ölpreis senken und Zinssenkungen erleichtern. Bleibt die Störung bestehen, würde dieser mögliche Entlastungsweg für Gold ausbleiben.

Physische Nachfrage liefert ein Gegengewicht

Der World Gold Council meldete am Dienstag für das dritte Quartal 2026 Nettokäufe der Zentralbanken von 321 Tonnen. Das waren 42 % mehr als im Vorjahresquartal.

Auch physisch hinterlegte Gold-ETFs verzeichneten Zuflüsse. Diese Nachfrage bildet ein Gegengewicht zum geldpolitischen Druck. Der World Gold Council nennt zugleich geopolitische Risiken, Fiskalsorgen und Finanzmarktstress als mögliche Stützen für den weiteren Jahresverlauf.

Auf der Angebotsseite stieg die weltweite Minenproduktion im dritten Quartal 2026 auf den Quartalsrekord von 1.071 Tonnen. Das Gesamtangebot sank dennoch auf 1.369 Tonnen, weil weniger Altgold zurückfloss.

Für Anleger ergibt sich daraus ein Spannungsfeld: Zentralbankkäufe und ETF-Zuflüsse stützen die Nachfrage, während Dollar und Zinserwartungen den kurzfristigen Preisverlauf prägen. Eine Entspannung bei den Energiepreisen könnte Gold entlasten, sofern dadurch auch die Erwartungen an die Geldpolitik weniger restriktiv werden.

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