Gold: Warsh-Schock trübt die Chartbild ein
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 16:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Satz auf dem Jackson-Hole-Symposium reicht, um Wochen der Gold-Rallye ins Wanken zu bringen. Fed-Chef Kevin Warsh deutete an, die Notenbank habe bei der Inflationsbekämpfung "noch Arbeit vor sich" — und schon rutschte der Goldpreis um mehr als 2,5 Prozent ab. Der Wochenschluss bei 4.454,60 US-Dollar markiert das Ende von drei Gewinnwochen in Folge.
Warsh öffnet die Tür für Zinserhöhungen
Warsh hielt am Freitag seine erste große Rede seit Amtsantritt im Mai. Statt Entwarnung zu geben, verwies er auf die weiterhin erhöhte Inflation — die Fed-bevorzugte PCE-Preisrate lag zuletzt bei 3,7 Prozent, deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Die Reaktion an den Terminmärkten fiel deutlich aus: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September stieg auf über 57 Prozent.
Die Folgen zeigten sich sofort auf breiter Front. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen schoss auf 4,35 Prozent, die zehnjährigen kletterten über 4,7 Prozent. Der Dollar-Index profitierte und näherte sich der Marke von 100 Punkten — schlecht für Gold, das als zinsloses Asset in einem solchen Umfeld an Attraktivität verliert.
Aktienmärkte reagierten deutlich gelassener. DAX, Dow Jones und Nasdaq 100 zeigten sich von der Rede kaum beeindruckt, während Gold, Silber und andere Edelmetalle die Hauptlast der neuen Zinsfantasie trugen. Silber verlor im Zuge der Bewegung sogar noch stärker als Gold.
Charttechnik zeigt erste Ermüdung
Der Rutsch unter die 4.500-Dollar-Marke hat auch das technische Bild eingetrübt. Der wichtigste Widerstand liegt bei 4.537,40 US-Dollar (SMA200 im Tageschart), die nächste Unterstützung bei 4.410,20 US-Dollar. Für die kommende Woche überwiegt mit rund 55 Prozent Wahrscheinlichkeit ein seitwärts bis abwärts gerichtetes Szenario, solange der Kurs unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten notiert.
Sollte sich der Abwärtsdruck fortsetzen, rücken tiefere Marken bei 4.200 und im Extremfall 4.000 bis 3.950 US-Dollar in den Blick. Eine rasche Rückkehr über 4.500 US-Dollar könnte die Lage dagegen wieder stabilisieren.
Entscheidend dürfte in den kommenden Tagen sein, wie sich die Bestände der großen Gold-ETFs entwickeln. Sie galten zuletzt als tragende Säule der Rallye — ob institutionelle Investoren den Rücksetzer für Nachkäufe nutzen oder sich zurückziehen, wird sich in der Bestandsentwicklung des SPDR Gold Shares, des größten physisch besicherten Gold-ETFs, ablesen lassen.
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