Halbleiterindex: Ausverkauf trifft Bewertungstief
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 12:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin Tagesminus von 12,25 Prozent ist für den Philadelphia Semiconductor Index ein Ausnahmeereignis. Der Chipindex schloss gestern bei 9.011 Punkten, nach einem Verlust von 3,13 Prozent am Mittwoch. Nun liefert eine neue Analyse Argumente, warum der Ausverkauf übertrieben sein könnte.
Asien zieht mit
Die Verluste blieben nicht auf die USA beschränkt. Der japanische Nikkei 225 und der südkoreanische KOSPI gaben heute jeweils rund 6 Prozent nach. Besonders unter Druck stehen Chipwerte wie SK Hynix, deren Aktien bereits zuvor kräftig verloren hatten.
Ein einzelner Auslöser für die Wucht der Bewegung ist nicht klar benannt. Marktbeobachter verweisen auf die Sorge um die Zukunft der KI-Investitionen, die den Sektor zuletzt getragen haben.
Susquehanna sieht Risiken, aber auch Puffer
Die Analysten von Susquehanna haben die Lage heute durchgerechnet. Für KI-Rechenzentren, die auf das Training von Modellen ausgelegt sind, sind bis 2030 insgesamt 148 Gigawatt geplant. Rund 60 Gigawatt davon warten noch auf regulatorische Genehmigungen und könnten sich verzögern.
Im schlimmsten Fall, etwa durch regulatorische Hürden nach den Zwischenwahlen 2026, könnten 12 Gigawatt komplett gestrichen werden. Das entspräche 8 Prozent aller geplanten Projekte. Betroffen wären Vorhaben für die Jahre 2028 bis 2030.
Kurzfristig sehen die Experten wenig Gefahr: Die meisten Projekte für 2027 haben ihre Genehmigungen bereits. Das Jahr bleibt aus ihrer Sicht das Spitzenjahr für Neuinstallationen.
Bewertung auf historischem Tief
Im Extremszenario müsste die Halbleiterbranche einen Umsatzrückgang von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr verkraften. Abfedern könnten das Anwendungen, bei denen KI-Modelle im Unternehmensalltag laufen, sie sollen ab 2027 anlaufen und sind in den 148 Gigawatt nicht enthalten. Auch eine Erholung der Nachfrage nach Chips außerhalb der KI könnte helfen.
Der Index notiert nach Susquehanna-Angaben beim rund 15-Fachen der erwarteten Gewinne und damit nahe dem historischen Tiefpunkt dieser Kennzahl. Seit dem Hoch im Juni hat er rund 38 Prozent eingebüßt. Die Analysten kommen zu dem Schluss, dass der Markt die Risiken womöglich stärker einpreist, als es die aktuelle Stimmung vermuten lässt.
Ob sich diese These bewahrheitet, hängt vor allem an den Genehmigungsentscheidungen für die 60 Gigawatt ausstehender Projekte. Sie fallen nach den Zwischenwahlen 2026 an und bestimmen, wie viel vom Szenario für 2028 bis 2030 tatsächlich eintritt.
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