Hawaiian Electric Aktie: Zwei Gesichter des Quartals
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Quartalsbericht, zwei völlig unterschiedliche Geschichten: Auf dem Papier verdiente Hawaiian Electric im zweiten Quartal deutlich mehr als vor einem Jahr. Unter der Oberfläche bröckelt das operative Geschäft aber weiter — und genau das dürfte Investoren stärker interessieren als die Buchhaltungslogik hinter der Schlagzeile.
Kerngewinn bricht spürbar ein
Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,13 Dollar und verfehlte die Analystenerwartung von 0,19 Dollar um 31,6 Prozent. Der Kerngewinn fiel auf 22,5 Millionen Dollar, ein Rückgang von 36,4 Prozent gegenüber 35,4 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Höhere Zinsaufwendungen aus einer im September 2025 begebenen Anleihe, gestiegene Betriebs- und Wartungskosten sowie sinkende Zinserträge nach der ersten Zahlung aus dem Maui-Vergleich im April drückten auf die Zahlen.
Das GAAP-Nettoergebnis von 123,2 Millionen Dollar beziehungsweise 0,71 Dollar je Aktie täuscht darüber hinweg. Es geht auf eine nicht zahlungswirksame Neubewertung der verbleibenden Wildfire-Vergleichsverbindlichkeit zurück, die sich von 1,44 Milliarden auf 1,3 Milliarden Dollar reduzierte und einen Buchgewinn von 153,9 Millionen Dollar vor Steuern brachte. An der Börse kam die Nachricht entsprechend verhalten an: Die Aktie schloss bei 12,40 Dollar, ein Minus von 0,72 Prozent, und bewegt sich damit nahe dem unteren Ende ihrer 52-Wochen-Spanne zwischen 10,60 und 17,38 Dollar.
Regulierer öffnen die Tür für Investitionen
Während das Kerngeschäft schwächelt, hat Hawaiian Electric bei den Aufsichtsbehörden zentrale Fortschritte erzielt. Die hawaiianische Public Utilities Commission genehmigte 350 Millionen Dollar für den Wildfire Mitigation Plan, aufgeteilt in 270 Millionen Dollar Investitionen und 80 Millionen Dollar Betriebskosten. Der größte Einzelposten entfällt mit 240,5 Millionen Dollar auf die Ertüchtigung des Stromnetzes gegen Brandrisiken.
Das Unternehmen plant, diese Kosten über eine Verbriefung zu finanzieren statt über die reguläre Tarifbasis — der entsprechende Antrag soll im dritten Quartal 2026 eingereicht werden. Parallel läuft das Verfahren zur Tarifneufestsetzung: Hawaiian Electric beantragt eine Erhöhung um insgesamt 169,8 Millionen Dollar, phasenweise verteilt auf 2027 und 2028. Nach dem vorläufigen Zeitplan der Kommission soll eine Zwischenentscheidung bis zum 18. Dezember 2026 fallen, damit neue Tarife zum 1. Januar 2027 greifen können.
Die Kreditwürdigkeit spiegelt diese Fortschritte wider. S&P Global Ratings hob im Juli sowohl HEI als auch die Betriebstochter Hawaiian Electric auf BB- von B+ an, nachdem bereits Moody's im April eine Stufe hochgestuft hatte — beide Agenturen verwiesen auf die erkennbaren Erfolge bei der Reduzierung des Brandrisikos.
Wachstumspläne trotz angespannter Kosten
Neben den Aufräumarbeiten aus der Maui-Katastrophe treibt Hawaiian Electric eine der größten Ausschreibungen der Firmengeschichte voran. Gesucht werden rund 1.650 Gigawattstunden variable erneuerbare Energie, 465 Megawatt netzbildende Ressourcen und 111 Megawatt gesicherte Erzeugungskapazität. CEO Scott Seu begründete den Schritt mit dem Ziel, über einen Wettbewerbsprozess die günstigsten Preise für Kunden zu sichern.
Für die Jahre 2026 bis 2028 rechnet das Management mit jährlichen Investitionsausgaben zwischen 700 und 850 Millionen Dollar — deutlich mehr als die 347 Millionen Dollar aus dem Jahr 2024. Finanziert werden soll das größtenteils über bereits aufgenommenes Fremdkapital und einbehaltene Gewinne, nicht über neue Aktienausgaben. Die Eigenkapitalrendite lag zuletzt bei 5,7 Prozent auf Kernbasis, deutlich unter der genehmigten Rendite von 9,5 Prozent — ein Umstand, den das Management explizit mit der laufenden Tarifneufestsetzung adressieren will.
Zusätzliche Unsicherheit bringt der japanische Energiekonzern JERA ins Spiel, der bei der Kommission Interesse an einer eigenen regulierten Erzeugungsgesellschaft in Hawaii angemeldet hat. Ein formeller Antrag wird erst für das erste Quartal 2027 erwartet, das Management kündigte an, sich vollständig an einem entsprechenden Prüfverfahren zu beteiligen.
Bis dahin bleibt der Blick auf den Dezember gerichtet: Fällt die Zwischenentscheidung der Kommission wie geplant am 18. Dezember 2026, könnten neue, höhere Tarife bereits zum Jahreswechsel greifen und die angespannte Ertragslage 2027 erstmals spürbar entlasten.
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