Hemnet AB Aktie: Radikaler Umbau
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 11:51 Uhr | Redaktion boerse-global.deUmsatz runter, Aktie rauf: Hemnet überrascht am Donnerstag mit einem Kurssprung von mehr als zehn Prozent, obwohl die Zahlen zum dritten Quartal schwach ausfielen. Die Anleger honorieren offenbar den Plan, die Plattform für sämtliche schwedischen Immobilienanzeigen zu öffnen und die Kosten deutlich zu senken.
Schwache Zahlen, erwartbar schwach
Der Nettoumsatz sank im dritten Quartal um 17,8 Prozent auf 301,5 Millionen schwedische Kronen. Das EBITDA fiel um 26,3 Prozent auf 144,1 Millionen Kronen, die Marge schrumpfte auf 47,8 Prozent nach 53,3 Prozent im Vorjahr. Die Zahl veröffentlichter Inserate ging um 13 Prozent zurück, nach minus 14,3 Prozent im zweiten und minus 30,6 Prozent im ersten Quartal.
Die Umsatzzahl kam nicht überraschend, denn Hemnet hatte bereits vorab Daten für zwei Monate genannt. Das bereinigte EBITDA lag nach Marktangaben rund vier Prozent über den Erwartungen.
Der Umsatz je bezahltem Inserat stieg um 9,2 Prozent auf 8.986 Kronen, wuchs aber langsamer als in den Vorquartalen. Gebremst wird das Geschäft zudem vom Modell „Sell first, pay later“, bei dem Erlöse erst beim Verkauf der Immobilie anfallen. Rund vier von zehn Verkäufern wählen diese Premiumoption.
Gratis-Anzeigen und Stellenabbau
Der eigentliche Treiber ist die Strategie. Seit dem 20. Oktober bietet Hemnet ein kostenloses Einstiegsformat für Makler an. Dazu kommen automatisch eingesammelte Anzeigen von Maklerwebsites, damit am Ende der gesamte öffentlich verfügbare Bestand auf der Plattform steht. Bisher deckt Hemnet nach Unternehmensangaben etwa 55 Prozent ab. Das Paketangebot wird auf Bas, Premium und Max verschlankt.
Parallel schrumpft die Belegschaft von 184 auf rund 115 Beschäftigte. Das Programm soll jährlich 80 bis 85 Millionen Kronen sparen, die volle Wirkung wird nach dem ersten Quartal 2027 erwartet.
Im vierten Quartal fallen einmalige Kosten von 36 bis 37 Millionen Kronen an. Rund 85 Prozent des Codes entstehen laut CEO Jonas Gustafsson inzwischen mit KI-Unterstützung. Neuer Chief Commercial Officer wird Marcus Hartwall, zuvor beim irischen Portal Daft.ie.
Risiken in der Übergangsphase
Ab 1. November gilt ein neues Provisionsmodell für Maklerfirmen: 20 Prozent für Bas, 30 Prozent für Premium und Max, gedeckelt bei 4.000 Kronen je Inserat. Provision gibt es nur, wenn der Makler ein kostenpflichtiges Paket empfiehlt.
Eine konkrete Prognose für 2027 gibt das Management nicht ab, dafür sei das Gratismodell zu jung. Zeitweise dürfte die Lücke zwischen veröffentlichten und bezahlten Inseraten wachsen, zudem steigen die Marketingausgaben im vierten Quartal. Auch die Bilanz trägt Spuren: Die Verschuldung stieg auf das 1,3-Fache des EBITDA, nach 0,5 im Vorjahr. Den Aktienrückkauf hatte der Verwaltungsrat bereits im September pausiert.
Bis Ende Oktober soll der gesamte öffentliche Bestand auf Hemnet zu finden sein. Ob daraus mehr zahlende Kunden werden, zeigen erst die Zahlen nach dem Start des Provisionsmodells am 1. November.
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