Henkel Aktie: Weniger Gewinn, mehr Zuversicht
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 08:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Henkel hat im ersten Halbjahr 2026 weniger verdient — und schraubt trotzdem an der Umsatzprognose nach oben. Der Widerspruch löst sich beim genaueren Blick auf: Sondereffekte drücken das Nettoergebnis, während das operative Geschäft in beiden Sparten spürbar an Fahrt gewinnt.
Der Nettogewinn fiel im ersten Halbjahr um 11 Prozent auf 988 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie, die von Henkel bevorzugte Steuerungsgröße, stieg dagegen um 1,8 Prozent auf 2,86 Euro — bei konstanten Wechselkursen sogar um 7,1 Prozent. Der Unterschied zeigt, wie stark Währungseffekte und Sonderposten die Bilanz in diesem Halbjahr verzerrt haben.
Adhesive Technologies zieht das Wachstum
Nominal sank der Konzernumsatz leicht um 0,5 Prozent auf 10,348 Milliarden Euro, organisch — also bereinigt um Wechselkurse und Übernahmen — legte er jedoch um 3,2 Prozent zu. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Tempo weiter: Der Umsatz kletterte um 4,6 Prozent auf 5,396 Milliarden Euro.
Haupttreiber ist das Klebstoffgeschäft. Adhesive Technologies wuchs organisch um 4,5 Prozent, angetrieben vom Geschäftsfeld Mobilität & Elektronik mit einem zweistelligen Anstieg im Elektronikbereich. Consumer Brands kam mit 1,7 Prozent deutlich langsamer voran — vor allem, weil das Haarpflegegeschäft mit einem Plus von 4,2 Prozent den Bereich trägt, während Körperpflegeprodukte in Europa schwächelten. Das bereinigte EBIT legte insgesamt um 0,3 Prozent auf 1,620 Milliarden Euro zu, die Marge verbesserte sich auf 15,7 Prozent.
Für das Gesamtjahr rechnet Henkel nun mit einem organischen Umsatzwachstum von 1,5 bis 3,5 Prozent, nach zuvor 1,0 bis 3,0 Prozent. Für Adhesive Technologies wurde die Spanne sogar auf 2,0 bis 4,0 Prozent angehoben. Die Margen- und EPS-Ziele bleiben unverändert.
Übernahme-Offensive verschiebt die Bilanz
Parallel zur operativen Entwicklung treibt Henkel eine ungewöhnlich aktive Zukaufsstrategie voran. Fünf Übernahmen im Gesamtwert von rund 5 Milliarden Euro sind vereinbart, vier davon bereits abgeschlossen — darunter die Haarpflegemarke OLAPLEX, die mit rund 370 Millionen Euro Umsatz Henkel zur weltweiten Nummer zwei im Friseurgeschäft macht. Die Übernahme der Stahl Gruppe im Klebstoffbereich soll in der zweiten Jahreshälfte folgen.
Die Kaufwelle hinterlässt Spuren in der Bilanz: Die Nettofinanzposition drehte von plus 109 Millionen Euro Ende 2025 auf minus 1,855 Milliarden Euro zum 30. Juni 2026 — eine direkte Folge der Akquisitionszahlungen und des laufenden Aktienrückkaufprogramms. Der freie Cashflow verbesserte sich dennoch auf 612 Millionen Euro, nach 485 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Die zugekauften Geschäfte sollen laut Unternehmensangaben bereits 2026 rund 700 Millionen Euro zum Umsatz beitragen, bis 2030 soll dieser Betrag auf etwa 2 Milliarden Euro steigen. Bis dahin soll das M&A-Paket zudem mindestens 10 Prozent zum bereinigten Ergebnis je Vorzugsaktie beisteuern.
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