Hensoldt Aktie: Goldman bremst die Euphorie
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 13:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Analysehäuser, zwei Lesarten: Während Jefferies die Aktie nach dem jüngsten Rücksetzer zum Kauf empfiehlt, startet Goldman Sachs mit neutralem Votum. Das Ziel von 85 Euro liegt kaum über dem Kursniveau.
Goldman sieht Wachstum, aber eingepreist
Goldman nimmt die Bewertung mit "Neutral" auf und setzt ein Kursziel von 85 Euro. Das entspricht rund drei Prozent Aufwärtspotenzial. Die Argumentation: Die Wachstumsstory durch Europas Verteidigungsausgaben sei solide, spiegle sich aber bereits im Preis wider.
An den Fundamentaldaten lassen die Analysten wenig Zweifel. Der Auftragsbestand erreichte Ende des ersten Halbjahres 2026 mit 10,36 Milliarden Euro einen Rekord, rund 17 Prozent mehr als zum Jahresende 2025. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag im ersten Halbjahr bei 2,4. Hensoldt bekommt also deutlich mehr Aufträge, als es abarbeitet.
Für 2026 erwartet Goldman einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 530 Millionen Euro, im Einklang mit Unternehmensprognose und Konsens.
Bis 2030 soll das EBITDA mit etwa 22 Prozent jährlich auf 1,2 Milliarden Euro steigen. Der Umsatz könnte dann bei 5,8 Milliarden Euro liegen, knapp unter der Eigenambition von sechs Milliarden, weil Goldman künftige Zukäufe ausklammert.
Eine Schwäche benennt das Haus ebenfalls: Auf Deutschland entfielen 2025 rund 63 Prozent der Erlöse. Das bringt Rückenwind durch die Beschaffungsprogramme, aber auch eine hohe Abhängigkeit von einem Kunden.
Jefferies hält mit 98 Euro dagegen
Jefferies stufte Hensoldt von "Hold" auf "Buy" hoch und beließ das Kursziel bei 98 Euro. Analyst Ben Brown wertet den jüngsten Kursrückgang als Einstiegschance. Hensoldt übertreffe bereits die in der Prognose für 2026 implizierten Werte, der mittelfristige Ausblick wirke tragfähiger als bei Wettbewerbern.
Die Aktie reagierte am Montag mit einem Sprung von fast sechs Prozent. Am Dienstag notierte sie im Tradegate-Handel bei rund 84 Euro, nahezu unverändert. Der Abstand zwischen den Kurszielen von 85 und 98 Euro zeigt, wie unterschiedlich die Häuser Margen und Tempo der Auftragsabarbeitung einschätzen.
Goldman nennt als Risiken Produktionsengpässe, Lieferkettenprobleme, Programmverzögerungen und eine schwächere Cash-Conversion. Mehr Aufwärtspotenzial sehen die Analysten nur, wenn der Bestand schneller in Umsatz übergeht oder die Margen besser ausfallen als geplant.
Einen konkreten Termin liefert Jefferies: Im November findet der Kapitalmarkttag statt. Dort dürfte sich zeigen, ob Hensoldt die höheren Erwartungen mit neuen Mittelfristzielen untermauert.
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