Hexagon Purus Aktie: Finanzchef Alam übernimmt interimistisch
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 02:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer angekündigte Führungswechsel bei Hexagon Purus schafft personelle Klarheit, aber noch keine finanzielle Entlastung. Für mich ist das die entscheidende Unterscheidung nach der Mitteilung vom Mittwoch: Finanzchef Salman Alam soll die Führung übernehmen, während das Unternehmen über eine finanzielle Restrukturierung verhandelt. Die interne Nachfolge erscheint angesichts dieser Aufgabe nachvollziehbar. Als Wendepunkt lässt sie sich noch nicht bewerten.
Die Nachfolge ist kein Sanierungserfolg
Vorstandschef Morten Holum hat seinen Rücktritt angekündigt. Der Verwaltungsrat bestellte Alam mit Wirkung zum 1. November zum interimistischen Vorstandschef. Holum soll den Übergang beratend begleiten.
Damit setzt Hexagon Purus zunächst auf personelle Kontinuität. Ich halte das in dieser Situation für plausibel: Der bisherige Finanzchef übernimmt ausgerechnet dann die Verantwortung, wenn Schulden und Eigenkapital im Mittelpunkt stehen. Daraus folgt allerdings weder eine Einigung mit den Beteiligten noch eine gesicherte Verbesserung der Bilanz.
Am Dienstag hatte Hexagon Purus Gespräche mit wichtigen Interessengruppen über eine finanzielle Restrukturierung gemeldet. Dazu gehören Maßnahmen im Zusammenhang mit ausstehenden Wandelanleihen. Ziel sind niedrigere Schulden und die Wiederherstellung eines positiven Konzerneigenkapitals.
Diese Zielsetzung ist für meine Bewertung gewichtiger als die Personalentscheidung selbst. Anleger sollten den angekündigten Führungswechsel deshalb nicht mit Fortschritten bei der Restrukturierung gleichsetzen. Die Nachfolge regelt Verantwortung; die Gespräche müssen erst finanzielle Ergebnisse liefern.
Weniger Verlust reicht noch nicht
Die Geschäftszahlen zeigen, warum diese Trennung wichtig ist. Im dritten Quartal 2026 erreichte das EBITDA minus 83 Millionen NOK nach minus 116 Millionen NOK im Vorjahreszeitraum.
Das ist eine Verbesserung, aber kein Beleg für eine bereits tragfähige Erholung. Ein kleinerer operativer Verlust verdient Anerkennung. Er nimmt den Restrukturierungsgesprächen jedoch nicht ihre Bedeutung.
Umsatz und sonstige Erträge beliefen sich auf 150 Millionen NOK. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr betrug 40 Prozent; ohne das entkonsolidierte Geschäft waren es 20 Prozent.
Damit lässt sich die Schwäche nicht allein durch den veränderten Konsolidierungskreis erklären. Für mich ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Hexagon Purus begrenzt den operativen Verlust, verzeichnet zugleich aber deutlich niedrigere Erlöse. Die neue Führung übernimmt deshalb keine überzeugend belegte operative Trendwende.
HyCarrier ist eine Perspektive, keine Entlastung
Einen positiven Ansatz bietet das am 9. Oktober vorgestellte Wasserstoff-Verteilungssystem HyCarrier. Nach Unternehmensangaben sollen erste Einheiten im April 2027 ausgeliefert werden. Bestellungen sind bereits im Auftragsbestand für 2027 enthalten.
Das gibt dem Produkt mehr Gewicht als einer bloßen Ankündigung ohne Aufträge. Dennoch sollte man die Ebenen auseinanderhalten: Geplante Auslieferungen sind noch keine realisierten Erlöse. Und Aufträge beantworten nicht automatisch die Frage nach der bilanziellen Stabilisierung.
Mein Fazit fällt daher zurückhaltend aus. Die interne Nachfolge passt zur finanziellen Aufgabenstellung, das verbesserte EBITDA ist ermutigend und HyCarrier bietet eine konkrete Geschäftsperspektive. Entscheidend dürfte jedoch sein, ob Hexagon Purus die Restrukturierungsziele tatsächlich erreicht. Erst dann hätte der Führungswechsel mehr zu bieten als organisatorische Kontinuität.
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