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iShares Global Semiconductors: 1,3 Billionen Dollar Verlust in vier Tagen

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 16:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Halbleiter-ETF verzeichnet nach massiven Verlusten eine leichte Erholung, bleibt aber deutlich unter dem Jahreshoch. Speicherknappheit und starke Cloud-Nachfrage prägen die Perspektive.

Halbleiter-ETF: Milliardenverluste und Erholung nach Kurssturz
Abfallende Kursgrafik eines Halbleiter-ETFs auf einem digitalen Finanzmonitor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF hat einen der turbulentesten Monate seiner Geschichte hinter sich. Nach einer rund zweimonatigen Rally von rund 80 Prozent in Halbleiterwerten kippte die Stimmung Ende Juli abrupt: Zwischen dem 24. und 28. Juli verloren 20 Chip-Aktien zusammen 1,3 Billionen Dollar an Marktwert, wie The Motley Fool berichtete. Allein Nvidia büßte 238 Milliarden Dollar ein, Micron verlor 113 Milliarden Dollar. Der VIX verzeichnete seinen größten Tagesanstieg seit März, begleitet von einem Rekordvolumen von 7,8 Millionen gehandelten Optionen.

Der ETF selbst schloss am Freitag bei 16,27 Euro und legte auf Tagesbasis um 0,27 Prozent zu – ein zaghaftes Lebenszeichen nach einem schweren Monat. Auf 30-Tage-Sicht steht dennoch ein Minus von 17,90 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch bei 21,52 Euro vom 22. Juni trennen das Papier weiterhin 24,39 Prozent. Wer allerdings die Zwölf-Monats-Perspektive einnimmt, sieht ein anderes Bild: Der Fonds liegt gegenüber dem Vorjahresstand um 125,87 Prozent im Plus – die jüngste Korrektur hat also nur einen Teil der enormen Vorjahresgewinne gekostet.

Kospi-Achterbahn und die Rolle der Speicherhersteller

Besonders heftig traf es südkoreanische Werte, die im globalen Halbleiterindex stark vertreten sind. Der Kospi verlor im Juli 22 Prozent – den schlimmsten Monatsverlust seit der Finanzkrise – ehe er am Freitag mit einem Rekordsprung von 17,91 Prozent auf 6.595,45 Punkte konterte. Samsung schoss an diesem Tag um 26,81 Prozent nach oben, SK Hynix um 29,95 Prozent und erreichte damit erstmals seit 2009 wieder den oberen Handelsstopp. Laut Bloomberg äußerten viele Privatanleger nach der wilden Woche offene Kritik an Hebel-ETFs, die im Mai eingeführt worden waren; die Regierung reagierte mit strengeren Vorgaben für gehebelte Produkte.

Hintergrund der Bewegung ist eine anhaltende Speicherknappheit, die Branchenbeobachter bereits „RAMaggedon“ nennen. Laut The Japan Times sind Preise für PC-Arbeitsspeicher in Hongkong von umgerechnet 300 bis 400 Hongkong-Dollar auf bis zu 1.500 Hongkong-Dollar gestiegen, TrendForce beziffert den Anstieg auf das Fünf- bis Sechsfache binnen eines Jahres. Der Finanzchef von Samsung rechnet damit, dass sich die Engpässe bis 2028 nicht auflösen. Samsung und SK Hynix reagieren mit langfristigen Lieferverträgen: Samsung will laut The Korea Herald künftig 60 bis 70 Prozent seiner Speicherproduktion über Fünfjahresverträge mit Rechenzentrumskunden absichern, SK Hynix hat Verhandlungen mit rund zehn Abnehmern abgeschlossen.

Hyperscaler treiben die Nachfrage, Nervosität bleibt

Auf der Nachfrageseite liefern die großen Cloud-Anbieter weiter Rückenwind für den Sektor. Amazon meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 200,61 Milliarden Dollar und ein AWS-Wachstum von 37 Prozent, die Aktie legte daraufhin um 15 Prozent zu – den stärksten Tagesgewinn seit 2012. Der Konzern erhöhte sein Investitionsbudget für 2026 von 200 auf 220 Milliarden Dollar. Microsoft zog nach: Azure wuchs um 43 Prozent, die Aktie sprang am 30. Juli um 16 Prozent und damit so stark wie noch nie an einem einzigen Tag. Solche Ausgabenprogramme stützen mittelfristig die Auslastung von Chipherstellern und Ausrüstern, auch wenn der PHLX Semiconductor Index am Freitag mit einem Plus von lediglich 0,07 Prozent kaum vom Fleck kam und weiterhin rund ein Fünftel unter seinem Rekordhoch vom 22. Juni notiert.

Stabilisierend wirkte zudem ein Deal im Hintergrund des Marktes: Der Hedgefonds Citadel übernahm laut Seeking Alpha einen erheblichen Teil des 16 Milliarden Dollar schweren Aktienportfolios von Situational Awareness und entfernte damit einen bekannten Zwangsverkäufer aus dem Markt – ein Schritt, der dem drohenden Drei-Billionen-Dollar-Ausverkauf die Spitze nahm. Der betroffene KI-Fonds selbst hatte im Juli 67 Prozent seines Wertes verloren und musste sämtliche öffentlichen Aktienpositionen auflösen.

Was das für Anleger im ETF bedeutet

Für den Halbleiter-ETF bleibt die Gemengelage zweischneidig. Die annualisierte Volatilität von knapp 68 Prozent unterstreicht, wie nervös der Sektor derzeit gehandelt wird, während ein RSI von 41,6 auf eine noch nicht überkaufte, aber auch nicht überverkaufte Lage hindeutet. Die strukturelle Nachfrage aus dem KI-Boom und die anhaltende Speicherknappheit sprechen für langfristiges Wachstumspotenzial, kurzfristig dürfte die Schwankungsbreite aber hoch bleiben – zumal die nächsten Quartalszahlen wichtiger Zulieferer, etwa von Applied Materials am 13. August, weitere Kursimpulse liefern dürften.

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