Lanxess Aktie: Berenberg senkt auf 13,80 Euro
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 14:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Spezialchemiekonzern Lanxess dämpft die Erwartungen an eine schnelle konjunkturelle Wende. Auf einer Branchenkonferenz am Dienstag machte das Management deutlich, dass für die zweite Jahreshälfte 2026 keine materielle Verbesserung des Marktumfelds im Vergleich zum ersten Halbjahr erwartet wird. Damit rückt die interne Effizienzsteigerung durch das Kostensparprogramm „FORWARD!“ noch stärker in den Fokus der Strategie.
Gedämpfte Erwartungen für das zweite Halbjahr
Zwar konnte Lanxess im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 1,561 Milliarden Euro erzielen, was einem Zuwachs von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Auch das operative Ergebnis (EBITDA vor Sondereinflüssen) stieg leicht auf 152 Millionen Euro.
Besonders im Vergleich zum Auftaktquartal wirkte das Plus von 61,7 Prozent beim EBITDA beachtlich. Das Unternehmen führt diese sequenzielle Verbesserung auf eine höhere Nachfrage und eine bessere Preisgestaltung zurück.
Dennoch warnt die Konzernführung vor Euphorie: Die Belebung im Frühjahr war teilweise auf temporäre Effekte zurückzuführen. Hierzu zählten unter anderem Lieferkettenunterbrechungen asiatischer Wettbewerber infolge des Nahost-Konflikts, die Lanxess kurzzeitig Marktvorteile verschafften.
Für das laufende dritte Quartal gab das Unternehmen eine vorsichtige Prognose von 130 bis 150 Millionen Euro EBITDA ab, was unter dem Niveau des Vorquartals liegen würde. Die Jahresprognose für das EBITDA vor Sondereinflüssen in einer Spanne von 450 bis 550 Millionen Euro wurde am 7. August bestätigt.
Sparprogramm „FORWARD!“ sichert Profitabilität
Um die Ertragskraft in einem schwierigen Umfeld zu stabilisieren, forciert der Konzern seinen Umbau. Bis Ende 2025 wurden bereits Einsparungen in Höhe von 150 Millionen Euro realisiert.
Bis zum Jahr 2028 plant Lanxess weitere Kostensenkungen von 170 Millionen Euro durch Organisationsänderungen und Anpassungen im Produktionsnetzwerk. Dies geht mit konkreten Einschnitten einher: Die Hexan-Oxidationsanlage in Uerdingen sowie ein Werk im britischen Widnes wurden bereits geschlossen.
Zudem soll eine Umstrukturierung bei der Tochtergesellschaft Saltigo ein Sparziel von 20 Millionen Euro erreichen. Das Management zielt darauf ab, die Kapazitätsauslastung, die zuletzt bei durchschnittlich 70 Prozent lag, perspektivisch in Richtung der branchenüblichen Zielmarke von 80 Prozent zu heben.
Parallel dazu ist die Portfolio-Transformation in drei Segmente – Consumer Protection, Specialty Additives und Advanced Intermediates – nun abgeschlossen, um die Abhängigkeit von zyklischen Branchen wie der Automobilindustrie zu verringern.
Bilanzfokus und Analysten-Skepsis
Ein zentraler Aspekt für Investoren bleibt der Abbau der Verschuldung. Lanxess strebt eine Reduzierung der Nettoverschuldung auf einen Wert unter dem 2,5-fachen EBITDA an, um den Investment-Grade-Status nachhaltig zu sichern.
Als wichtiges Instrument hierfür gilt die Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen Envalior. Nachdem ein Verkaufsrecht im März 2026 aufgrund von Finanzierungsvorbehalten auf Käuferseite nicht wahrgenommen wurde, rücken künftige Andienungsfenster in den Jahren 2027 und 2028 in den Fokus.
Analysten bewerten die Perspektiven des Konzerns derzeit gespalten. Berenberg stufte die Aktie am 13. August von „Hold“ auf „Sell“ herab und senkte das Kursziel auf 13,80 Euro. Die Experten verwiesen dabei auf die hohe Verschuldung und trübe Wachstumsaussichten.
Deutsche Bank Research hingegen beließ das Papier am 12. August auf „Hold“ mit einem Kursziel von 17,00 Euro und erhöhte die Jahresschätzung für das operative Ergebnis leicht um 6 Prozent. Die Aktie notiert aktuell bei 14,07 Euro und hat damit seit Jahresbeginn 20 Prozent an Wert verloren. Vom 52-Wochen-Hoch trennt das Papier derzeit ein Abstand von 45 Prozent.
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