Legrand, Aktie

Legrand Aktie: Zwei Banken, ein Urteil

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 18:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei Analysehäuser stufen Legrand positiver ein. Wachstum in Rechenzentren und höhere Unternehmensziele stützen die Bewertung der Aktie.

Bauhaus-Poster mit buntem Schriftzug ELECTRIC und geometrischen Formen
Legrand SA (FR0010307819) inspiriert ein geometrisches Bauhaus-Poster mit Sektor-Schriftzug ELECTRIC in kräftigen Farben Illustration mit AI erstellt.

Zwei Analystenhäuser innerhalb weniger Tage, dieselbe Botschaft: Legrand ist unterbewertet. Die Aktie des französischen Elektroausrüsters reagierte prompt und legte am Donnerstag um 2,5 Prozent auf 137,85 Euro zu.

Deutsche Bank hob die Einstufung von "Hold" auf "Buy" und das Kursziel von 150 auf 160 Euro. Nur wenige Tage zuvor hatte Morgan Stanley Legrand bereits zu seinem "Top Pick" innerhalb der europäischen Industriewerte erklärt, ebenfalls mit einem Kursziel von 160 Euro und der Einstufung "Overweight".

Beide Häuser begründen ihre Aufwertung mit derselben Beobachtung: Der historische Bewertungsaufschlag, den Legrand gegenüber Wettbewerbern lange genoss, ist verschwunden — ohne fundamentalen Grund, wie die Analysten meinen.

Datacenter als Wachstumsmotor

Der Treiber hinter der Neubewertung liegt im Portfolio-Mix. Die am schnellsten wachsenden Segmente des Konzerns — Rechenzentren, Energiewende und digitale Wohnlösungen — machen mittlerweile rund 60 Prozent des Gruppenumsatzes aus. 2020 lag dieser Anteil noch bei 30 Prozent. Allein das Datacenter-Geschäft wuchs 2025 um knapp 40 Prozent und soll 2026 um weitere 30 Prozent auf etwa 3,5 Milliarden Euro zulegen.

Hinzu kommt eine Stabilisierung im europäischen Wohnungsbau, der im ersten Halbjahr 2026 noch unter Druck stand und Margen auf Pandemie-Niveau drückte. Deutsche Bank sieht hier erste Erholungssignale, die sich mit typischer Verzögerung von rund zwölf Monaten in der zweiten Jahreshälfte 2026 in den Zahlen zeigen könnten.

Die operative Dynamik untermauert die Analystenthesen: Im ersten Halbjahr 2026 wuchs Legrand organisch um 9,8 Prozent. Das Management reagierte darauf mit einer Anhebung der Jahresprognose für das Umsatzwachstum auf 16 bis 19 Prozent, zuvor waren 10 bis 15 Prozent avisiert. Für das Datacenter-Segment rechnet der Konzern nun mit einem Plus von 25 bis 30 Prozent im laufenden Jahr.

Bewertung trotz Rekordnähe günstig

Trotz der jüngsten Kursgewinne notiert die Aktie weiterhin spürbar unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 166,95 Euro. Deutsche Bank beziffert das für 2027 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis auf das 20-Fache — ein Abschlag von 6 bis 7 Prozent zum eigenen Zehnjahresschnitt und von 20 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe der Elektroausrüster.

Ein Termin dürfte die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben: Am 29. September lädt Legrand zu seinem Capital Markets Day nach Singapur. Deutsche Bank erwartet dort eine Anhebung der langfristigen Wachstumsziele für den Zeitraum 2025 bis 2030 von aktuell 3 bis 5 Prozent auf 5 bis 7 Prozent organisches Umsatzwachstum. Die nächsten konkreten Zahlen liefert der Konzern dann am 5. November mit den Neunmonatsergebnissen.

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