Lenzing, Aktie

Lenzing Aktie: 19-Prozent-Kurssturz nach Kapitalplan

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 02:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lenzing kündigt strategische Neuausrichtung mit Kapitalerhöhung von 300 Mio. Euro und Abbau von rund 2.000 Stellen an, um die Kostenstruktur zu verbessern.

Lenzing plant radikalen Umbau: Kapitalerhöhung und massiver Stellenabbau
Abstrakte Darstellung einer industriellen Textilfertigung in düsterer, stimmungsvoller Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der österreichische Faserhersteller Lenzing steht vor einer umfassenden Neuausrichtung und einer massiven Stärkung seiner Kapitalbasis. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, soll im Rahmen der Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ das Geschäft mit Vliesstoffen deutlich ausgebaut werden. Zur Finanzierung dieser Transformation und zur Absicherung der Bilanz ist eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro geplant. Parallel dazu kündigte der Konzern einen erheblichen Stellenabbau an, um die Kostenstruktur nachhaltig zu verbessern.

Fokus auf Spezialfasern und Kosteneffizienz

Das Ziel der strategischen Transformation ist eine Verringerung der Abhängigkeit von zyklischen Einflüssen im Textilmarkt. Der Anteil von Textilfasern am Gesamtumsatz soll bis zum Jahr 2030 von derzeit 45 Prozent auf etwa 30 Prozent sinken. Stattdessen setzt das Management unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Georg Kasperkovitz verstärkt auf den Bereich Nonwovens. Kasperkovitz hatte den Posten im Juni übernommen, nachdem sein Vorgänger Rohit Aggarwal das Unternehmen aus persönlichen Gründen verlassen hatte.

Flankiert wird der Umbau von einem Sparprogramm, das bis Ende 2027 die Reduzierung von rund 2.000 Stellen vorsieht. Bezogen auf die Belegschaft von etwa 7.700 Vollzeitäquivalenten Ende 2025 entspricht dies einem massiven Einschnitt. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass Lenzing durch diese Maßnahmen jährliche Kosteneinsparungen in Höhe von 120 Millionen Euro anstrebt. Das Unternehmen reagiert damit auf den hohen Schuldendruck und ein herausforderndes Marktumfeld.

Kapitalerhöhung und stabiles Aktionärs-Syndikat

Die geplante Kapitalmaßnahme wird maßgeblich von den Kernaktionären getragen. Das Syndikat aus der B&C-Gruppe und dem brasilianischen Partner Suzano, das zusammen etwa 52,25 Prozent der Anteile hält, hat sich unwiderruflich zur Teilnahme an der Kapitalerhöhung verpflichtet. Laut Unternehmensangaben entfallen auf diesen Block bis zu 156,7 Millionen Euro. Auch die Oberbank AG, die rund 3,86 Prozent der Anteile hält, gab eine entsprechende Zusage ab.

Zusätzlich zur Eigenkapitalstärkung sicherte sich Lenzing neue Finanzierungsvereinbarungen über bis zu 300 Millionen Euro ab. Bestehende Kreditlaufzeiten wurden zudem bis in das Jahr 2030 verlängert. Diese Schritte sollen den finanziellen Spielraum erweitern, um die Nettofinanzverschuldung zu bewältigen, die Medienberichten zufolge bei 1,36 Milliarden Euro liegt. Der brasilianische Großaktionär Suzano bekräftigte zudem bereits im Mai die Absicht, bis Ende 2028 die Option auf weitere 15 Prozent der Lenzing-Anteile zu prüfen.

Operative Entwicklung und Marktreaktion

Trotz der strukturellen Herausforderungen zeigte sich die operative Entwicklung im zweiten Quartal 2026 verbessert. Den vorläufigen Kennzahlen zufolge stieg das EBITDA um 10 Prozent auf 123 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 19 Prozent. Dennoch reagierte der Kapitalmarkt am Dienstag mit deutlicher Skepsis auf die Ankündigung der Kapitalerhöhung und den Umfang des Umbaus. Wie Reuters berichtet, verzeichnete die Aktie infolge der Nachrichten zeitweise einen Kurssturz von bis zu 19 Prozent.

Am gestrigen Freitag schloss das Papier bei 23,40 Euro. Damit notiert der Wert rund 21,34 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Auch der 50-Tage-Durchschnitt, der bei 24,51 Euro liegt, wurde im Zuge der jüngsten Volatilität unterschritten. Anleger blicken nun auf den kommenden Mittwoch, wenn Lenzing den vollständigen Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. August soll schließlich formell über die geplante Kapitalerhöhung entscheiden und den Weg für die Neuausrichtung freimachen.

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