Lenzing Aktie: 2.000 Stellen bis Ende 2027 gestrichen
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 17:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lenzing hat sein Sanierungsprogramm mit den Halbjahreszahlen unterlegt. Der Umsatz sank in den ersten sechs Monaten 2026 auf 1,27 Milliarden Euro, nach 1,34 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.
Das EBITDA fiel von 268,6 Millionen auf 239,2 Millionen Euro, die Marge sank von 20 auf 18,9 Prozent. Als Gründe nennt das Unternehmen den Rückzug aus margenschwachen Standardfasern und niedrigere Zellstofferlöse. Trotzdem hat sich der Nettogewinn im Halbjahresvergleich mehr als verdoppelt.
Die Aktie tut sich mit dieser gemischten Bilanz schwer. Am Donnerstag verliert das Papier 2,1 Prozent und fällt unter den 50-Tage-Durchschnitt, der bei 24,53 Euro liegt. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,7 Prozent zu Buche – ein Zeichen, dass Anleger die Zahlen trotz des Gewinnsprungs eher skeptisch aufnehmen.
Werksschließungen als Preis der Neuausrichtung
Der eigentliche Umbau bei Lenzing hat bereits im Juli begonnen. Das Unternehmen kündigte an, den Faserproduktionsstandort Heiligenkreuz in Österreich bis Ende 2026 zu schließen, das Werk in Grimsby in England soll bis Ende 2027 folgen.
CEO Georg Kasperkovitz bestätigte den Abbau von weltweit rund 2.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2027. Die Strategie läuft unter dem Namen „Grow Nonwovens, Reset Textiles" und soll das Geschäft stärker auf Vliesstoffe ausrichten, das bis 2030 deutlich ausgebaut werden soll.
Für Heiligenkreuz hat Lenzing bereits eine Käufersuche gestartet, der Vorstandschef rechnet mit einem mehrmonatigen Verfahren. Das Land Burgenland unter Landeshauptmann Hans Peter Doskozil unterstützt die Investorensuche und schließt eine Übernahme des Werks durch das Bundesland nicht aus, sollte sonst eine Schließung drohen. Parallel läuft ein Verkaufsprozess für den indonesischen Viskosestandort PT South Pacific Viscose.
Der Umbau schlägt sich auch in der Bilanz nieder: Für 2026 erwartet Lenzing Wertminderungen auf Sachanlagen von bis zu 150 Millionen Euro sowie Restrukturierungsrückstellungen von bis zu 40 Millionen Euro für Personalmaßnahmen. Das EBITDA soll davon 2026 nicht betroffen sein.
Kapitalerhöhung mit breiter Unterstützung
Um die Transformation zu finanzieren, plant Lenzing eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten von bis zu 300 Millionen Euro. Über den entsprechenden Beschluss stimmt die außerordentliche Hauptversammlung am 25. August ab, die um 10:00 Uhr im Kulturzentrum Lenzing stattfindet. Auf der Tagesordnung stehen neben der Kapitalerhöhung auch Aufsichtsratswahlen.
Die Kapitalmaßnahme steht auf solidem Fundament: Das Syndikat aus B&C-Gruppe und Suzano, das zusammen 52,25 Prozent des Grundkapitals hält, hat sich unwiderruflich zur Teilnahme mit bis zu 156,7 Millionen Euro verpflichtet. Die Oberbank AG, die 3,86 Prozent der Anteile hält, sagte eine Investition von bis zu 11,6 Millionen Euro zu.
Ein internationales Bankenkonsortium garantiert zudem die Übernahme aller nicht von Aktionären gezeichneten Aktien. Zusätzlich hat Lenzing neue Finanzierungsvereinbarungen über bis zu 300 Millionen Euro abgeschlossen und Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten bis 2030 verlängert.
Mittelfristig peilt das Unternehmen eine EBITDA-Steigerung um 150 Millionen Euro an, eine EBITDA-Marge zwischen 20 und 25 Prozent sowie einen Verschuldungsgrad unter dem 2,5-Fachen. Ob der Markt diese Ziele als erreichbar einstuft, dürfte sich auch daran zeigen, wie die Aktie die Hauptversammlung Ende August verarbeitet – bislang bleibt der Kurs mit einem Abstand von 22 Prozent zum 52-Wochen-Hoch deutlich unter seinen Bestmarken.
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