Li-FT Power Aktie: 3. Oktober entscheidet über Renard
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 15:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach Wochen des Ausverkaufs zeigt die Aktie von Li-FT Power heute wieder Lebenszeichen: Das Papier legt um 4,36 Prozent zu und steht bei 1,92 Euro. Wer allerdings glaubt, damit sei die Talfahrt beendet, irrt aus meiner Sicht – der Kurs liegt noch immer 66,40 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Für mich ist die heutige Erholung eher eine technische Gegenreaktion als ein Vertrauensvotum.
Frisches Geld, verwässerte Anteile
Der eigentliche Auslöser der jüngsten Nervosität war die Ankündigung einer Bought-Deal-Platzierung: Li-FT Power sammelt über 6,9 Millionen Aktien zu je 2,90 kanadischen Dollar ein, das ergibt einen Bruttoerlös von 20,01 Millionen kanadischen Dollar. Die von Canaccord Genuity angeführten Underwriter haben zusätzlich eine 30-tägige Mehrzuteilungsoption über weitere 1.035.000 Aktien erhalten. Der Abschluss ist für den 12. August vorgesehen. Bemerkenswert: Avenir Minerals, eine Tochtergesellschaft von Agnico Eagle, wird dem Investorenrechtsabkommen zufolge voraussichtlich an der Platzierung teilnehmen.
Das Geld soll vor allem die Kosten für das erste Jahr der Instandhaltung der Renard-Option decken, geschätzt auf rund 18 Millionen kanadische Dollar, plus allgemeines Betriebskapital. Aus meiner Sicht ist das ein zweischneidiges Signal. Einerseits sichert sich das Unternehmen die nötige Liquidität, um ein potenziell wertvolles Asset am Leben zu halten. Andererseits verwässert eine Kapitalerhöhung dieser Größenordnung bestehende Aktionäre spürbar – und genau das dürfte den Kurs in den vergangenen Wochen belastet haben.
Die Uhr tickt bei Renard
Die Renard-Option ist der eigentliche Kern der Geschichte. Das Superior Court of Quebec hat Li-FT Power eine exklusive, zweijährige Option zum Erwerb der Diamantmine Renard samt Verarbeitungsanlage und Infrastruktur genehmigt. Doch die Wirksamkeit dieser Option und die Freigabe der treuhänderisch hinterlegten Optionsgebühr von 12 Millionen kanadischen Dollar hängen an einer behördlichen Genehmigung: Das Ministère des Ressources naturelles et des Forêts muss bis zum 3. Oktober eine Verschiebung der Rehabilitierungsarbeiten autorisieren – oder eine alternative Lösung finden.
Für mich ist dieser Termin der eigentliche Prüfstein für die Aktie, nicht die aktuelle Kapitalerhöhung. Bleibt die Genehmigung aus, steht die gesamte Konstruktion um Renard infrage, und das frisch eingesammelte Kapital hätte sein Ziel verfehlt. Wird sie erteilt, hat Li-FT Power sich mit vergleichsweise überschaubarem Mitteleinsatz Zugriff auf ein bereits erschlossenes Bergbauprojekt gesichert – ein Vorteil, den viele Explorer in dieser Marktphase nicht haben.
Geologische Substanz spricht für das Unternehmen
Losgelöst von der Finanzierungsfrage liefert die operative Seite durchaus Argumente für Optimismus. Das Bohrprogramm am Yellowknife-Lithium-Projekt brachte im Frühsommer starke Ergebnisse: Bohrloch YLP-0312 lieferte 26 Meter mit 1,29 Prozent Li?O, darin 17 Meter mit 1,65 Prozent Li?O im BIG-East-Bereich. Weitere Treffer wie YLP-0306 mit 18 Metern bei 1,41 Prozent Li?O bestätigen, dass das System nach Süden und in die Tiefe offen bleibt – ein Hinweis auf mögliches weiteres Ausbaupotenzial der bestehenden Ressource.
Hinzu kommt die im Mai abgeschlossene Übernahme von Winsome Resources, mit der sich Li-FT Power die vollständigen Rechte am Adina-Lithium-Projekt sicherte. Dieses bringt eine angezeigte Ressource von 61,4 Millionen Tonnen mit 1,14 Prozent Li?O sowie eine vermutete Ressource von 16,5 Millionen Tonnen mit 1,19 Prozent Li?O mit. Parallel dazu verstärkte das Unternehmen sein Management mit Jeff Reinson als Senior Vice President Development, der über langjährige Erfahrung aus Positionen bei Burgundy Diamond Mines, Goldcorp, Newmont und Rio Tinto verfügt.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei Li-FT Power ein Unternehmen mit echter geologischer Substanz, das sich aber in einer heiklen Finanzierungsphase befindet. Die Kapitalerhöhung sichert das Überleben der Renard-Option kurzfristig, verwässert aber die Aktionäre und unterstreicht, wie kapitalintensiv der Weg von der Exploration zur Produktion bleibt. Der 3. Oktober dürfte darüber entscheiden, ob sich das eingesetzte Kapital auszahlt. Bis dahin spricht für mich einiges dafür, dass die Aktie volatil bleibt – die heutige Erholung ändert daran wenig.
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