Lufthansa Aktie: 56-Prozent-Einbruch zwingt zur Sparoffensive
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 11:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lufthansa steckt tief in der Krise. Die Aktie fiel gestern um 2,1 Prozent auf 7,72 Euro und liegt damit 25 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro. Auslöser der jüngsten Talfahrt ist eine Serie schlechter Nachrichten, die sich seit Anfang August verdichtet hat.
Gewinneinbruch zwingt zur Prognosesenkung
Am 4. August legte der Konzern Zahlen für das zweite Quartal vor, die selbst pessimistische Erwartungen unterboten. Das bereinigte operative Ergebnis brach um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein, im Vorjahresquartal waren es noch 870 Millionen Euro. Der Konzernüberschuss sackte um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ab.
Der Umsatz legte zwar um 7,9 Prozent auf 11,141 Milliarden Euro zu, konnte den Ergebnisverfall aber nicht ausgleichen. Als Konsequenz senkte Lufthansa die Gewinnprognose für das laufende Jahr auf ein bereinigtes EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro – ursprünglich hatte der Konzern ein Ergebnis deutlich über dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Die Kursreaktion auf diese Zahlen wirkt bis heute nach: Binnen 30 Tagen verlor die Aktie 12 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 8,2 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index von 29 signalisiert eine überverkaufte Aktie, was jedoch angesichts der fundamentalen Probleme wenig Trost spendet.
Barclays fürchtet weitere Gewinnwarnung
Am Mittwoch reagierte Barclays Capital mit einer deutlichen Herabstufung. Analyst Andrew Lobbenberg senkte die Einstufung von „Equalweight" auf „Underweight" und kappte das Kursziel auf 7,50 Euro.
Seine Begründung wiegt schwer: Selbst das bereits gesenkte operative Ergebnisziel des Konzerns hält er für zu optimistisch und rechnet mit einer weiteren Gewinnwarnung. Auch Morgan Stanley zog nach und stufte die Aktie von „Overweight" auf „Equalweight" zurück, ebenfalls mit einem neuen Kursziel von 7,50 Euro, zuvor lag es bei 9,40 Euro.
Sparprogramm und Stellenabbau als Antwort
Der Konzern reagiert auf die Ergebnisschwäche mit einem verschärften Sparkurs. Finanzvorstand Till Streichert will kurzfristig zusätzlich 200 Millionen Euro einsparen, das laufende Turnaround-Programm soll bis Ende 2026 insgesamt 1,5 Milliarden Euro und bis 2028 jährlich 2,5 Milliarden Euro bringen.
Flankiert wird das Programm durch das Ende Juli gestartete Freiwilligenprogramm „New Ways", das bis 2030 rund 550 Vollzeitstellen bei Lufthansa Airlines und in zentralen Konzernbereichen streichen soll. Insgesamt plant der Konzern, bis 2030 etwa 4.000 Verwaltungsstellen abzubauen, davon rund 1.500 an andere internationale Standorte zu verlagern.
Auch die Kapazitätsplanung wurde zurückgefahren: Statt der ursprünglich für 2026 angepeilten vier Prozent Wachstum soll das Flugangebot nun stagnieren, eine weitere Kürzung des Europaangebots um ein Prozent wird geprüft.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt die Tarifsituation: Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und Lufthansa einigten sich am 11. August auf ein umfassendes Schlichtungsverfahren mit Mediation für offene Tariffragen in mehreren Flugbetrieben, darunter Lufthansa Cargo, Cityline und Eurowings. Ob die Einigung ausreicht, um weitere Streikrisiken abzuwenden, bleibt offen.
Positive Nachrichten sind derzeit rar gesät. Am Mittwoch absolvierte ein A320neo den Jungfernflug von Frankfurt nach Rom mit neuer Starlink-Internetverbindung, bis Jahresende sollen bis zu zehn weitere Flugzeuge damit ausgestattet werden.
Am Dienstag setzte zudem ein Airbus A380 bei der Landung in München zu früh auf und beschädigte die Landebahnbefeuerung, alle 351 Passagiere blieben unverletzt. Solche operativen Meldungen ändern jedoch nichts an der fundamentalen Schieflage, die derzeit den Kurs bestimmt.
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