Lufthansa Aktie: Barclays senkt Ziel auf 7,50 Euro
Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 12:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Airbus A380 der Lufthansa setzte am Montagabend bei der Landung in München zu früh auf. Alle 351 Passagiere konnten das Flugzeug unverletzt verlassen, wie T-Online berichtete. Der Vorfall reiht sich in eine Phase ein, in der die Fluggesellschaft ohnehin unter verschärfter Beobachtung von Anlegern und Analysten steht.
Denn operativ läuft es für den Konzern derzeit nicht rund. Vorstandschef Carsten Spohr hatte bereits Anfang August eingeräumt, dass ein Rückgang des operativen Gewinns im laufenden Jahr möglich sei. Das bereinigte EBIT soll demnach nur noch zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro liegen – eine deutliche Absenkung der ursprünglichen Erwartungen.
Der Konzern hatte im zweiten Quartal trotz spürbar höherer Treibstoffkosten immerhin noch einen operativen Gewinn von 383 Millionen Euro erwirtschaftet, doch das reicht offenbar nicht, um die Jahresziele zu stabilisieren.
Barclays sieht weiteres Abwärtsrisiko
Die Skepsis der Analysten nimmt seither zu. Barclays senkte am Mittwoch das Kursziel für Lufthansa von 7,75 auf 7,50 Euro und beließ die Einstufung bei "Underweight".
Analyst Andrew Lobbenberg äußerte sich noch deutlicher: Selbst das bereits gesenkte operative Ergebnisziel des Konzerns für das Gesamtjahr hält er für zu optimistisch. Er rechnet nach eigenen Worten mit der Möglichkeit einer weiteren Gewinnwarnung. Eine solche Einschätzung wiegt schwer, weil sie unterstellt, dass der Konzern seine bereits nach unten korrigierten Ziele erneut verfehlen könnte.
Die Kursentwicklung spiegelt diese Verunsicherung wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 7,63 Euro, nach einem Minus von 0,5 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,7 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich das Minus auf 13 Prozent. Damit notiert das Papier rund 26 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro, das im Juli erreicht wurde, und nähert sich wieder dem Jahrestief von 6,72 Euro vom Oktober an.
Insiderkauf und Technik-Offensive als Gegengewicht
Nicht alle Signale sind negativ. Vorstandsmitglied Dieter Vranckx kaufte Anfang August Lufthansa-Aktien im Wert von rund 91.762 Euro zu einem Kurs von 8,342 Euro – ein Zeichen, dass zumindest aus dem Management heraus Vertrauen in die mittelfristige Erholung signalisiert wird.
Zeitlich passt dazu die technische Weiterentwicklung der Flotte: Am Mittwoch absolvierte eine A320neo mit dem Kennzeichen D-AINM den ersten Lufthansa-Flug mit Starlink-Highspeed-Internet an Bord, auf der Strecke von Frankfurt nach Rom.
Die neue Konnektivität soll Passagieren künftig Streaming und cloudbasiertes Arbeiten während des Fluges ermöglichen und ist Teil einer breiteren Digitalisierungsoffensive der Gruppe.
Auch auf der Personalseite bemüht sich das Management um Stabilität. Nach Jahren wiederholter Streiks signalisierte die Konzernführung in der vergangenen Woche einen neuen Ansatz für die Arbeitsbeziehungen: Management und Gewerkschaften sollen künftig stärker auf langfristige Zusammenarbeit statt auf wiederkehrende Konflikte setzen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich. Technische Fortschritte und ein Insiderkauf stehen einer skeptischen Analystenmeinung und einem angespannten operativen Umfeld gegenüber.
Der jüngste Zwischenfall in München dürfte das Sicherheitsimage kurzfristig belasten, dürfte aber kaum ausschlaggebend für die mittelfristige Kursrichtung sein. Entscheidend bleibt, ob der Konzern seine gesenkten Jahresziele tatsächlich noch erreichen kann – oder ob sich die Befürchtungen von Barclays bewahrheiten.
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