Lufthansa Aktie: Barclays warnt vor Gewinnwarnung
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 16:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit der Gewinnwarnung vor gut drei Wochen hat sich der Kurs der Lufthansa-Aktie um 5,9 Prozent nach unten bewegt. Wer jetzt aber glaubt, das Schlimmste sei ausgestanden, sollte sich die Nachrichtenlage der vergangenen zwei Wochen genauer ansehen. Für mich zeigt sie ein Unternehmen, das an mehreren Fronten gleichzeitig kämpft – operativ, strategisch und in der Kommunikation mit den eigenen Beschäftigten.
Die Schlichtung ist ein Fortschritt, kein Durchbruch
Am 11. August haben sich Lufthansa und die Vereinigung Cockpit auf ein umfassendes Schlichtungsverfahren mit Mediation verständigt. Das betrifft nicht nur die Kernmarke, sondern auch Lufthansa Cargo, Lufthansa Cityline und Eurowings. Das ist zweifellos eine gute Nachricht – ein eskalierender Tarifstreit wäre angesichts der ohnehin belasteten Ergebnislage das letzte gewesen, was der Konzern jetzt gebrauchen könnte. Allein die Streikbelastung im zweiten Quartal summierte sich auf mindestens 150 Millionen Euro.
Doch eine Schlichtungsvereinbarung ist noch keine Einigung. Sie verschiebt den Konflikt in ein geordnetes Verfahren, löst ihn aber nicht. Für Anleger bedeutet das: Die Unsicherheit über künftige Personalkosten bleibt bestehen, sie wird lediglich in ruhigere Bahnen gelenkt. Das ist besser als ein offener Streik, aber weit von einer echten Entlastung entfernt.
Barclays traut der eigenen Guidance nicht
Bemerkenswerter finde ich die Haltung von Barclays. Die Bank senkte am 19. August ihr Kursziel von 7,75 auf 7,50 Euro und bestätigte die Einstufung "Underweight".
Analyst Andrew Lobbenberg äußerte dabei etwas, das ich für den eigentlich relevanten Satz der vergangenen zwei Wochen halte: Er hält selbst die bereits reduzierte Ergebnisprognose des Konzerns – ein Adjusted EBIT von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro für 2026 – noch für zu optimistisch. Er befürchtet eine weitere Gewinnwarnung.
Das ist keine beliebige Randnotiz. Wenn ein Analyst der eigenen, bereits nach unten korrigierten Prognose eines Konzerns nicht traut, spricht das gegen eine schnelle Stabilisierung.
Die Kapazitätsprognose für 2026 wurde bereits von ursprünglich 0 bis 2 Prozent Wachstum auf Vorjahresniveau zurückgenommen, die Flottenerneuerung verzögert sich – 2026 werden voraussichtlich nur 41 statt der geplanten 45 neuen Jets ausgeliefert.
Jedes dieser Signale für sich wäre verkraftbar. In der Summe zeichnen sie für mich das Bild eines Konzerns, der seine eigenen Prognosen laufend nachjustiert, statt sie zu erfüllen.
Starlink ist eine Wette auf die Zukunft, nicht auf das nächste Quartal
Auf der positiven Seite steht die Starlink-Offensive: Am 19. August startete der erste Linienflug mit Highspeed-Internet an Bord, eine A320neo flog von Frankfurt nach Rom.
Bis Ende des Jahres sollen bis zu zehn weitere Flugzeuge der A320-Familie folgen, bis 2029 rund 850 Maschinen der gesamten Gruppe. Das ist strategisch sinnvoll und dürfte die Kundenzufriedenheit heben, besonders für Miles & More-Mitglieder, die das Angebot kostenfrei nutzen können.
Nur: Ein besseres Bordinternet repariert keine Kerosinkostenexplosion und keine Streikrechnung. Es ist ein Investment in die Marke, nicht in die kurzfristige Marge.
Auch der Flugzeugunfall in München am 17. August, bei dem ein A380 zu früh aufsetzte und Schäden an Befeuerungsanlage und Reifen verursachte, wird nun von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung geprüft. Alle 351 Passagiere blieben unverletzt – operativ ein Randereignis, aber ein weiteres Beispiel für die Häufung kleinerer Belastungen, die sich zu einem größeren Störgeräusch summieren.
Unterm Strich
Für mich überwiegen derzeit die Risiken die Chancen. Die Aktie notiert mit 7,98 Euro rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch und unterhalb sämtlicher gängiger gleitender Durchschnitte – ein Kursbild, das die fundamentale Unsicherheit spiegelt.
Die Schlichtung mit der Pilotengewerkschaft ist ein Schritt zur Beruhigung, doch solange ein Analyst wie Lobbenberg öffentlich an der eigenen, bereits gesenkten Prognose des Konzerns zweifelt, bleibt das Vertrauen fragil.
Die Starlink-Strategie zeigt, wohin Lufthansa langfristig will. Ob der Konzern kurzfristig die Kontrolle über seine Kostenseite zurückgewinnt, halte ich für die entscheidendere Frage der kommenden Monate.
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