Lufthansa, Aktie

Lufthansa Aktie: Q2-EBIT bei 383 Millionen Euro

Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 03:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lufthansa treibt die Starlink-Ausstattung von 850 Flugzeugen voran, während Streiks und hohe Treibstoffkosten das Halbjahresergebnis belasten und die Prognose sinkt.

Lufthansa: Starlink-Rollout trifft auf schwache Quartalszahlen und Streiks
Ein Flugzeugflügel vor einem goldenen Sonnenuntergangshimmel, der die Luftfahrtbranche symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Es gibt diese Momente, in denen ein Unternehmen zwei völlig verschiedene Geschichten gleichzeitig erzählt. Bei Lufthansa lässt sich das dieser Tage besonders gut beobachten: Während in der Kabine gerade eine kleine technologische Revolution anläuft, kämpft der Konzern am Boden mit den ältesten Problemen der Luftfahrt – Streiks, Versorgungsengpässen und explodierenden Treibstoffkosten.

Am Mittwoch vergangener Woche hob zum ersten Mal ein A320neo mit Starlink-Wi-Fi an Bord ab, von Frankfurt nach Rom. Für Lufthansa ist das mehr als eine Randnotiz: Bis 2029 sollen rund 850 Flugzeuge der Gruppe mit dem Satelliteninternet ausgestattet werden.

Wer die Ambition der Airline verstehen will, muss sich diese Zahl vor Augen führen – es ist der Versuch, das Bordprodukt technologisch neu zu definieren, während anderswo im Konzern die Substanz bröckelt.

Die Rechnung, die nicht aufgeht

Denn parallel zur Wi-Fi-Offensive musste die Lufthansa Group ihre Zahlen für das zweite Quartal offenlegen, und die lesen sich deutlich nüchterner. Einem Umsatz von 11,1 Milliarden Euro stand ein angepasstes EBIT von nur 383 Millionen Euro gegenüber – belastet von rund 750 Millionen Euro höheren Treibstoffkosten und mindestens 150 Millionen Euro an streikbedingten Kosten.

Die Kernmarke Lufthansa Airlines rutschte dabei sogar in die roten Zahlen, mit einem angepassten EBIT von minus 37 Millionen Euro. Die Gesamtjahresprognose für 2026 wurde entsprechend auf eine Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro angepasst.

Man kann das als Momentaufnahme abtun. Aber es ist eben auch ein Muster: Eine Fluggesellschaft, die technologisch nach vorne investiert, während operative Störungen – Personal, Treibstoff, Lieferketten – immer wieder Löcher in die Bilanz reißen. Genau diese Gemengelage drückte den Kurs zuletzt spürbar; die schwachen Quartalszahlen und die gesenkte Prognose wurden in der Berichterstattung direkt mit dem Kursrückgang verknüpft.

Wenn der Streit zum Dauerzustand wird

Die Streikthematik zieht sich wie ein roter Faden durch den August. Am Flughafen Barcelona setzte der Dienstleister Groundforce seinen unbefristeten Streik fort und störte Check-in, Boarding und Gepäckabfertigung für Flüge der Gruppe – ein Ausstand einer dritten Partei, den Lufthansa selbst nicht direkt kontrollieren kann, der aber trotzdem ihre Passagiere und ihre Reputation trifft.

In der hauseigenen Tarifauseinandersetzung wiederum wurden mit Roland Koch, Bodo Ramelow und Volker Heckelmann drei Schlichter benannt – ein Signal, dass der Konflikt inzwischen eine institutionalisierte Lösung braucht, weil die Fronten offenbar verhärtet sind.

Dazu kam noch eine kuriose Randepisode: Am Flughafen Windhoek meldete die Tochter Discover Airlines eine temporäre Kerosin-Knappheit, die Flüge von Namibia nach Europa beeinträchtigte. Lufthansa selbst stufte das als lokales, vorübergehendes Versorgungsproblem bei den Lieferanten ein.

Für sich genommen eine Fußnote – aber im Zusammenspiel mit Streiks und Kostendruck fügt sie sich in ein größeres Bild: Ein Konzern, der an vielen Fronten gleichzeitig improvisieren muss.

Der Markt zieht seine eigenen Schlüsse

Die Aktie hat diese Gemengelage längst eingepreist. Sie notiert derzeit rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das im Sommer erreicht wurde, während der Abstand zum Jahrestief bei etwa 19 Prozent liegt – ein Papier, das sich irgendwo zwischen Erholung und Rückschlag eingerichtet hat. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von 11 Prozent zu Buche, ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die jüngste Nachrichtenlage belastet hat.

Bleibt die Frage, welche der beiden Erzählungen am Ende überwiegt: die des Innovators, der mit Starlink ein Premiumprodukt schafft, oder die des Krisenmanagers, der Streiks moderiert und Kostenexplosionen abfedert. Beide Geschichten sind wahr, beide laufen parallel – und genau das macht Lufthansa derzeit zu einem so schwer zu lesenden Wert.

Wer auf die Wi-Fi-Ausstattung von 850 Flugzeugen schaut, sieht einen Konzern mit Zukunftsplan. Wer auf die Quartalszahlen schaut, sieht einen Konzern, der im Hier und Jetzt kämpft. Anleger müssen beide Bilder gleichzeitig aushalten.

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