Micron Technology Aktie: Burry warnt vor Zykluswende
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 13:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ausgerechnet vor der anstehenden Bilanzvorlage für das vierte Geschäftsquartal am 30. September gerät Micron Technology ins Visier prominenter Skeptiker. Während der Titel im heutigen Handel bei 958,60 Euro verharrt, wächst an den Märkten die Nervosität vor einer möglichen Trendwende am Speichermarkt.
Für mich zeigt die aktuelle Gemengelage jedoch vor allem eines: Wer Micron heute rein nach den Maßstäben früherer Halbleiterzyklen bewertet, verkennt den tiefgreifenden Wandel im Geschäftsmodell der US-Amerikaner.
Der Bärenangriff von Michael Burry
Ausgelöst wurde die jüngste Debatte durch bekannte Leerverkäufer. Seine Warnung wiegt schwer, denn er verweist auf eine drohende Zykluswende und sieht die Notierungen auf überzogenen Niveaus.
Als Kronzeugen führt Burry Aussagen von Acer-Chef Jason Chen an, wonach bei Standard-DDR4-Bausteinen mittlerweile mehr Verkäufer als Käufer am Markt agieren. Zudem rüstet die chinesische Konkurrenz auf: ChangXin Memory Technologies (CXMT) meldete den Start der Massenfertigung seiner fünften Chipgeneration.
Die Argumente der Bären klingen vertraut. Historisch betrachtet neigt die Speicherbranche nach explosiven Boomphasen zu heftigen Abstürzen, sobald Überkapazitäten aufgebaut sind.
Dass Micron seit Jahresanfang ein Kursplus von 280 Prozent verbucht, liefert Kritikern scheinbar genügend Munition für Gewinnmitnahmen. Doch der Vergleich mit früheren Abschwüngen hinkt an einer entscheidenden Stelle: dem veränderten Nachfrageprofil durch künstliche Intelligenz.
Langfristverträge brechen den klassischen Zyklus
Die Annahme, dass das Platzen einer DDR4-Blase den gesamten Konzern mit in die Tiefe reißt, greift meines Erachtens zu kurz. Das lukrative Wachstum spielt sich längst bei Hochleistungsspeichern für Rechenzentren ab.
Hier bindet High-Bandwidth-Memory (HBM) erhebliche Fertigungskapazitäten, die für Standardchips schlicht nicht mehr zur Verfügung stehen. Das Management teilte bereits mit, dass die HBM-Kapazitäten bis weit in das Kalenderjahr 2027 hinein ausgebucht sind.
Noch bedeutsamer ist die strukturelle Absicherung. Dieses Instrumentarium federt Preisschwankungen ab, die frühere Zyklen so verheerend machten.
Gleichwohl existieren Risiken, die Anleger nicht ausblenden dürfen. Neben dem wachsenden Wettbewerb durch Samsung und SK Hynix liegen die Analystenerwartungen für den 30. September mit einem prognostizierten Quartalsumsatz von gut 50,8 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von über 31 Dollar extrem hoch.
Fazit: Die Fundamentaldaten stützen die Bullen
Unterm Strich überwiegen für mich derzeit die Chancen. Micron notiert mit einem Abschlag von 13 Prozent zu seinem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro keineswegs in einer unkontrollierten Euphorie. Die langfristigen Liefervereinbarungen und der anhaltende Hunger der Cloud-Konzerne nach spezialisiertem KI-Speicher bilden ein stabiles Fundament.
Burrys Skepsis bezüglich einfacher Standardchips mag berechtigt sein, doch Microns Ertragskraft hängt inzwischen an weitaus widerstandsfähigeren Pfeilern. Sollte der Vorstand am kommenden Mittwoch die anhaltende Nachfrage bis 2028 bekräftigen, dürften die Leerverkäufer rasch unter Zugzwang geraten.
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