Microsoft Aktie: Auftragsbücher voller denn je
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 16:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein einziger Quartalsbericht genügte, um die gesamte Tech-Branche neu zu sortieren. Während Apple wegen einer schwachen Prognose abstürzte und Meta unter der Last seiner KI-Ausgaben litt, lieferte Microsoft den Beweis, dass sich Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz tatsächlich auszahlen können. Die Aktie sprang um mehr als 15 Prozent nach oben und zog Chiphersteller von Seoul bis Taipeh mit sich.
Cloud-Geschäft übertrifft die eigenen Ziele
Im vierten Geschäftsquartal wuchs der Umsatz um 18 Prozent auf 90,0 Milliarden Dollar und übertraf damit die eigene Prognose von bis zu 87,8 Milliarden Dollar deutlich. Der Nettogewinn kletterte um 31 Prozent auf 35,9 Milliarden Dollar, gestützt auch durch einen Sondereffekt aus der Beteiligung an Anthropic. Motor bleibt Azure: Die Cloud-Sparte legte währungsbereinigt um 43 Prozent zu und knackte im Jahresumsatz erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar.
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf das, was noch aussteht. Der vertraglich gesicherte Cloud-Auftragsbestand stieg von 627 auf 678 Milliarden Dollar. Das signalisiert, dass Unternehmen nicht nur kurzfristig auf Microsofts KI-Angebot setzen, sondern sich über Jahre hinweg binden. Copilot liefert dazu die passende Ergänzung: Der digitale Assistent zählt inzwischen mehr als 30 Millionen zahlende Nutzer.
Investitionen bleiben hoch, Cashflow hält stand
Der Preis für dieses Wachstum ist happig. Im vierten Quartal flossen 41 Milliarden Dollar in den Kapazitätsausbau, ein Plus von über 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Kalenderjahr hat Microsoft die Investitionsprognose zugleich von rund 190 auf etwa 175 Milliarden Dollar gesenkt, nachdem die geschätzte Nutzungsdauer von Rechenzentren und Bürogebäuden von 15 auf 25 Jahre verlängert wurde.
Trotz der massiven Ausgaben blieb der freie Cashflow mit 19,6 Milliarden Dollar über den Erwartungen — ein Kontrast zu Wettbewerbern wie Amazon oder Meta, deren Barmittelflüsse zuletzt unter dem Investitionsdruck einbrachen. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 23 handelt Microsoft damit günstiger als Amazon, aber teurer als Alphabet.
Chart und Analysten sehen weiteren Spielraum
Der Kurssprung hat auch charttechnisch einiges bewegt: Microsoft eroberte den 50-Tage-Durchschnitt zurück und ließ die 200-Tage-Linie bei rund 435 Dollar hinter sich. Als nächste Marke gilt eine Zone zwischen 480 und 500 Dollar. RBC bestätigte nach den Zahlen seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 640 Dollar.
Für das laufende Quartal peilt Microsoft ein Umsatzwachstum von rund 16 Prozent an, bei Azure soll sich das Tempo sogar auf etwa 45 Prozent beschleunigen. Ob der Konzern dieses hohe Ziel erreicht, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie schnell sich der prall gefüllte Auftragsbestand in tatsächlich abgerechnete Cloud-Umsätze verwandelt.
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