Microsoft Aktie: Azure überschreitet 100 Milliarden Dollar
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 17:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Auftragsbestand von Microsoft ist binnen eines Jahres um 84 Prozent auf 678 Milliarden Dollar gewachsen – eine Zahl, die den größten Tagesgewinn der Börsengeschichte ausgelöst hat und nun auch die Kursziele der Analysten in Bewegung bringt. Nach dem Kurssprung vom Donnerstag zieht die Aktie ihre Rally fort, während erste Häuser ihre Bewertungen anpassen.
An der Frankfurter Börse schloss das Papier am Freitag bei 403,00 Euro, ein Plus von 3,03 Prozent. Binnen sieben Handelstagen summierte sich der Zuwachs auf 20,03 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 73,8 signalisiert dabei eine überkaufte Marktlage – ein Hinweis darauf, dass die Rally kurzfristig heiß gelaufen ist, auch wenn die fundamentale Basis für den Sprung ungewöhnlich solide ausfällt.
Azure knackt die 100-Milliarden-Marke
Auslöser der Bewegung sind die Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 30. Juni endete. Microsoft steigerte den Umsatz um 18 Prozent auf 90,0 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis legte ebenfalls um 18 Prozent auf 40,6 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn je Aktie kletterte auf non-GAAP-Basis auf 4,74 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 4,24 Dollar deutlich. Für das Gesamtjahr wies Microsoft einen Umsatz von 331,8 Milliarden Dollar aus, ein Plus von 18 Prozent.
Kernstück der Zahlen ist Azure: Die Cloud-Sparte wuchs im Quartal um 43 Prozent, das schnellste Tempo seit Anfang 2022, und überschritt im Gesamtjahr erstmals die Schwelle von 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Die gesamte Microsoft-Cloud-Sparte legte um 27 Prozent auf 59,3 Milliarden Dollar zu. Finanzchefin Amy Hood verwies zudem auf eine Bilanzierungsänderung: Die angenommene Nutzungsdauer der Rechenzentren wurde von 15 auf 25 Jahre verlängert, was die Abschreibungslast künftig senkt.
Der Markt reagierte am Donnerstag mit einem Kurssprung, der Microsoft rund 450 Milliarden Dollar an Marktwert einbrachte – der größte Tagesgewinn, den je ein Unternehmen an der Börse verzeichnet hat, und ein Wert, der den bisherigen Rekord von Nvidia aus dem April 2025 übertrifft.
Analysten reagieren mit höheren Kurszielen
Die Kursreaktion zieht Anpassungen bei den Bewertungen nach sich. BMO Capital Markets erhöhte sein Kursziel am Samstag von 500 auf 515 Dollar und bestätigte die Einstufung Outperform, was aus heutiger Sicht ein Aufwärtspotenzial von rund 10,8 Prozent implizieren würde. Insgesamt haben mindestens neun Broker ihre Kursziele nach den Zahlen angehoben, der Durchschnitt liegt bei 560,90 Dollar. Der breitere Analystenkonsens bewegt sich um 558,64 Dollar bei einer Einstufung als Moderate Buy.
Nicht alle Marktteilnehmer teilen die Euphorie uneingeschränkt. Jefferies-Stratege Chris Wood warnte, der branchenweite Investitionsschub in Künstliche Intelligenz berge das Risiko, Milliarden zu verbrennen, sollte sich das Wachstum nicht wie erhofft materialisieren. Microsoft selbst hält an seiner Kapitalausgaben-Guidance von rund 175 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr fest, für das erste Quartal des neuen Fiskaljahres werden Investitionen von über 50 Milliarden Dollar erwartet. Für das laufende Quartal stellt Microsoft einen Umsatz zwischen 89,85 und 90,95 Milliarden Dollar sowie ein Azure-Wachstum von rund 45 Prozent zu konstanten Wechselkursen in Aussicht.
Windows schwächelt, Cloud-Marktanteil wächst
Nicht jedes Segment lieferte positive Überraschungen. Die Sparte Windows OEM & Devices verzeichnete einen Umsatzrückgang von 7 Prozent, das reine Windows-OEM-Geschäft fiel um 5 Prozent. Microsoft begründete dies mit schwächerer PC-Nachfrage und einem hohen Vorjahresvergleichswert, der vom Support-Ende für Windows 10 profitiert hatte. Der Support für Windows 10 wurde inzwischen bis Oktober 2027 verlängert.
Im Cloud-Infrastrukturmarkt insgesamt, der im zweiten Quartal 2026 um 43 Prozent auf 143 Milliarden Dollar zulegte – das schnellste Wachstum seit acht Jahren –, behauptet Microsoft mit Azure einen Marktanteil von 20 Prozent hinter Marktführer AWS mit 28 Prozent. Zusammen mit Google Cloud vereinen die drei größten Anbieter 67 Prozent des Marktes auf sich.
Parallel zu den starken Geschäftszahlen bauten einzelne Führungskräfte des Unternehmens zuletzt Aktienpositionen ab, was angesichts der gestiegenen Kurse als übliche Portfoliobereinigung zu werten ist und die grundsätzlich positive Markteinschätzung nicht schmälerte. Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob das nun rekordhohe Auftragspolster von 678 Milliarden Dollar die massiven Investitionen in Rechenzentren und Künstliche Intelligenz auch in den kommenden Quartalen rechtfertigt.
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