MP Materials Aktie: 54 Prozent seit 52-Wochen-Tief
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 04:47 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Sommer voller Handelsspannungen liegt hinter MP Materials. Diese Woche hat der Titel etwas geschafft, das nach den Turbulenzen kaum jemand erwartet hätte: einen Ausbruch nach oben, der den "China-Abschlag" endgültig hinter sich lassen könnte. Für mich ist das mehr als eine technische Randnotiz — es ist ein Stimmungswechsel.
Die Aktie schloss am Freitag bei 51,00 Euro, ein Plus von 5,7 Prozent an nur einem Tag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 15 Prozent zu Buche. Der eigentliche Knackpunkt liegt aber woanders: MP Materials hat den 200-Tage-Durchschnitt bei 49,82 Euro durchbrochen und notiert nun 2,4 Prozent darüber.
Warum dieser Durchbruch zählt
Ende Juli notierte die Aktie noch bei 33,10 Euro — dem 52-Wochen-Tief, erreicht kurz nachdem Chinas Handelsministerium das Unternehmen auf seine Exportkontrollliste gesetzt hatte. Seitdem hat sich der Kurs um 54 Prozent erholt. Das ist keine kleine Gegenbewegung, das ist eine Kehrtwende.
Aus meiner Sicht signalisiert das: Investoren gewichten operative Meilensteine inzwischen stärker als geopolitisches Rauschen aus Peking. Die Aktie hat zudem den 50-Tage-Durchschnitt um 13 Prozent überschritten. Der kurzfristige Trend ist damit klar von defensiv auf offensiv gekippt.
Die Quartalszahlen liefern das Fundament
Was den Kurs trägt, sind keine bloßen Hoffnungen. Der Umsatz hat sich im zweiten Quartal auf 126,1 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Treiber war ein Absatzsprung von 127 Prozent bei Neodym-Praseodym, dem Schlüsselrohstoff für Hochleistungsmagnete.
Zwar blieb unterm Strich noch ein kleiner bereinigter Verlust von einem Cent je Aktie. Das bereinigte EBITDA kletterte aber auf 28,5 Millionen Dollar. Für mich zeigt das: Die Anlage in Mountain Pass erreicht endlich die Skalierung, die nötig ist, um die nachgelagerten Ambitionen des Konzerns zu tragen.
Der eigentliche Clou steckt im Zeitplan. Die Independence-Anlage in Texas soll im vierten Quartal 2026 die ersten kommerziellen Magnetlieferungen an General Motors starten. Damit vollzieht MP Materials den Sprung vom reinen Konzentrat-Miner über den Oxid-Raffinerie-Betreiber hin zum vertikal integrierten Magnethersteller. Genau das ist der Kern der bullischen These: Wer die eigene Lieferkette kontrolliert, macht sich unabhängig von genau den Exportkontrollen, die den Kurs zuvor belastet haben.
Geopolitik als unerwarteter Rückenwind
Paradoxerweise könnten Chinas Exportbeschränkungen vom Juni 2026 langfristig sogar helfen. Die G7-Staaten haben vereinbart, Importe seltener Erden aus einzelnen Quellen außerhalb des Blocks bis 2030 auf unter 60 Prozent zu begrenzen. Das rückt MP Materials als westliche Alternative automatisch ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Mit 1,45 Milliarden Dollar an Kassenbestand und kurzfristigen Anlagen ist der Ausbau in die Trennung schwerer seltener Erden — Terbium und Dysprosium — sowie das Magnetrecycling vollständig finanziert. Das nimmt dem Wachstumspfad ein zentrales Risiko.
Wo die Vorsicht ansetzt
Ganz ohne Warnsignal ist die Rally nicht. Der 14-Tage-RSI steht bei 67,0 und nähert sich der überkauften Zone von 70. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 75 Prozent sollten scharfe Gegenbewegungen niemanden überraschen — das ist kein ruhiges Papier.
Mein Fazit: Das Chance-Risiko-Verhältnis hat sich verschoben, aber nicht risikofrei gemacht. Das Kursziel des Analysten-Konsenses liegt bei 75,28 Dollar, ein Aufwärtspotenzial von 27,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Hält das Unternehmen sein Investitionsbudget von 500 bis 600 Millionen Dollar für 2026 ein und starten die GM-Lieferungen wie geplant im vierten Quartal, dürfte sich die Lücke zum 52-Wochen-Hoch von 91,20 Euro schneller schließen, als es der Markt aktuell einpreist. Aus einem reinen Rohstoffwert könnte dann tatsächlich ein Technologie-Zulieferer mit entsprechender Bewertung werden.
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