Netflix Aktie: Erste Verkaufsempfehlung überhaupt
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 16:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Netflix kannte bislang nur zwei Zustände unter Analysten: Kaufen oder Halten. Ein Verkaufsrating hatte die Aktie in ihrer gesamten Coverage-Historie noch nie kassiert. Damit ist jetzt Schluss.
Wells Fargo hat Netflix von "Equal Weight" auf "Underweight" gesenkt und das Kursziel von 80 auf 57 Dollar gekappt. Zur Einordnung: Vor dieser Entscheidung standen 35 Kaufempfehlungen und 16 Halten-Ratings zu Buche, keine einzige Verkaufsempfehlung.
Analyst Steven Cahall bricht mit dieser Linie und schickt damit ein Signal, das der Markt sofort quittierte — die Aktie fiel vorbörslich zeitweise deutlich, während Nasdaq, S&P 500 und Dow Jones im Plus notierten.
Schwächelnde Inhalte als Kernproblem
Der Abstufung liegt eine detaillierte Analyse von mehr als 150 Schlüsseltiteln für die zweite Jahreshälfte 2026 zugrunde. Cahalls Fazit: Das Netflix-Originals-Programm ist schwächer als in früheren Perioden. Er erwartet einen Rückgang der Zuschauerzahlen um 4 Prozent im Jahresvergleich für das zweite Halbjahr, bei den Top-100-Originals sogar einen Einbruch von mehr als 20 Prozent.
Schon in der ersten Jahreshälfte 2026 sanken die Streamingstunden pro Abonnent bei den Top-100-Originals um 3 Prozent. Hinzu kommt ein Nielsen-Datenpunkt, der aufhorchen lässt: Der US-Fernsehmarktanteil von Netflix ist unter 8 Prozent gerutscht. Wells Fargo rechnet für das zweite Halbjahr mit insgesamt 96 Milliarden Streamingstunden — ein Rückgang der Nutzungsintensität pro Abonnent um 4 Prozent.
Als konkreten negativen Katalysator nennt die Bank den Viewership Report für das zweite Halbjahr und das Gesamtjahr 2026, der im Januar 2027 erscheinen soll. Bis dahin dürfte das schwächere Programm im Fokus bleiben.
Bewertung bleibt ein Gegenargument
Wells Fargo senkte zudem die Gewinnschätzungen: Für 2027 rechnet die Bank nur noch mit 3,77 Dollar Gewinn pro Aktie, für 2028 mit 4,52 Dollar. Das neue Kursziel basiert auf dem 15-Fachen der erwarteten Gewinne für 2027 — deutlich weniger als das zuvor verwendete 21-Fache.
Nicht alle Marktteilnehmer teilen diesen Pessimismus. Netflix handelt aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 24 und einem PEG-Verhältnis von 0,65 — ein Wert, der auf eine im Verhältnis zum Gewinnwachstum günstige Bewertung hindeutet.
Andere Häuser sehen entsprechend deutlich mehr Potenzial: Evercore ISI hob sein Kursziel auf 110 Dollar an, BMO Capital bekräftigte 135 Dollar und verweist auf Werbeeinnahmen als Wachstumstreiber in den USA und Kanada. Das Analystenbild ist damit gespalten wie selten zuvor bei diesem Titel.
Operativ setzt Netflix parallel auf Diversifizierung: Preiserhöhungen in Deutschland und Österreich sollen Umsätze stützen, eine neue E-Commerce-Partnerschaft mit Shopee in Südostasien soll zusätzliche Abonnenten über das Programm ShopeeVIP+ gewinnen. Ob solche Nebenwege den befürchteten Engagement-Rückgang aus dem schwächeren Content-Angebot ausgleichen können, entscheidet sich erst mit den Nutzungsdaten der kommenden Monate.
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