Netlist Aktie: Kurs rast 648 Prozent in die Überkauftzone
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Netlist hat mit einer Klagewelle gegen vier Schwergewichte der Speicherbranche für Aufsehen gesorgt. Vor rund drei Wochen reichte das Unternehmen bei der US-Handelskommission ITC eine Beschwerde gegen Micron, Supermicro, HPE und Lenovo ein.
Der Vorwurf: Patentverletzung bei vier Netlist-Patenten mit den Nummern 10.025.731, 10.217.523, 12.373.366 und 12.675.407. Netlist verlangt Ausfuhrsperren und Unterlassungsverfügungen gegen die betroffenen Speicherprodukte.
Parallel dazu zog das Unternehmen gegen Micron vor ein US-Bundesgericht in Kalifornien. Dort stützt sich Netlist auf zwei der bereits bei der ITC genannten Patente. Der Rechtsstreit mit Micron bleibt damit auf zwei Fronten ungelöst und dürfte Anleger noch länger beschäftigen.
Zahlen liefern das Fundament für die Klagen
Die juristische Offensive fällt in eine Phase, in der Netlist operativ deutlich zulegt. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 109,8 Millionen US-Dollar, ein Plus von 163 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 38 Prozent über den Erwartungen. Der Bruttogewinn schoss um 1.544 Prozent auf 22,9 Millionen US-Dollar nach oben, getrieben von knapper DRAM-Versorgung und starker Nachfrage nach Speicherprodukten.
Für die ersten sechs Monate des Jahres weist Netlist einen Nettoumsatz von 214,7 Millionen US-Dollar aus, verglichen mit 70,7 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Halbjahresgewinn lag bei 10,0 Millionen US-Dollar beziehungsweise 0,03 US-Dollar je Aktie, nach einem Verlust von 15,6 Millionen US-Dollar im Vorjahr.
Allerdings schlagen die Rechtsstreitigkeiten selbst zu Buche: Die Kosten für geistiges Eigentum stiegen im zweiten Quartal auf 16,8 Millionen US-Dollar, seit Jahresbeginn summieren sie sich auf 25,7 Millionen US-Dollar.
Samsung-Deal bleibt Rückenwind, Roth-Kursziel als Belohnung
Die Kooperationsvereinbarung mit Samsung, die Netlist vor rund einem Monat unterzeichnete, wirkt weiter als Vertrauensbeweis für die Patentstrategie des Unternehmens. Der Fünf-Jahres-Vertrag umfasst Kreuzlizenzen, technische Zusammenarbeit und Produktlieferungen im Volumen von 897 Millionen US-Dollar.
Samsung zahlte eine Vorauszahlung von 239 Millionen US-Dollar und leistet bis 2031 vierteljährliche Patentlizenzgebühren von bis zu 32,9 Millionen US-Dollar. Zusätzlich kaufte Samsung zehn Millionen Netlist-Aktien.
Vor diesem Hintergrund hob Roth Capital, ebenfalls vor gut drei Wochen, sein Kursziel für Netlist von 10 auf 15 US-Dollar an und verwies auf mögliche Lizenz- oder Vergleichseinnahmen aus den laufenden Patentstreitigkeiten.
Kursrally trifft auf technisch überhitzte Lage
Der Aktienkurs hat die Nachrichtenlage längst eingepreist: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 648 Prozent zu Buche, binnen zwölf Monaten sogar 702 Prozent.
Am Dienstag schloss das Papier bei 6,66 US-Dollar, nur 4,9 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 7,00 US-Dollar. Der Relative-Stärke-Index von 73 signalisiert eine überkaufte Situation, was kurzfristige Rücksetzer wahrscheinlicher macht.
Anleger blicken zudem auf den 18. September, wenn Netlist im Rahmen der Hauptversammlung im UCI Research Park in Irvine über die Wahl von drei Vorstandsmitgliedern und die Bestätigung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Macias Gini & O'Connell abstimmen lässt.
Für das dritte Quartal 2026 rechnet das Management mit einem Produktumsatz auf ähnlichem Niveau wie im zweiten Quartal – ein Signal, dass das operative Momentum vorerst anhalten dürfte, während die Patentklagen im Hintergrund weiterlaufen.
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