Novartis, Aktie

Novartis Aktie: Investoren zweifeln an M&A-Strategie

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 05:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach zwei gescheiterten Phase-III-Studien prüfen Investoren Novartis’ Übernahmestrategie kritischer; die Aktie bleibt deutlich unter ihrem Jahreshoch.

Pop-Art-Illustration einer DNA-Doppelhelix mit Kapsel in leuchtendem Halftone-Raster
Novartis AG CH0012005267 – Pop-Art-Comic mit stilisierter DNA-Helix und Kapsel im bunten Halftone-Raster Illustration mit AI erstellt.

Novartis gerät nach einer Serie klinischer Rückschläge zunehmend unter Druck – nicht wegen der Studienergebnisse selbst, sondern wegen der Frage, wie der Konzern seine Zukäufe steuert.

Reuters berichtete am Freitag vergangener Woche, dass Investoren die Akquisitions- und M&A-Strategie des Schweizer Pharmakonzerns kritischer hinterfragen als zuvor. Im Zentrum steht die Belastung der Entwicklungspipeline durch gescheiterte Studien bei zwei prominenten Wirkstoffkandidaten.

Zwei Fehlschläge, ein gemeinsamer Nenner

Die Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON zu Pelacarsen verfehlte ihren primären Endpunkt: Der Wirkstoff senkte bei Patienten mit erhöhtem Lp(a) und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber Placebo nicht.

Einen Tag später musste Novartis einräumen, dass auch delpacibart etedesiran (del-desiran) in der HARBOR-Studie bei Myotonic Dystrophy Typ 1 den primären Endpunkt nicht erreichte. Die weitere Auswertung der Studiendaten und die Kommunikation zu den nächsten Entwicklungsschritten stehen laut Unternehmensangaben noch aus.

Der eigentliche Nervenpunkt fĂĽr Anleger liegt jedoch nicht in den einzelnen Studienergebnissen, sondern in ihrer Herkunft. Del-desiran stammt aus dem Entwicklungsportfolio von Avidity Biosciences, das Novartis fĂĽr 12 Milliarden US-Dollar ĂĽbernommen hatte.

Reuters ordnete den Fehlschlag explizit diesem zugekauften Programm zu. Damit rückt eine Übernahme in den Fokus, die eigentlich die Pipeline stärken sollte – und stattdessen zum Symbol für die Risiken teurer externer Zukäufe wird.

Kritische Fragen zur Konzernstrategie

Die Häufung der Rückschläge binnen weniger Tage nährt bei institutionellen Investoren den Eindruck, dass Novartis seine Wachstumsstrategie zu stark auf Milliarden-Akquisitionen stützt, ohne die klinischen Risiken ausreichend abzusichern.

Reuters beschreibt eine Debatte, die über die einzelnen Studienergebnisse hinausgeht und grundsätzlich die Kapitalallokation des Konzerns betrifft. Für ein Unternehmen, das seine Pipeline maßgeblich über Zukäufe erweitert, ist eine solche Diskussion mehr als eine Randnotiz.

Novartis selbst setzt parallel auf andere strategische Akzente: Die US-Tochter kündigte am Mittwoch vergangener Woche Investitionen in Daten- und KI-Kompetenzen für 6.000 Beschäftigte an. Ob dies die Bedenken der Investoren hinsichtlich der M&A-Praxis zerstreut, bleibt in den vorliegenden Meldungen offen.

Kurs spiegelt die Verunsicherung

Die Aktie notierte am Donnerstag bei 122,96 Euro und liegt damit rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 144,30 Euro, das Ende Februar erreicht wurde. Über die vergangenen 30 Tage verlor das Papier 10 Prozent, während es auf Sicht von sieben Tagen um 3,7 Prozent zulegte – ein Hinweis darauf, dass sich die Verkaufswelle nach den Studienpleiten zuletzt etwas beruhigt hat.

Der Relative-Stärke-Index von knapp 40 signalisiert weiterhin keine überverkaufte Lage im klassischen Sinne, deutet aber auf anhaltend schwache Kursdynamik hin.

Für Anleger bleibt die zentrale Frage nicht, ob einzelne Studien scheitern – das gehört zum Pharmageschäft –, sondern ob Novartis seine milliardenschweren Übernahmen künftig disziplinierter auf klinische Risiken prüft. Die Antwort darauf dürfte den Kurs in den kommenden Monaten stärker bestimmen als jedes einzelne Studienergebnis.

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