Novartis Aktie: Zwei Gesichter
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 03:57 Uhr | Redaktion boerse-global.deZwei Zahlen, ein Quartal: Das bereinigte operative Ergebnis von Novartis legt zweistellig zu, das berichtete operative Ergebnis bricht um rund 60 Prozent ein. Der Pharmakonzern hebt trotzdem seine Jahresprognose an, und die Aktie gewinnt rund 3 Prozent.
Kostenkontrolle schlägt Generika-Druck
Bereinigt um Sondereffekte stieg das operative Ergebnis im dritten Quartal um elf Prozent auf gut 6 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Der Konzern erklärt das mit Produktivitätsmaßnahmen und damit, dass der Gegenwind durch Nachahmerpräparate weiter nachlässt.
Der Umsatz wuchs um 4 Prozent auf gut 14,5 Milliarden Dollar. Prioritäre Marken und Neueinführungen machten die Einbußen durch Generika mehr als wett. Entresto, Promacta und Tasigna haben 2025 ihren Patentschutz verloren. Im ersten Quartal hatte Novartis deshalb noch ein Umsatzminus ausgewiesen, im zweiten kehrte der Konzern zum Wachstum zurück.
Für 2026 erwartet Novartis beim bereinigten operativen Ergebnis nun mindestens Stagnation oder einen Anstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Bisher stand hier ein Rückgang im Raum. Beim Umsatz bleibt es bei einem Plus im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Goldman Sachs sieht in der Kostenkontrolle den Treiber einer beschleunigten Gewinndynamik und hält um rund zwei Prozent steigende Markterwartungen für möglich. Jefferies verweist auf deutlich niedrigere Vertriebs- und Verwaltungskosten als erwartet. Auch der Umsatz überraschte leicht positiv, getragen von älteren Produkten und dem starken Schuppenflechte-Mittel Cosentyx.
Wertminderung drückt die Bilanz
Die berichteten Zahlen fallen deutlich schwächer aus. Der operative Gewinn sank auf 1,84 Milliarden Dollar, der Überschuss auf 1,2 Milliarden nach 3,9 Milliarden im Vorjahr. Ursache sind Wertminderungen von 1,9 Milliarden Dollar nach einer gescheiterten Studie mit Del-Desiran gegen myotone Dystrophie Typ 1.
Es ist nicht der einzige Rückschlag in der späten Forschung. Zuletzt verfehlten auch Pelacarsen und Remibrutinib bei Myasthenia gravis ihre Ziele. Konzernchef Vas Narasimhan will Del-Desiran dennoch weiterentwickeln und hält an der Mittelfristplanung bis 2030 fest.
Positive Nachrichten kamen parallel aus der Pipeline: Remibrutinib erzielte in Phase III bei schubförmiger multipler Sklerose positive Ergebnisse. In den USA wurden die Fachinformationen für Rhapsido und Pluvicto erweitert, und für Pelabresib liegt der erste Zulassungsantrag in der EU vor.
Der Markt gewichtet offenbar die operative Stärke höher als die Abschreibung, weil diese nicht den laufenden Geschäftsverlauf betrifft. Entscheidend für die Kursreaktion ist die angehobene Prognose, die erstmals seit Jahresbeginn wieder Gewinnwachstum in Aussicht stellt.
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